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Dienstag, 21.05.2019

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Heftige Debatten bei den Konservativen

Neptunbrunnen - 06.10.2010 07:10 Uhr

„Wir sind eine demokratische Partei, so etwas kann nicht von oben angeordnet werden“, meint der planungspolitische Sprecher der Konservativen. Zudem lasse sich die nunmehr losgetretene Diskussion ohnehin „nicht mehr einfangen“. Für CSU-Stadtratsfraktionschef Sebastian Brehm ist die heftige Debatte allerdings derzeit nur „ein Scheingefecht“: „Für uns stellt sich die Frage momentan nicht, weil wir einfach nicht die finanziellen Mittel dafür haben.“ Solange die Finanzierung nicht geklärt ist, sei eine Rückkehr des Meeresgottes auf den Hauptmarkt ausgeschlossen. Da eine Ersatzlösung für den Stadtpark gefunden werden müsste, rechnet Brehm mit einer Summe von insgesamt 1 bis 1,5 Millionen Euro. Angesichts der sozialen Probleme in der Stadt könne man solche Beträge nicht verantwortlich in ein Projekt wie die Brunnenverlegung investieren, meinen Brehm und Fleck. Aber selbst wenn das Kostenproblem gelöst wäre, müsste Brehm zufolge geklärt werden, ob der Christkindlesmarkt durch den Neptunbrunnen behindert würde. Für Fleck ist das Marktgeschehen auf dem Hauptmarkt der Hauptgrund dafür, dass er gegen Thiels Vorschlag votiert. „Die Funktionalität des Platzes darf nicht eingeschränkt werden“, sagte der Wirtschaftsreferent der NZ.

Außerdem dürfe man auch die Menschen in den Gebieten Rennweg, Maxfeld und Schoppershof nicht vergessen, die ihren Brunnen gern behalten würden. Fleck selbst bezeichnet sich als „großen Fan“ des Brunnens – er habe ihn schon als Kind im Stadtpark bewundert. „Und da soll er auch bleiben. Das sieht außer einem Mitglied die gesamte CSU-Stadtratsfraktion so“, sagte Fleck.

Auch das Baureferat ist gegen die Verlegung und hat in dem Entwurf für die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs für die Hauptmarkt-Neugestaltung einen Passus integriert, wonach Einbauten auf dem Hauptmarkt ausgeschlossen sind. Thiel will diesen Passus streichen lassen. „Diese Negativvorgabe der Bauverwaltung halte ich für einen nicht gangbaren Weg.“ Es dürfe für die Architekten „keine Denkverbote“ geben.

So könne man auch mit Geschichte nicht umgehen, findet Thiel. Der Neptunbrunnen, einst als Friedensdenkmal geschaffen und dann von den Nazis aus dem Zentrum verbannt, müsste in der Stadt des Friedens und der Menschenrechte einen angemesseneren Standort bekommen. Vor diesem Kontext würdigt auch Brehm den Brunnen-Zwist: „Die Debatte ist ein wertvoller Beitrag zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte.“ Die Bemerkung von SPD-Rat Gerald Raschke, der den Verlegungsgedanken als „Schnapsidee“ abqualifiziert hatte, hält daher auch Brehm für deplatziert – selbst wenn er für den Umzug Neptuns kaum Chancen sieht.

Ab sofort können Sie über den Neptunbrunnen im Internet wieder diskutieren: blog.nz-online.de/senf



  

Marco Puschner Lokales E-Mail

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