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"Gretel & Hänsel": Märchen aus Sicht der Schwester

Surreale Bilder, ein vorzüglicher Soundtrack und eine Prise Okkultismus - 08.07.2020 18:32 Uhr

Sophia Lillis als Gretel in dem Film "Gretel & Haensel".

© Patrick Redmond


Weil sich Gretel (Sophia Lillis, "Es") aller Armut zum Trotz weigert, als Zugehfrau bei einem wohlhabenden Lustgreis anzuheuern, wirft die Mama die Geschwister aus dem Haus. Im tiefen dunklen Wald stoßen sie auf eine freundliche alte Dame, die in einem schmucken Häuschen lebt, in dem der Tisch stets reichlich gedeckt ist.

Während der einfältige Hänsel (Samuel Leakey) schnell ankommt, bleibt die ältere Schwester skeptisch. Etwas stimmt nicht in diesem Wald und auch nicht in dieser Welt, in der man – das hat unsere Heldin früh gelernt – nichts geschenkt bekommt, sondern für alles immer auch etwas hergeben muss . . .

Inhaltlich bleibt diese Neuinterpretation hauchdünn, entscheidend ist jedoch, wie hier erzählt wird: mit simplen, surrealen Bildern und einer ganz vorzüglichen Sound- und Musikspur. Regisseur Oz Perkins reichert die bekannte Kannibalengeschichte zudem mit Drogen, Okkultismus und unterschwelliger Sexualität an und präsentiert eine stilisierte Mischung aus Schauermärchen, Kunstfilm, Kammerspiel und Coming-Of-Age-Drama: reichlich unentschlossen, aber schön anzusehen. Wieder mal "Style over substance" also, mit starken Figuren in einer schwachen Geschichte. (87 Minuten)

Stefan Gnad

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