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Japan: In Taiji werden wieder Delfine abgeschlachtet

Tierschützer beklagen Untätigkeit der deutschen Regierung - 21.01.2014 12:02 Uhr

Alljährlich fallen vor der japanischen Küste zwischen Oktober und April rund 20.000 Delfine sowie andere Kleinwale einer Treibjagd zum Opfer. © dpa


Nachdem eine außergewöhnlich große Delfinschule mit rund 250 Tieren am vergangenen Freitag von japanischen Fischern in dem Küstenort Taiji zusammengetrieben worden war, begann am Dienstagmorgen das blutige Abschlachten der Meeressäuger. Das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) steht laufend mit zwei japanischen Tierschützerinnen in Taiji und mit der Organisation Sea Shepherd in Verbindung.

Die Delfine mussten vier Tage ohne Nahrung in einer mit Netzen abgesperrten kleinen Bucht voller Panik auf ihren Tod warten. Zuvor waren etwa 50 der schönsten Delfine für den Verkauf an Delfinarien ausgesondert worden. Antrainiert erzielen die Großen Tümmler jeweils einen Kaufpreis von bis zu 150.000 US-Dollar.

Ein gefangenes weißes Albino-Delfin-Baby wurde von deutschen Tierschützer in einer spontan gegründeten Facebook-Gruppe “Hope“ (Hoffnung) getauft. Der äußerst seltene Delfin brachte den Fischern eine Einnahme von umgerechnet 8.000 US-Dollar beim Verkauf an das örtliche Delfinarium “Taiji Wal-Museum“, anstatt etwa 600 Dollar für einen normalen Schlacht-Delfin, teilte das WDSF mit. Ein Weiterverkauf könnte allerdings bis zu einer halben Million US-Dollar erbringen, falls sich der weiße Delfin gesund weiter entwickelt.

Kein Wort aus Berlin

Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF, beklagt die mangelnde Unterstützung von deutschen Regierungspolitikern. Seit dem Wochenende hatte die Tierschutzorganisation mehrfach die deutsche Botschaft in Japan per E-Mail angeschrieben und um eine kritische Stellungnahme gebeten, damit das Delfinschlachten noch gestoppt werden könnte.

Vertreter der Bundesrepublik ist derzeit der deutsche Gesandte Stefan Herzberg, der den am 31. Oktober 2013 abgetretenen deutschen Botschafter in seinem Amt vertritt. Ortmüller: “Wir können die Untätigkeit der deutschen Politik nicht verstehen. Aus Berlin war von Regierungsseite nicht ein Wort zu dem grausamen Treiben in Taiji zu hören. Der deutsche Gesandte in Tokio schweigt ebenfalls zu dem Delfin-Abschlachten. Wir werden jetzt über Facebook eine Aktion starten, um die Politiker wachzurütteln.“ Für Samstag, den 8. Februar, planen die Tierschützer eine Demonstration in Berlin, die um 13 Uhr vor der japanischen Botschaft mit einem Protestmarsch beginnt und gegen 16 Uhr am Brandenburger Tor endet.

Bilderstrecke zum Thema

Massentötung in Japan: Delfine sterben grausamen Tod

Fischer hatten am frühen Dienstagmorgen in einer kleinen Bucht in Taiji angefangen, Dutzende Delfine, abgeschirmt hinter blauen Plastikplanen, zu töten. Rund 250 Delfine sind laut Tierschützern zuvor dorthin getrieben worden. Mehr als 50 der Meeressäuger, darunter ein Albino-Jungtier, seien zum Verkauf an Delfinarien zuvor abgesondert worden. Japan wird für die umstrittene Fangaktion Jahr für Jahr weltweit stark kritisiert.


Internationaler Protest

Auch die japanisch-amerikanische Multimedia-Künstlerin Yoko Ono, Witwe des Beatles-Sängers John Lennon,  meldete sich zu Wort. In einem offenen Brief an die Fischer von Taiji rief sie zu einem Ende der Schlachtungen auf. "Ich verstehe, wie Sie die Einseitigkeit des Westens, wütend auf Ihre traditionellen Fänge und Schlachtungen von Delfinen zu sein, empfinden müssen", schrieb sie. Die Gemetzel schadeten aber Japans internationalem Ansehen. "Die Zukunft Japans hängt von vielen Situationen ab, aber was Sie jetzt mit Delfinen machen, kann ein sehr schlechtes Verhältnis mit der ganzen Welt schaffen."

Die Bucht nahe Taiji war durch den Oscar-gekrönten Dokumentarfilm "Die Bucht“ des Unterwasser-Fotografen Louie Psihoyos über das Gemetzel zu trauriger Berühmtheit gelangt. Die alljährlich zwischen September und März stattfindende Treibjagd stößt auf weltweite Empörung. Die neue US-Botschafterin in Japan, Caroline Kennedy, hatte über den Kurznachrichtendienst Twitter ebenfalls Kritik an der "Unmenschlichkeit" der Delfintötungen geübt.

Unverständnis in Japan

In Reaktion auf die ungewöhnliche Kritik durch die Botschafterin der USA verwies der Gouverneur der Provinz Wakayama, in der Taiji liegt, auf die Unterschiede in der Esskultur. Es sei "nicht angemessen" zu behaupten, dass nur die Jagd auf Delfine unmenschlich sei, sagte Yoshinobu Nisaka am Dienstag vor japanischen Journalisten und verwies auf die Schlachtungen von Rindern und Schweinen. Im übrigen unterlägen Delfine nicht dem seit 1986 geltenden Walfangverbot. Es sei die "Weisheit der Zivilisation, die Standpunkte anderer gegenseitig zu respektieren."

Am Vortag hatte bereits der Sprecher der japanischen Regierung, Yoshihide Suga, die Delfinjagd als Teil von Japans traditionellem Fischfang gerechtfertigt. Die Jagd werde "auf Grundlage des Gesetzes in geeigneter Weise" durchgeführt. Die Regierung erlaubt die Treibjagd und gibt Fangquoten aus. Danach dürfen Fischer in Taiji sowie einigen anderen Orten zwischen September und März bis zu 20.000 Delfine sowie andere kleine Wale töten. Viele Japaner essen allerdings kaum Wal- oder Delfinfleisch. Dies beschränkt sich meist auf die Walfangorte selbst.

Dieser Artikel wurde am 21. Januar um 13.40 Uhr aktualisiert.

 

dpa

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