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Erlanger Lehrerin leitet Schule in Argentinien

Für sechs Monate wechselt Monika Herwanger ihren Arbeitsplatz - 02.04.2019 12:00 Uhr

Die Skyline von Buenos Aires. Monika Herwanger arbeitet jetzt dort an einer deutschen Schule als Schulleiterin. © Foto: colourbox.de


Vor Jahren hatte Monika Herwanger, zuletzt am Gymnasium in Spardorf tätig, schon einmal im Ausland gearbeitet: Sechs Jahre lang unterrichtete sie an einer deutschen Schule in Barcelona. "Damals habe ich Blut geleckt", erinnert sie sich, "so etwas wollte ich unbedingt noch mal machen."

Wenn sich jedoch ein verbeamteter deutscher Lehrer zum zweiten Mal um einen Job im Auslandsschuldienst bewirbt, dann geht das nur für eine sogenannte Funktionsstelle. Na gut, dachte sich Monika Herwanger, dann halt als Schulleiterin – Hauptsache in einem spanischsprachigen Land, das war ihr wichtig.

Nach Valencia mochte sie nach intensiver Besichtigung der Stadt dann doch lieber nicht, ein Wechsel ins baskische Bilbao platzte, weil ihre Bewerbungsunterlagen irgendwo in der bayerischen Bürokratie verschüttgingen. Dann kam die Ausschreibung für Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens. Drei Kandidaten bewarben sich und hatten einen Marathon aus Auswahlgesprächen und einem Assessment Center zu absolvieren. Den Posten bekam Monika Herwanger. Ihr neuer Arbeitsplatz ist nun die Pestalozzi-Schule in Buenos Aires – eine von drei deutschen Schulen in der argentinischen Metropole mit etwa 1000 Schülerinnen und Schülern "zwischen dem Kindergarten und der 12. Klasse", wie Monika Herwanger erläutert.

Deutsche in der Minderheit

Deutsche Kinder, zum Beispiel von Diplomaten, sind dort in der Minderheit. Anders als man meinen sollte, gehen auf viele deutsche Schulen im Ausland überwiegend einheimische Kinder und Jugendliche. "Deutschland ist angesehen, überall auf der Welt", sagt Monika Herwanger.

Das deutsche Abitur kann man dort allerdings nicht machen, sondern ein "International Baccalaureate Diploma" (IBD). Wenn bestimmte Voraussetzungen, vor allem bei der Fächerkombination, erfüllt sind, wird das IBD von deutschen Unis als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt.

Von Erlangen nach Buenos Aires: Monika Herwanger © Foto: Hoja


Monika Herwangers neue Schule in Buenos Aires hat eine lange antifaschistische Tradition. Im Jahr 1934 wurde sie als Reaktion auf die nationalsozialistische Gleichschaltung der deutschsprachigen Schulen in Argentinien gegründet. Den Namen Pestalozzis wählten damals die Eltern, weil dieser als Pädagoge für soziale, humane und moderne Erziehung stand – und als Schweizer für Neutralität.

Seit der Gründung wird diese private Schule von einem Verein getragen, dem Eltern und ehemalige Schüler angehören. Und der auch die Verträge mit den Lehrern abschließt – und der neuen Schulleiterin.

"Zu den Auswahlgesprächen waren extra zwei Vertreter des Schulvereins aus Buenos Aires nach Deutschland angereist", berichtet Monika Herwanger. Fünf Tage später bekam sie die Zusage. Es folgte ein einwöchiger Lehrgang für künftige Schulleiter, zusammen mit 24 anderen Lehrerkollegen, die ähnliche Posten in anderen Ländern der Welt antreten. Auf dem Programm standen Aspekte wie Führungsstil, Change Management, Digitalisierung, Inklusion. "Viel Neues haben wir dabei nicht gelernt", sagt Monika Herwanger, "weitaus wertvoller war der informelle Austausch untereinander."

Zu Argentinien hat Monika Herwanger übrigens eine besondere Beziehung. Ihr Onkel, der jüngere Bruder ihrer Mutter, lebt dort. Dessen Sohn wohnt sogar in der Nachbarschaft der Pestalozzi-Schule. Dort hat auch sie selbst eine Wohnung gefunden.

"Motivierte Kollegen"

Inzwischen hat Monika Herwanger auch die Eingewöhnungsphase an ihrer neuen Schule in Buenos Aires hinter sich. Sie berichtet von "sehr engagierten, motivierten und aufgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen", von einem "breit aufgestellten, gut geführten und freundlichen Verwaltungs- und Logistik-Personal", das "deutlich stärker ausgebaut" sei als an deutschen Schulen. Und sie lobt auch das leckere Essen in der Schulmensa.

"Mein Einsatz hier gleicht einem synchronen Großeinsatz auf unzähligen Baustellen", meint Monika Herwanger, "ich spreche ununterbrochen mit Menschen, 80 Prozent dieser Gespräche erfolgen auf Spanisch. Keine Ahnung wie das an dieser (deutschen!) Schule jemand machen würde, der kein Spanisch kann."

LOTHAR HOJA

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