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Jonas arbeitet sonntags

Der Jugendliche aus Wicklesgreuth ist gerne Mesner - 29.01.2014 10:00 Uhr

Bevor der Gottesdienst anfängt, ist Jonas gefragt. Als Mesner zündet er die Kerzen an und steckt die Liednummern in den Rahmen. Der Schüler hat das Amt von seiner jungen Vorgängerin Beatrice übernommen. © Goebel


Dass ihr jemand Fragen zu ihrem Ehrenamt stellt, ist Beatrice Schüller schon gewohnt. Auch dass sie von einer Fernsehkamera bei ihrem sonntäglichen Dienst beobachtet wird. Vor drei Jahren war die 17-Jährige Deutschlands jüngste Mesnerin. Vor kurzem hat sie ihr Amt abgegeben, weil sie sich mehr auf die Schule konzentrieren möchte und nebenbei in der Jugendarbeit aktiv ist. Ihr Nachfolger wird am Wochenende 16 und heißt Jonas Trenner.

Wenn andere Jugendliche am Sonntag ausschlafen, weil sie am Vorabend etwas länger auf waren, steht Jonas schon um neun in der Kirche in Wicklesgreuth – und bereitet alles für den Gottesdienst vor. Im September hat Beatrice den Gymnasiasten angelernt, so wie es ihre Vorgängerin damals bei ihr machte. „Ich habe eine Mappe bekommen, in der alle Aufgaben des Mesners drinstehen. Dann habe ich Beatrice bei einem Gottesdienst begleitet“, erzählt Jonas, der mit der Frage, ob er Mesner machen möchte quasi überrumpelt wurde.

„Frieda Beß aus dem Mesnerteam stand eines Morgens vor meiner Haustür und fragte mich, weil ihr sonst keiner eingefallen war“, erklärt der Schüler. „Mir blieb eigentlich nichts anderes übrig, als Ja zu sagen, zumal ich sowieso jeden Sonntag in die Kirche gehe.“ In der Gemeinde wird Wert darauf gelegt, junge Leute mit einzubeziehen.

Glocke läutet per Knopfdruck

Der Gottesdienst in Wicklesgreuth findet nur alle zwei Wochen statt. Jonas sperrt eine Stunde vorher die Kirche auf, die eher einem Haus gleicht als einem Gotteshaus. Auch drinnen wirkt sie „wie ein großes Wohnzimmer“, wie Beatrice findet. Im Turm, der etwas später gebaut wurde als die Kirche und direkt daneben steht, befinden sich drei Glocken. „Eine Stunde vor dem Gottesdienst läute ich die Glocken, das geht auf Knopfdruck wie beim Lichtschalter“, sagt der 15-Jährige. Eine halbe Stunde vorher wird noch mal geläutet, dann am Anfang des Gottesdienstes und am Ende beim „Vater unser“.

Der Mesner kümmert sich auch darum, dass es in der Kirche warm wird, schaltet das Licht, die Orgel und das Mikrofon für den Pfarrer an und steckt die Liednummern in einen Holzrahmen. „Es liegt meist ein Zettel da, worauf steht, welche Lieder gesungen werden“, erzählt Jonas. Zudem zündet er die Kerzen auf dem Altar und die Osterkerze an. Wenn es zum Beispiel bei einem Festgottesdienst wie an Weihnachten oder zur Konfirmation auch ein Abendmahl gibt, ist der Mesner auch gefragt.


Er schenkt dann Weißwein in eine Karaffe und zwei Kelche ein und füllt die Hostien in „ein schickes Schälchen. Die Plastikbox würde nicht so gut ankommen“, sagt Jonas und lacht. „Wenn viele Kinder teilnehmen, gibt es statt Wein Traubensaft“, ergänzt Beatrice. Ob noch genug Wein und Hostien vorrätig sind, darum kümmern sich andere aus dem Mesnerteam. Dafür hilft Jonas dann dem Pfarrer beim Abendmahl und desinfiziert zum Beispiel die Kelche. Am Ende des Gottesdienstes geht die Arbeit munter weiter.

Alles, was der Mesner angeschaltet hat, muss auch wieder ausgemacht werden. „Manchmal schneide ich noch die Wachsränder der Kerzen ab“, sagt der Zehntklässler. Dann werden die Einnahmen aus dem Klingelbeutel und den Kästen am Kirchenausgang gezählt und ins Buch des Lektors und ins Abrechnungsbuch eingetragen. „Der Lektor verliest die Zahlen beim nächsten Gottesdienst.“ Bevor der Schüler heimgeht, sperrt er die Kirche wieder ab.

Taschengeld aufbessern

Mittlerweile hat Jonas bei seinem neuen Amt Routine. Nur beim ersten Gottesdienst, bei dem er ganz auf sich alleine gestellt war, gab es eine Panne. Die Heizung fiel aus. Zum Glück war es im September noch nicht so kalt. „Trotzdem hätte sich die Heizung einen anderen Zeitpunkt aussuchen können“, meint der Gymnasiast.

Wie Beatrice macht Jonas das Ehrenamt wegen seines Glaubens und weil er gerne in die Kirche geht. Das Geld spielt dabei keine Rolle. „Der kleine Ehrensold ist eine gute Ergänzung zum Taschengeld.“
  

STEFANIE GOEBEL

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