Freitag, 23.04.2021

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Durchatmen dank Lockdown?

23.02.2021 11:36 Uhr

In Nürnberg, Fürth und Erlangen wurde 2020 die beste Luft der letzten 10 Jahre geatmet.

23.02.2021 © Panthermedia


Alle im Raum Nürnberg, Fürth und Erlangen konnten 2020 aufatmen: hier war die Luftqualität die beste im Schnitt der letzten zehn Jahre. Dies betrifft vor allem das Konzentrationsniveau von Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub. Besonders die verkehrsnahen Messstationen meldeten einen starken Rückgang der NO2-Belastung. Der Stoff gilt als Indikator für die Luftqualität allgemein - und für die Luftbelastung durch den Verkehr. Etwa 60 Prozent des NO2 in deutschen Innenstädten werden durch ihn in die Luft geblasen. Spitzenwerte liegen sogar bei 80 Prozent.

Weniger Stickstoff und Feinstaub in der Luft

Für den Rückgang des Stoffs in der Luft ist nicht nur der Lockdown verantwortlich. Jeder, der in den letzten Jahren ein Elektroauto gekauft hat, kann sich hierfür auf die Schulter klopfen. Das gleiche gilt auch für andere Fahrzeuge mit modernerem Antrieb, etwa Hybridwagen oder Euro-6-Diesel. Diese positive Entwicklung in Richtung saubere Luft wurde durch die Corona-Maßnahmen noch verstärkt.

Messstation erreicht Niedrig-Rekord

In Nürnberg war die Verbesserung besonders in der Innenstadt messbar, erklärt Alexander Mahr vom Umweltlabor der Stadt. Im letzten Monat wurde von der Messstation am Jakobsplatz mit 25 μg/m³ NO2 sogar ein neuer Niedrigrekord erreicht – in keinem bisherigen Dezember wurden dort so geringe Werte gemessen. Eine Konzentration von 1 μg/m³ entspricht dabei etwa einem Teelöffel Mehl, der in der Allianz-Arena verstäubt ist.

Auch in Muggenhof zeigte das Messgerät den gleichen Monatsdurchschnitt wie am Jakobsplatz, ein sehr guter Wert für den Standort. Die Station am Flughafen verzeichnete dagegen eine geringere Abnahme. Das spricht dafür, dass der reduzierte Pendlerverkehr in der Innenstadt einen Anteil an der Entwicklung trägt.

Wichtig bei diesen Beobachtungen: Die Schadstoffkonzentration in der Luft hängt nicht nur von den eigentlichen Emissionen ab. Auch Umweltfaktoren wie wechselhaftes Wetter und Wind können für starke Schwankungen der Luftqualität sorgen. Deswegen sollten Messwerte mindestens als Monatsdurchschnitte betrachtet werden - kurzfristigere Trends sind keine belastbaren Indizien für die Auswirkungen des Lockdowns auf die Luftqualität.

Ohne Feuerwerk weniger Feinstaub

Feuerwerke machen normalerweise etwa ein bis zwei Prozent der jährlichen Gesamtemission aus.

23.02.2021 © Konstantin Pawel


Auch das Knallverbot an Silvester zeigte umwelttechnisch Wirkung. Hier war eine deutliche Abnahme der Feinstaubwerte zu erkennen. So meldet das Bayerische Landesamt für Umwelt, dass am Neujahrstag erstmals seit 2006 an keiner Messstation im Land der Tagesmittelgrenzwert überschritten wurde. Die Luft der Innenstädte hat dabei besonders profitiert. So waren die maximalen Stundenmittelwerte für Feinstaub am Nürnberger Jakobsplatz in den letzten fünf Jahren etwa 20 bis 35 mal höher als in diesem Jahr. In normalen Jahren macht Feuerwerk übrigens etwa ein bis zwei Prozent der jährlichen Gesamtemission aus.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass die Corona-Maßnahmen durchaus einen positiven Einfluss auf die Luft in unseren Städten haben. Der positive Trend der letzten Jahre wurde durch den Verkehrsrückgang noch verstärkt.

Konstantin Pavel

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