-0°

Donnerstag, 05.12.2019

|

zum Thema

Patriarch, Firmenlenker und großzügiger Mäzen

Karl Diehl feiert morgen 100. Geburtstag - 03.05.2007

Karl Diehl ist eine der großen Unternehmenspersönlichkeiten der Nachkriegszeit, nicht nur Nürnbergs, sondern auch der Bundesrepublik Deutschland. © Gerullis


Geboren wird er am 4. Mai 1907 als einziger Sohn des Ciseleurs Heinrich Diehl und seiner Ehefrau Margarete. Er wächst behütet auf und verbringt eine mehr oder minder sorglose Kindheit, zumindest bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Nach dem Besuch der Volksschule kommt Karl auf die Militärberechtigte Real- und Handelslehranstalt, die einzige Ganztagsschule Nürnbergs. Nach der Heimkehr des Vaters wechselt Karl Diehl auf die Oberrealschule, an der er 1926 das Abitur ablegt. Nach einem Industriepraktikum beginnt er das Studium des Maschinenbaus an der Technischen Universität München. Im Jahr 1930 tritt er dann mit seinem Diplom in der Tasche in das väterliche Unternehmen, das «Metall-, Guß- und Preßwerk Heinrich Diehl» ein. 300 Mitarbeiter waren damals dort beschäftigt. 1938 führt er dann das Unternehmen nach dem Tod des Vaters alleine weiter. Ein Jahr zuvor wurde das Anwesen in der Stephanstraße erworben. Heute befindet sich dort in den ehemaligen Fabrikgebäuden der

Firma Bing die Hauptverwaltung des Unternehmens. In Röthenbach wurde die Halbzeugproduktion konzentriert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen als «kriegswichtig» eingestuft. Bereits während des Ersten Weltkrieges war man in die Produktion von Rüstungsgütern eingetreten, und zwar als Unterlieferant zum Beispiel für MAN und Krupp.

Als Karl Diehl das Unternehmen übernahm, wurden bereits 2800 Personen beschäftigt und der Umsatz lag bei 14,3 Millionen Reichsmark. Kriegsbedingt diente Halbzeug bis Mai 1945 vor allem als Vormaterial für diverse Zünder.

Während des Krieges wurden auch bei Diehl Zwangsarbeiterinnen beschäftigt. Karl Diehl ließ in den 90er Jahren einen freiwilligen Fonds einrichten. Ohne einen juristisch verbindlichen Anspruch anzuerkennen, überwies er jeweils 10 000 bis 15 000 Mark an 180 jüdische Frauen, die zur Kriegszeit in seinen Fabriken zur Arbeit gezwungen worden waren. Das Unternehmen trat auch der «Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft» zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter bei.

Ende 1945 sind fast alle Werksanlagen durch Bomben zerstört. So dient das Röthenbacher Gelände bis 1951 den Streitkräften als Truppenunterkunft. Karl Diehl produziert zunächst Bau- und Möbelbeschläge, formt aus Stahlhelmen Haushaltsgeräte, sortiert und schmilzt Flugzeugschrott.

Im Laufe der Jahre wird aus dem nationalen Unternehmen ein internationaler Konzern. Das Produktionsprogramm baut Karl Diehl über das Halbzeug und die Zünderfertigung auf Uhren, Zeitschaltgeräte, Maschinenbau, Luftfahrtsysteme und Luftfahrtgeräte kontinuierlich aus. Betriebsstätten im europäischen Ausland und Übersee werden gegründet. Gebrauchsgüter vom legendären batteriebetriebenen Wecker miniclock und der Transmatic-Rechenmaschine in den 50er und 60er Jahren bis zur Funkuhr werden internationale Erfolge. Immer wieder wird der Konzern als «Waffenschmiede» bezeichnet. Doch nur rund 35 Prozent des über 1,6 Milliarden liegenden Umsatzes wird im wehrtechnischen Bereich erwirtschaftet.

Karl Diehl, der seinen 100. Geburtstag in aller Stille feiern wird, ist nicht nur Unternehmer, sondern auch Mäzen und Stifter. Das Engagement für seine heute über 10 000 Mitarbeiter, aber auch für die Bürger seiner Heimatstadt und nicht zuletzt sein Einsatz für den Wiederaufbau und die Restaurierung des kriegszerstörten Nürnberg waren und sind für Karl Diehl stets mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Die Stadt dankte es ihm, trotz aller Widrigkeiten, mit der Verleihung der Ehrenbürgerurkunde. (Über das Mäzenatentum des Jubilars hat die NZ vor einigen Tagen im Lokalteil ausführlich berichtet).

Karl Diehl denkt auch an die Menschen in seinem Umkreis. Der Heinrich-Diehl-Gedächtnis-Fonds, dessen Errichtung er 1952 zum fünfzigjährigen Firmenjubiläum bekannt gab, stellt die soziale Sicherung der Mitarbeiter auf ein breites Fundament. Die anlässlich seines achtzigsten Geburtstages errichtete Karl-Diehl-Stiftung gewährt seit 1987 Menschen in Nürnberg und Umgebung, die in Not geraten sind, Hilfe.

Verheiratet war der Jubilar mit Irmgard Schoedel, mit der er drei Söhne Werner, Peter und Thomas, hat. Letzter ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratsvorsitzender ist sein Bruder Werner, dessen Stellvertreter ist Peter Diehl. Der Senior hat sich noch bis vor kurzem, zwar nicht mehr regelmäßig aber doch sporadisch, immer wieder im Unternehmen sehen lassen, um sich über die Geschäftsabläufe informieren zu lassen. Noch bis vor kurzem schaltete sich Karl Diehl auch noch aktiv in die Geschäftsabläufe ein.

In seinem Sinn wird das Unternehmen weiter als reines Familienunternehmen geführt. Teihaber zu suchen und gar sich aufkaufen zu lassen, kommt für den Senior und seine Söhne nicht in Frage. Kontinuität in der Unternehmensführung haben sich die Diehls zur Maxime erklärt.

Wolf-R. Scharff, Nz

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Ressorts