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Liebeskummer kann so schön tragisch sein

Teil 5 unserer Sommer-Serie "Bücher-Sommer": Lovestorys - 31.08.2017 17:46 Uhr

Die Lovestory. © Bronislav Hava


Meine Vorliebe für Schnulzen und Dramen habe ich meiner Mutter zu verdanken. So wie manche Jungs von ihren Vätern in die Kunst des Handwerks oder in die Fußballreligion eingeführt werden, so führte mich meine Mutter in ihre private Sammlung von Liebesfilmen und -büchern ein.

Als ich 13 war, dachte sie, ich sei alt genug dafür, und drückte mir quasi das Buch der Bücher in die Hand: "Wie ein einziger Tag" von Nicolas Sparks. Anfangs musste ich mich an die poetische Sprache etwas gewöhnen, aber spätestens bei den seitenlangen Liebesbriefen war ich hin und weg von so viel Hingabe. Es ist die Art von Lovestory, bei der man sich selbst wünscht, Liebeskummer zu haben, einfach weil es so schön tragisch ist.

Ich mag genau zwei Arten von Lovestorys. Einmal die eher unrealistischen, kitschigen Lovestorys, mit hunderten von unmöglichen Zufällen und scheinbar nicht überwindbaren Hindernissen, die nach kurzem Hin und Her doch überwunden werden. Sie erzählen von ewiger Liebe und Treue, einem Kampf zweier Herzen gegen den Rest der Welt.

Das Gegenteil sind die realistischen Geschichten, mit nicht perfekten Menschen und einem alternativen Ende. Die Protagonisten meistern nicht mühelos gesellschaftliche Barrieren oder gar die eigenen. Sie sind authentischer und veranlassen einen nicht so oft zum Träumen, aber immer zum Nachdenken. Jedoch kann ich nicht sagen, bei welcher der beiden Arten von Geschichten man mehr über die Liebe lernt. Meistens sagen sie das Gleiche, nur durch einen anderen Filter.

Wer an die eine große Liebe glaubt und von ihr träumen will, dem empfehle ich "Wie einziger Tag": Noah und Allies Geschichte beginnt als eine Sommerliebe im Jahr 1932. Allie kommt aus der Stadt und macht mit ihren Eltern Urlaub. Noah stammt aus bescheidenen Verhältnissen und ist damit für Allies Mutter tabu. Der Sommer endet und mit ihm verschwindet auch Allie aus Noahs Leben. Er schreibt ihr ein ganzes Jahr lang täglich einen Brief, ohne eine Antwort zu bekommen. Allie lernt zwischenzeitlich Lon kennen. Er ist reich und scheint wie geschaffen für sie zu sein. Doch vor ihrer Hochzeit will Allie ein letztes Mal Noah sehen und fährt zu ihm. . .

Nicht weniger dramatisch, aber realistischer ist F. Scott Fritzgerald’s "Der große Gatsby" aus dem Jahr 1925. Mit der Neuverfilmung 2013 mit Leonardo DiCaprio scheint man leicht zu vergessen, dass es da noch ein Buch gibt. Das Buch ist ein wunderbares Porträt jener Zeit und zeigt, an welche Bedingungen Liebe scheinbar gebunden ist. Vor allem der Einfluss des Geldes auf die Protagonisten und deren daraus resultierende Handlungsweisen werden hier sehr deutlich.

Folge 6: der Kriminalroman 

VICTORIA PORCU

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