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Bewerbung: Kein Grund zum Schwitzen

Wie Personalchefs im Vorstellungsgespräch ticken, hat Buchautor Nico Pirner herausgefunden - 15.01.2014 10:00 Uhr

Ihr kriegt schon einen Schweißausbruch, wenn ihr ans Vorstellungsgespräch denkt? Wenn ihr euch an ein paar Regeln haltet, ist das nicht nötig. © colourbox.com


Bewerbungsratgeber gibt es fast wie Sand am Meer. Was ist an Ihrem anders?

Nico Pirner: Das stimmt – und die meisten sind gleich, langweilig und kompliziert. Das waren meine Bewerbungstrainings für Jugendliche auch. Sie schliefen ein, starrten in die Luft. Ein 80-Folien-Power-Point-Vortrag in drei Stunden haut einen auch um. Als ich das bemerkte, war mich klar, ich muss was ändern. So erfand ich das Spiel Stellenjäger analog zu meinem Buch. Die Jugendlichen wechseln ihren Blickwinkel mit dem des Personalers und prüfen Bewerbungen auf Fehler. Sie sollen der Frage nachgehen: Wie denkt ein Personaler?

Wie ist daraus ein Buch geworden?

Nico Pirner: Ich habe mir die Frage auch gestellt, wie Personalchefs denken und an 2500 Unternehmen einen Fragebogen geschickt. 300 Antworten kamen zurück. Die Personaler schrieben so nett, herzlich und offen auf die fünf Fragen, dass ich mir dachte: Das sollte ich nicht für mich behalten, das interessiert auch Menschen, die einen Job suchen. Zudem hatte ich das Ziel, ein witziges Buch zu schreiben, das die Leser unterhält und ihnen gleichzeitig Wissen vermittelt.

Wie soll das funktionieren? Die Fakten rund um das Thema Bewerbung sind doch von sich aus sehr trocken.

Nico Pirner: Mein Buch ist komplett verrückt, mit typischen Bewerbungsratgebern nicht zu vergleichen. Ich erzähle kleine lustige Geschichten, gehe auf Worthülsen in Bewerbungsanschreiben ein, bei denen viele Bewerber oft nicht wissen, warum sie die verwenden. Teamfähig ist so ein Wort zum Beispiel. Dann habe ich Interviews geführt mit der Chefin einer Zeitarbeitsfirma, mit dem Ausbildungsleiter von Siemens und einem Geschäftsführer, die viele Tipps enthalten. Ich möchte den Leser die Sicht eines Personalers näherbringen.

Wie sieht die denn aus?

Nico Pirner: Personaler wollen im Vorstellungsgespräch den Mensch hinterfragen. Die Qualifikation kennen sie bereits aus den Unterlagen. Zudem ist es wichtig, dass sich die Bewerber vorher mit dem Unternehmen auseinandersetzen und sich überlegen, wie sie sich gut einbringen können – also eine unternehmerische Denkweise entwickeln. Jede Firma hat ihre Philosophie. Im Anschreiben darauf Bezug zu nehmen, erfreut den Personalchef. Ich bekam viel Feedback á la „Wow, da hat sich jemand mit uns beschäftigt.“ Bilder sind auch wichtig in der Bewerbung, allerdings sollten sie nicht bearbeitet sein. Wenn bei der Vorstellung auf Punkte oder Lücken im Lebenslauf näher eingegangen ist, sollte manaufrichtig bleiben, nicht genervt wirken und Fehler auch zugeben können.

Wie findet man seine eigenen Stärken und Schwächen heraus?

Nico Pirner: In meinem Buch gibt es ein Formular, mit dem man sich selbst einschätzen soll. Allerdings ist es wichtig, dieses zu kopieren und Freunden und Verwandten zu geben. Die eigene Wahrnehmung ist eine völlig andere als der Freunde.

Wenn man sich online bewirbt, muss man oft seitenweise Formulare ausfüllen und dort auch Noten eingeben. Wer schlecht ist, fällt durchs Raster und kommt gar nicht weiter. Wie wichtig sind Noten?

Nico Pirner: Ich finde sie schon wichtig, denn sie sagen viel darüber aus, wieweit sich jemand im Griff hat. Ich komme auch mit dreiern klar. Und wenn jemand eine vier hat und eine gute Erklärung, kann man das auch hinnehmen. Es kommt immer auf den Ausbildungsberuf an und welche Fächer da besonders wichtig sind. In meinem Buch rechne ich auch mit Firmen mit Online-Bewerbungsportalen ab. Es nervt, alle Daten einzugeben und dann noch Lebenslauf und Anschreiben als PDF hochladen zu müssen. Die IT-Mitarbeiter, die sowas programmieren haben mit Personal nichts am Hut. Und mit der Vorauswahl schadet sich ein Unternehmen bloß selbst. So finden sie die kleine Perle, die im Aufsatz einmal eine 5 hatte, nie. Meine Erfahrung lehrt mich: Leuten eine Chance geben.

Sie gehen in Ihrem Buch auch auf Social Media ein und wie man sich dort darstellt...

Nico Pirner: Das war mir wichtig. Denn viele Firmen nutzen etwa Facebook, um Auszubildende zu suchen. Die Personalmitarbeiter werden extra auf Fortbildungen geschickt wie „Wie finde ich Azubis in Facebook?“ Ich rate jedem, in seinem Profil eine Seite zu Hobbies anzugeben. Wenn jemand gut Comics zeichnen kann oder andere Talente hat, sollte er das zeigen.

Was raten Sie Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen?

Nico Pirner: Macht Praktika oder ein berufsvorbereitendes Jahr. Nichts ist schlimmer als eine Lücke im Lebenslauf. Wenn ihr diese mit Fortbildungen füllt, zeigt ihr Engagement.
  

Interview: STEFANIE GOEBEL

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