11°

Mittwoch, 22.05.2019

|

zum Thema

Gender-Debatte bei "Hart aber fair": Viel Gerede, wenig Inhalt

Gleiche Gäste wie in der ersten Sendung zum Thema diskutieren erneut - 08.09.2015 07:23 Uhr

Drehten sich wieder munter im Kreis am Montagabend: Jörg Schönenborn (WDR-Fernsehdirektor, l-r), Sybille Mattfeldt-Kloth (stv. Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen), Anne Wizorek (Bloggerin und Autorin), Anton Hofreiter (Fraktionsvorsitzender B90/Grüne), Sophia Thomalla (Schauspielerin und Model), Wolfgang Kubicki (stellv. FDP-Bundesvorsitzender), Birgit Kelle (Publizistin) und Gastgeber Frank Plasberg bei "Hart aber fair". © Oliver Ziebe/WDR/dpa


Oh, Westdeutscher Rundfunk, "shame on you, if you fool me once. Shame on me, if you fool me twice." Oder auf gut deutsch: Wer zum gleichen Thema im zweiten Anlauf einschaltet und hofft, dass die gleichen Gäste dieses Mal eine sinnvolle Diskussion über Gleichberechtigung und Gender hinbekommen, ja, der ist irgendwie selbst schuld.

Denn zuerst einmal beginnt die große Nabelschau über angebliche Zensur und zurückgezogene Sendungen. Die einzige Person, die da Erhellendes sagen kann, ist WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, der mit zwei Antworten auch alles dazu gesagt hat, was es dazu zu sagen gibt. "Es war ein Fehler, die Sendung aus der Mediathek zu nehmen." Moderator Frank Plasberg entlässt ihn danach in die laue Herbstnacht. Dann fängt das große Kläffen an.

Publizistin Birigt Kelle darf mehrfach ihren Meinungswunsch in die Runde werfen, dass die Frauenbewegung sich ja auch für Mütter mit Kindern einsetzen soll, für Frauen, die gerne Frau sind. Wo der Feminismus das allerdings nicht tut, verrät sie nicht. Besonders auf Twitter kommentieren unterdessen viele Nutzer das Geschehen im Fernsehen.

Stattdessen geht es ihr mehr um ihre persönlichen Befindlichkeiten - und dass sich die Mehrheit nichts von einer Minderheit vorschreiben lassen sollte. Wizorek kann noch kurz einwerfen, was für eine Gesellschaft das denn sei, die sich nicht um Minderheiten kümmert und deren Stimmen nicht anhört. Eine Antwort bekommt sie nicht. Wie auf viele ihrer Fragen und Einwürfe. 

Aber immerhin darf das Publikum sein "Das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt"-Raunen rauslassen, als es um die erneute Einladung von Sophia Thomalla geht. Denn Grünen-Politikerin Sybille Mattfeldt-Kloth und Anne Wizorek bezweifeln, ob die Schauspielerin überhaupt irgendwas zur Debatte beitragen kann. "Auch ich als 'doofe Frau' habe das Recht, meine Meinung kund zu tun", sagt Thomalla dazu. Das mag stimmen. Die Frage ist nur, ob sie das in einem öffentlich-rechtlichen Polittalk tun muss (Bildungsauftrag und so). Offenbar geht ihr diese Frage irgendwann selbst durch den Kopf. Denn für den Rest der Sendung hält sie sich fast komplett aus der Diskussion raus.

Oder vielleicht hätte Sophia Thomalla dieses Mal erhellende Einsichten zu Feminismus, Gender und Gleichberechtigung gehabt. Nur konnte sie diese gar nicht unterbringen. Weil die Sendung irgendwann nur noch ein einziger Rechtfertigungsversuch war, die große "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Show am Montagabend. Die Redaktion krönt das mit einem Beitrag zur aktuellen Debatte in der Wochenzeitung "Die ZEIT", die titelt: Was man nicht mehr sagen darf. Journalist Jens Jessen sieht in seinem Artikel etwa in der Empörung gar ein politisches Machtmittel.

Allerdings empören sich am Montagabend vor allem die Diskussionsteilnehmer, die eine Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt abstreiten, die überhaupt gar nicht einmal über eine Gender-Pay-Gap nachdenken wollen, die Leute, die glauben, dass sie für eine schweigende Mehrheit sprechen. Jede mögliche Diskussion mündet irgendwann in persönlichen Befindlichkeiten. Nach dem Motto: Ich sehe es nicht, also ist es nicht da. Und alles dreht sich im Kreis. Schande auf das Haupt derjenigen, die glaubten, dass dies im zweiten Anlauf anders sein könnte. 

Björn Bischoff E-Mail

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Schlagzeilen