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Marc-Uwe Kling – und sein ständig nölendes Känguru

25.08.2016 16:27 Uhr

Marc-Uwe Kling – ohne Känguru © Foto: PR


Das Känguru ist eine ständig nölende, boxende Schnapspralinenvernichtungsmaschine, chronisch immer zu spät und Kommunist. Es liebt Nirvana und hasst den Kapitalismus fast so sehr wie seinen Nachbarn und kosmischen Antagonisten, den Pinguin.

Wie er das Känguru kennengelernt hat und jetzt mit ihm zusammenlebt, das hat Kling in der Känguru-Trilogie veröffentlicht. Darin kann sich nichts und niemand vor der ironischen Kritik des Duos infernale retten.

Besonders beliebt ist Kapitalismus. „Ach! Kapitalismus ist doch total scheiße!“, ruft das Känguru und wirft das Monopoly-Brett um. „Nur weil du verlierst“, antwortet Kling. Die beiden reden über Politik und ihre Vertreter genauso wie über das Genre der Fantasy-Romane und deren immer gleiche epische Endschlacht zwischen Gut und Böse.

Und sie führen dabei eine Punkteliste, wer geschickter unbemerkt Leute beleidigen kann. Mit Vorliebe vertauschen sie Zitate und deren Sprecher. Beispiel: „Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten (Heidi Klum)“.

Eines Tages benötigt Marc-Uwes Psychiater selbst Hilfe, weil das von ihm als Wahnvorstellung diagnostizierte sprechende Känguru eines Tages in seinem Behandlungszimmer steht. Da schreibt Kling alles auf, was passiert.

„Die einzig wahre Einteilung der Postmoderne“ ist für das Känguru „witzig oder nicht witzig“, wonach es alles Erdenkliche einteilt. Auch die Anti-Terror-Anschläge des Asozialen Netzwerks.

Diese Anschläge können alles Mögliche sein. Zum Beispiel beantragt das Känguru eine Großdemonstration gegen Staat, Kapital und das schlechte Wetter an einem Tag, an dem es aus Kübeln gießt und deshalb niemand kommt. Doch es wäre kein Anti-Terror-Anschlag, wenn das Känguru nicht für sich und Marc-Uwe einen Fenstertisch im Café an der Ecke reserviert hätte, von dem man bequem der Polizei beim Nasswerden zuschauen kann.

Einziges eventuelles Manko der Bücher sind die enorm vielen Fremdwörter. Die könnten es manchem Leser schwer machen, die eine oder andere Geschichte zu verstehen. Ein viertes Buch ist erst einmal nicht geplant. „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei (Albert Einstein)“.

 

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken, Ullstein-Taschenbuch, ISBN 978-3-548-37257-0, 8,99 Euro/ Das Känguru-Manifest, ISBN 978-3-548- 37383-6, 8.99 Euro/ Die Känguru-Offenbarung, ISBN-10: 3-548-37513-8, 9.99 Euro

CORNELIA HESSENAUER

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