Samstag, 14.12.2019

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Nürnberger Ruderin erfolgreich bei U19-Meisterschaften

Talentierte Sportlerin: Nora Simon vom Ruderverein Nürnberg - 04.09.2019 17:56 Uhr

Wenn am Kanal bei Katzwang ein Ausflugsdampfer vorbeifährt, gibt es auch dort ein paar Wellen für Nora in ihrem Einer-Ruderboot. Da beim Training in den Ferien nur drei Jugendliche da sind, musste sie die 14 Kilometer lange Übungsstrecke alleine bezwingen – eigentlich mag sie das Einer-Fahren nicht, „weil mir da die Motivation fehlt“, sagt sie. © Foto: Stefanie Goebel


So dünn ist das Boot?" Die Frau kann kaum glauben, dass es nicht sofort umkippt, sobald man es betritt. Sie sitzt mit ihrer Freundin am Bootssteg bei Katzwang und genießt wie einige andere das erfrischende Wasser des Main-Donau-Kanals. Als Nora Simon in ihren Einer namens Fulgur (das lateinische Wort für Blitz) steigt und ihre Füße in den am Boot befestigten Schuhen fixiert, kommt ein Ausflugsdampfer vorbei und sorgt für ein paar Wellen.

Doch die 17-Jährige sitzt fest in Fulgur, vor dem Umkippen hat sie keine Angst. "Das passierte mir mal beim Anlegen, weil die Dolle nicht fest war. Es war so peinlich", erzählt sie lachend. In der Dolle werden die Ruder befestigt, in ihrem Fall die sogenannten Skulls. Andere Sportler rudern mit einem Riemen, sie haben entsprechend nur ein Ruder.

Die Schülerin aus Nürnberg-Herpersdorf betreibt den Sport seit sechs Jahren beim Ruderverein Nürnberg von 1880 e.V. Ihre Mutter war als Jugendliche auch aktive Ruderin und machte bei Wettbewerben mit. "Als ich das erfuhr, wollte ich zum Schnuppertraining", erinnert sich die Gymnasiastin – und daraus wurde mehr. Zwischenzeitlich ist sie Leistungssportlerin und fährt regelmäßig zu Regatten und Meisterschaften.

Das Jahr 2019 war sehr erfolgreich: Bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften der A-Junioren (U19) durfte sich die 17-Jährige gleich über zwei Platzierungen auf dem Podest freuen: Im Leichtgewichts-Doppelzweier holte sie mit ihrer Partnerin Lisa Rak aus Regensburg den zweiten Platz; im Leichtgewichts-Doppelvierer mit Beteiligung von Amelia Böhle und Natalie Weber aus Koblenz/Ludwigshafen sogar den ersten.

Besonders stolz auf zweiten Platz

"Der zweite Platz kam aber unerwarteter, deshalb bin ich darauf besonders stolz", erzählt Simon. "Denn da waren alle vier Boote richtig stark." Um sich auf den Wettkampf auf dem See in Brandenburg vorzubereiten, reiste der Ruderverein schon ein paar Tage früher an, "damit wir uns an die Wellen gewöhnen. Ich kam damit aber super klar. Das war bestimmt auch ein Vorteil", berichtet die Schülerin. Mit ihrer Partnerin Lisa konnte sie vor den Meisterschaften öfter trainieren, "Regensburg ist ja nicht so weit weg". Aber mit den anderen beiden jungen Frauen ruderte sie nur vor Ort.

Nora Simon (links) erreichte mit ihrer Zweier-Partnerin Lisa aus Regensburg den zweiten Platz bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Brandenburg.


Dass die Rudervereine miteinander kooperieren sei normal, bestätigt auch Simons Trainer Jens Bredthauer. Die Sportler müssen bei Leistung und Gewicht zusammenpassen, das ist innerhalb eines Vereins kaum möglich. So dürfen die 17- und 18-jährigen Frauen im Leichtgewicht-Zweier und -Vierer im Durchschnitt nicht mehr als 55 Kilogramm auf die Waage bringen. "Ich ernähre mich eigentlich ganz normal, nur ein paar Wochen vorher verzichte ich auf Süßigkeiten und dann klappt das mit dem Gewicht", erzählt Simon, die sich nicht vorstellen kann, bei den Schwereren mitzurudern. Die seien noch mal ein anderes Kaliber.

Vor Wettbewerben steht für die Gymnasiastin fünf- bis siebenmal Training auf dem Programm. Mit der Schule – sie geht jetzt dann in die zwölfte Klasse an der Wilhelm-Löhe-Schule – könne sie den Sport gut verknüpfen, versichert sie. "Nur wenn wir Nachmittagsunterricht haben, wird es ab und zu stressig." Simon hat sogar Zeit für weitere Aktivitäten, wie Rad fahren, Wandern und Freunde treffen. Wobei sie viele Freunde auch beim Rudern sieht.

Regatten sind wie Ausflüge

"Wir in der Mannschaft sind gut befreundet. Außerdem macht es Spaß übers Wochenende auf Regatten zu fahren, das ist wie ein Ausflug", schwärmt die 17-Jährige, der eigentlich alles an ihrem Sport gefällt – außer das Einer-Fahren, "das hasse ich", sagt sie, "das ist langweilig! Im Zweier habe ich mehr Motivation, weil ich mich da für meine Mitfahrerin anstrenge." Viel geredet wird allerdings nicht. "Wir müssen uns konzentrieren und die Technik üben, aber beim Wenden und Anlegen kann man sich etwas unterhalten."

Heute ist die Schülerin allerdings alleine in Fulgur unterwegs, zwei weitere Jugendliche fahren schon gemeinsam am Kanal. Das Übungspensum gibt Trainer Jens Bredthauer vor: "Sieben Kilometer in Richtung Schleuse Leerstetten und wieder zurück. Das schafft man innerhalb einer Stunde."

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