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Internationales Baumtreffen

Auf der Hallerwiese ist die botanische Vielfalt groß - 25.08.2010 17:30 Uhr

In den stillen Vorgärten der Straße an der Hallerwiese wachsen seltene Zierbäume wie dieser Trompetenbaum - wegen der Schoten auch Zigarrenbaum.

25.08.2010


Heute sagt der Name vor allem Radfahrern und Schwangeren etwas: Die Hallerwiese, die Grünanlage an der Pegnitz außerhalb des Hallertors, die der Geburtsklinik ihren Namen gab, wird eher zum Durchfahren als zum Flanieren genutzt. Dabei verdient ihre alte Baumvielfalt Beachtung. Hier stehen neben den weit verbreiteten Ahornen und Linden auch eine stattliche, weinrot leuchtende Blutbuche, riesige Platanen und am Nordwestrand die selten gewordene Ulme - eine der letzten in Nürnberg.

Durch eine Pilzerkrankung, die ein Insekt namens Ulmensplintkäfer weiterverbreitete, gingen Ulmen im Lauf des 20. Jahrhunderts ins Europa massenweise ein. Längst kein Einzelstück in unseren Breiten ist dagegen der Ginkgo in einem Vorgarten an der nördlichen Straßenseite. Er erscheint uns immer noch exotisch - zu Unrecht. Im Erdmittelalter war der Ginkgo nämlich in Mitteleuropa heimisch, in den Eiszeiten starb er aus. Aus China kam er im 18. Jahrhundert über Handelsleute zurück. Er ist ein widerstandsfähiger Großstadt-Straßenbaum und ein kurioses Lebewesen: Es gibt ihn in männlich und weiblich, Menschen sagen ihm Mythen und Heilwirkung nach. Die Schalen der essbaren Samen verströmen beim weiblichen Baum übrigens einen Gestank nach Buttersäure.

Blüten wie Trompeten, braune Schoten wie Zigarren

Ein weiterer auffälliger Zierbaum steht an der Hausnum- mer 8 der Hallerwiese. Der aus Nordamerika stammende und im 18. Jahrhundert importierte Trompetenbaum bietet herzförmige Blätter, duftig-weiße, bauchige Blüten (nicht zu verwechseln mit der viel größeren Blüte des nicht verwandten Engelstrompeten-Strauchs) und als Früchte bis zu 40 Zentimeter lange dünne Kapseln, die auch im Winter noch am Ast hängen. Dieser braunen Schoten wegen heißt das Gewächs im Volksmund auch Zigarrenbaum. Eine Plakette am Parkrand beim Café Schnepperschütz erinnert an die Entstehung dieser Oase. Die Hallerwiese trägt den Namen der Patrizierfamilie Haller, der das Gelände zu Beginn des 15. Jahrhunderts gehörte. 1434 kaufte der Rat der Stadt das Terrain und machte daraus die wohl erste öffentliche Grünanlage auf deutschem Gebiet.

 

Von Isabel Lauer

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