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Christoph Maria Herbst – und die schwimmende Schwarzwaldklinik

19.08.2016 10:00 Uhr

Christoph Maria Herbst ist Schauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher und wurde vor allem durch die Figur „Stromberg“ populär. © Foto: PR


Die Geschichte liegt schon Jahre zurück: Herbsts Telefon klingelt, und seine Agentin verkündet ihm das Angebot vom Traumschiff. „Kannst du absagen. Die zahlen zu schlecht“, antwortet er schnippisch. Als er jedoch erfährt, dass Jürgen Vogel und Harald Schmidt mit an Bord sind, ändert er seine Meinung. Panama, Costa Rica, Ecuador, Peru, Chile – diese Reise entlang der südamerikanischen Westküste will er sich nicht entgehen lassen. „Sag’s zu!!“, antwortet er, und das Abenteuer beginnt.

Vor Beginn der Dreharbeiten trifft Christoph den Kultproduzenten aller Rentner: Wolfgang Rademann, Mastermind des Traumschiffs und der Schwarzwaldklinik. „Das Einzige, was ich mir vorgenommen habe, ist, ihm noch blöder zu kommen, wenn er mir blöd kommt“, nimmt sich der Stromberg-Darsteller im Berliner Kempinski-Hotel vor, während er wartet. Doch Pustekuchen! „Wolfjang“ ist ihm sympathisch. Unauffällig gekleidet und mit einer Plastiktüte bewaffnet berlinert der Produzent drauflos. „Knülla“ und „Kracha“ fallen hier im Sekundentakt.

Seine Befürchtungen, Rademann sei das Böse in Person, bewahrheiten sich nicht. „der beelze ist gar kein bub, sondern ein mann und der heißt rade, und dem habe ich grad meine seele verkauft und weißt du womit? mit recht! dein dr. faust“, schreibt er nach dem Gespräch seiner Agentin.

Von Düsseldorf über Madrid geht die Flugreise nach Panama, um dort endlich am Ziel, dem Traumschiff anzukommen. Wie sollte es anders sein, die Tour wird zur Tortur. Die Fluggesellschaft verliert Herbsts Koffer, ständige Verspätungen und Turbulenzen treten auf, alles wie im Film. „Mir ist ein Beautycase auf den Kopf gefallen. Kein Zweifel, wir sind gelandet. Auch eine Methode, sich wecken zu lassen.“

Doch am Ziel ist die „Traumaschiff“-Crew noch immer nicht, Zwischenstopp in Guatemala. Hinter sich hört Herbst eine vertraute Stimme: „Hi, Christoph!“ Es ist Christiane, eine Kollegin, die schon so manchen Dreh für die männliche Crew versüßt hat.

„Schlundi“, wie sie liebevoll von Herbst genannt wird, ist mittlerweile ein Schatten ihrer selbst. „Die Kleene is’n Jeschoss, wa? Aba fääääätt is die jeworden und dit janze Blech inne Fresse. . . Muaahahahah . . . Pfffffffft!“, kommentiert „Wolfjang“ ihre Transformation. Wenige Stunden später kommt die Filmcrew in Panama an, um nach zwei Nächten das eigentliche Abenteuer endlich zu beginnen.

„Ich hatte es mir größer vorgestellt, aber das hat es mit Dustin Hoffman, Robert de Niro und Robert Redford gemein, wie die Tatsache, dass es sich bei allen vieren um Auslaufmodelle handelt“, beschreibt Herbst sarkastisch den Anblick der schwimmenden Herberge.

Die Schauspielriege verliert sich reflexartig in Lobhudelei und Oberflächlichkeit. Alles, was der jeweilige Gesprächspartner von sich gibt ist „unglaublich spannend“, und man sagt sich, „dass man immer schon mal miteinander drehen wollte“. Einzig und allein das Schiff besitzt Tiefgang.

Aufgrund des hohen Alters der sich an Bord befindlichen Personen tauft der Autor das Schiff auf den Namen „Hotel Inkontinental“. Der Dreh an sich und die Inhalte des Films bleiben ungewiss. Ohne viele Worte darüber zu verlieren, wird Herbsts Standpunkt gegenüber der Qualität der Produktion und der Kollegen unmissverständlich klar.

„Ein Traum von einem Schiff“ ist sicher kein literarisches Meisterwerk – und versucht es auch nicht zu sein. Vielmehr ist es eine kleine Portion Stromberg auf Reisen. Herbst liefert mit seinem Erstlingswerk genau das ab, was man von ihm erwartet. Unsensible Sprüche und Einschätzungen, kuriose Ereignisse und jede Menge „Papa“-Mentalität.

Da wird das Traumschiff schon mal als „Mumienschlepper“ oder „schwimmende Schwarzwaldklinik“ tituliert. Wen der Humor von Herbst zum Lachen bringt, der kommt hier voll auf seine Kosten. Wem Stromberg zu platt und schroff ist, dem wird dieses Buch nichts bieten können.

 

Christoph Maria Herbst: Ein Traum von einem Schiff; Fischer-Verlag, ISBN 978-3-596-19113-0, 8,99 Euro.

MARKO METH

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