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Der Coburger Weg macht fit fürs Berufsleben

Schon die Studienanfänger der dortigen Fachhochschule werden auf künftige Anforderungen vorbereitet - 24.09.2013 11:00 Uhr

Zusammen mit Kommilitonen aus anderen Studienfächern gemeinsame Projekte gestalten — das ist ein wesentlicher Aspekt beim Coburger Weg. © PR


Als Personaler einer großen IT-Firma hat es Prof. Wolfgang Gallenberger selbst erlebt: „Heutige Bachelor-Absolventen sind oft zu sehr Fachspezialisten. Wenn sie in ein Unternehmen kommen, sind sie es nicht gewohnt, mit anderen Menschen zu reden, die nicht ihr Fachwissen haben — sei es mit den Azubis, dem Buchhalter oder gar mit einem Kunden.“

Gallenberger ist einer von sechs Professor(inn)en, welche die Hochschule Coburg zusätzlich zum vorhandenen Lehrkörper geholt hat, um den Coburger Weg zu gehen. So heißt ein über fünf Jahre hinweg mit insgesamt 7,3 Millionen Euro vom Bundesbildungsministerium gefördertes Projekt innerhalb des Qualitätspakts Lehre.

Die Grundidee des Coburger Weges ist es, „Übergänge zu erleichtern“, erklärt Gallenberger. Das bedeutet zweierlei. Zum einen geht es um den Übergang ins Studium, zum anderen um den späteren Übergang vom Studium in den Beruf.

Zum ersten Aspekt: Gerade an einer praxisorientierten Fachhochschule wie in Coburg sind die Studienanfänger eine recht bunt gemischte Gruppe: Es gibt Abiturienten direkt vom Gymnasium, Fachabiturienten mit vorheriger Berufsausbildung und anschließender Berufsoberschule, dazu Fachoberschulabsolventen und Leute ohne Abi, aber viel Berufserfahrung.

Zehn Neulinge – ein Tutor

Jeder Einzelne von ihnen hat seine ganz eigenen Probleme, mit dem neuen Leben als Student zurechtzukommen. Eine Säule des Coburger Weges ist daher die intensive Betreuung von jeweils zehn Neulingen durch einen festen Tutor. Diese Begleitung beginnt bereits in der Woche vor dem Semesterstart und läuft bei Bedarf bis ins 3. Semester.

Zum zweiten Aspekt: Der Übergang ins Berufsleben rückt bei einem herkömmlichen Studium frühestens gegen Ende in den Blickpunkt — falls überhaupt. Beim Coburger Weg jedoch spielt er von Beginn an — sogar schon in der Vorbereitungswoche — eine ganz entscheidende Rolle. Die Studierenden sollen vom ersten Moment an auf eine zentrale Anforderung im späteren Berufsleben vorbereitet werden, nämlich darauf, mit Leuten zu reden, die nicht die gleiche Fachsprache sprechen wie sie selbst.

An der Hochschule Coburg machen folgende Studiengänge bei dem Projekt mit: Soziale Arbeit, Innenarchitektur, Bauingenieurwesen, Betriebswirtschaftslehre, Versicherungswirtschaft, Integrative Gesundheitsförderung. Sie alle haben ihre Prüfungsordnungen so geändert, dass vier Semesterwochenstunden verbindlich für die Angebote des Coburger Weges — also die Zusammenarbeit mit anderen Fächern — reserviert sind.

Die Premiere im Wintersemester 2012/13 hatte das übergeordnete Thema „Demographischer Wandel“, zu dem es eine Ringvorlesung gab. Da stellte zum Beispiel ein Verkehrsplaner Schul- und Senioren-Busse der Zukunft vor. Ein Produktdesigner zeigte seine Ideen für neue Alltagsgeräte wie Wasserhähne und Duscharmaturen. Und ein Innenarchitekt präsentierte, wie man Altenheime so gestalten kann, dass sich Demenzkranke wohler fühlen und ihr Medikamentenverbrauch sinkt

Ausgehend von diesen Anstößen hatten die Studenten im vorigen Sommersemester die Aufgabe, in Gruppen zu jeweils 20 bis 40 Leuten Praxisprojekte in der Region zu bearbeiten. Beispielsweise werden in diesem Schuljahr an vier Coburger Schulen eigene Theaterstücke mit Schülern der Nachmittagsbetreuung entwickelt.

Tagung über das „Jung sein“

Ein anderes Beispiel: Am 28. November wird es eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Jung sein in Coburg“ geben. Planung und Organisation liegen in den Händen einer anderen Gruppe von vorjährigen Erstsemestern, die als Pioniere auf dem Coburger Weg unterwegs waren.

Die bisherige Resonanz auf das Modellprojekt haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Coburger Weges mit Hilfe eines Fragebogens evaluiert. Das Ergebnis: Manche Teilnehmer kritisierten organisatorische Mängel, die sich bei einem neuen Projekt dieser Art wohl kaum vermeiden lassen. Mit der Grundidee des Projekts war die große Mehrheit jedoch zufrieden.

Was Gallenberger dabei besonders gefreut hat: Im Sommersemester gaben etliche Befragte an, gerade bei der interdisziplinären Projektarbeit Lehrinhalte ihres eigenen Fachs anwenden zu können, deren Nutzen ihnen zuvor unklar war. „Die eigentliche fachliche Ausbildung soll beim Coburger Weg ja nicht vernachlässigt, sondern um wichtige zusätzliche Qualifikationen ergänzt werden.“ Übrigens: Morgen startet der zweite Durchlauf des Coburger Weges — mit dem neuen Jahrgang von Studienanfängern.

 

hlo

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