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Samstag, 25.05.2019

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Hüterin der fränkischen Volksmusik-Tradition

Die Liebe zum alten Liedgut liegt in der Familie: Die vielseitige Künstlerin Steffi Zachmeier spielt zahlreiche Instrumente - 04.01.2010

Geht unverkrampft mit der Volksmusik um: Steffi Zachmeier. © Josef Schramm


Schon in den frühen 90er Jahren war Steffi Zachmeier mit ihren «Fränkischen Straßenmusikanten» in den Fußgängerzonen der Region unterwegs. In ganz normalen Klamotten, manchmal barfuß, spielten sie altes fränkisches Liedgut, das auch schon mal locker verswingt daherkam.

Umtriebige Mittvierzigerin

Heute besticht die Multinstrumentalistin, die neben dem Akkordeon auch Hackbrett und Kontrabass beherrscht, nicht zuletzt durch ihre Vielseitigkeit: So spielt die umtriebige Mittvierzigerin fränkische Wirtshausmusik mit der Gruppe «Allerwall», verbindet Fränkisch-bayerisches mit weltmusikalischen Einflüssen beim «Duo Phlox», bringt mit dem Trio Califragilis ein Advents-Programm auf die Bühne, gibt musikalische Lesungen zum Thema «jüdische Frauengestalten» oder moderiert beim Bayerischen Rundfunk ihre eigene Volksmusik-Sendung. Die intensive Beschäftigung mit Volksmusik durchdringt Steffi Zachmeiers ganzes Leben – und kommt auch nicht von ungefähr: Schon ihr Vater hat bei den Loonharder Musikanten gespielt, war im Trachtenverein aktiv und darüber hinaus Volksmusikpfleger für Franken beim bayerischen Landesverein für Heimatpflege in München.

«Wenn die Musik gemacht oder getanzt haben, waren wir als Kinder immer dabei», erinnert sich Steffi Zachmeier. «Ich habe das Tanzen nie gelernt, ich habe das einfach so mitgekriegt.» Als Kind lernt sie Akkordeon, später studiert sie in Bamberg «Volksmusik mit besonderer Berücksichtigung des fränkischen Raums/Ethnologie».

So trocken wie das klingt, ist Zachmeiers Ansatz nicht, im Gegenteil. Musik hat sich ihrer Meinung nach in erster Linie an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren.

«Echt» oder «falsch»?

Angesprochen auf den Unterschied zwischen «echter» Volksmusik und «volkstümlicher» Musik, entfährt ihr ein Seufzer: «Man wird ja ganz oft drauf angesprochen, dass das jetzt das Echte wäre und das andere das Falsche. Ich habe gar nicht das Bedürfnis, mich davon abzugrenzen. Es geht, denke ich, um die Funktion, die Musik hat. Wenn da ein paar Hanserla oben stehen und eine komische Show machen, dann ist das bescheuert, egal was für ein Lied sie singen. Wenn ein Lied vom Moik aber beim Stammtisch gesungen wird, weil die das gerne mögen – warum denn nicht? Wenn es die Leute anpackt und für sie etwas bedeutet, dann hat jeder das Recht sich die Musik zu suchen und zu machen, die ihm gefällt.»

Während andere fränkische Liedermacher ihrer Generation lieber auf anglo-amerikanische Musiktraditionen zurückgreifen, weil, wie es der Burghasslacher Songpoet Johann Müller einmal formulierte, «das bisschen Kultur, das wir hier hatten, von den Nazis vernichtet oder missbraucht wurde», sind Zachmeier Vorbehalte dieser Art völlig fremd.

Wahre Fundgrube im Internet

«Warum sollte man seine eigene Tradition verleugnen, bloß weil mal welche diese missbraucht haben? Die Nazis haben ja auch nicht das regional-kulturelle genommen, sondern eher so eine Pseudo-Volkskultur aufgebaut. Das hatte nicht viel mit den regionalen Traditionen zu tun.»

Ganz im Gegensatz zu dem, was Steffi Zachmeier unter www.zachmeier.de im Internet anbietet: «Steffi Zachmeiers Frankenseiten» sind eine wahre Fundgrube für Volksmusiker und Volksmusik-Interessierte. Sie suchen den «Öberöämer Feuerwehrgalopp» für kleine Blasmusik? Oder «A schöne Weis’ die blas’ i gern», die «Lieder und Jodler für Bläser» in fünf Bänden? Steffi hat’s, genauso wie eine Vielzahl an fränkischen Volksmusik-, Liedermacher- und Comedy-CDs, Sachbüchern und Postkarten. Und natürlich kann man sich hier auch über kommende Auftritte und Hörfunksendungen informieren. 

Peter Gruner

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