27°

Sonntag, 15.09.2019

|

zum Thema

Nürnbergerin beklagt das oberflächliche Schulsystem

Die Schülerin mag Physik und durfte ein Praktikum in der Teilchenforschung machen - 24.08.2019 11:55 Uhr

Endlich in ihrem Element: Katharina Härdl sagt, die Zeit im Cern sei die glücklichste ihres Lebens gewesen. © Foto: privat


Aus irgendeinem Grund hielt sie es eines Tages in der Hand, das Buch über den Weltraum. Ab diesem Moment, sagt Katharina Härdl, hat sie sich nur noch für das Universum interessiert. "Weil es das Spannendste ist, was ich je gelesen habe."

Katharina ist 16 Jahre alt und sie birgt viele Facetten in sich. Im Unterricht, das weiß die Jugendliche und das sagt auch ihre Lehrerin Birgit Janner, ist sie eher zurückhaltend. Ihr Hobby ist das Kickboxen, "um angestaute Aggressionen vom Tag rauszulassen". Ihre Leidenschaft aber, das ist die Physik – obwohl sie am Peter-Vischer-Gymnasium den sprachlichen Zweig gewählt hat. "Weil ich damals Informatik nicht mochte." Aber auch das hat sich mittlerweile geändert.

In diesem Jahr ging ein Traum in Erfüllung: Katharina durfte ein zweiwöchiges Praktikum im Cern-Zentrum in Genf absolvieren, der Europäischen Organisation für Kernforschung. Eine Wegbereiterin dorthin war Birgit Janner. Sie unterrichtet Biologie und Chemie und hat wohl gespürt, dass ihre Schülerin im Unterricht nicht ausleben kann, was in ihr steckt. Deshalb hat Janner die Jugendliche mit CyberMentor bekanntgemacht. CyberMentor ist die Online-Plattform für Mädchen, die sich für MINT-Fächer interessieren, also für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Wer sich hier registriert, wird ein Jahr lang von einer persönlichen Mentorin per Mail, Chat und Forum betreut. Angesprochen sind Schülerinnen von der fünften bis zur zwölften Klasse. Katharinas Mentorin ist eine Physikerin, die in der IT-Branche arbeitet.

Tränen in den Augen

Über die Plattform hat die 16-Jährige von der Praktikums-Ausschreibung erfahren und sich beworben – auf Englisch. Das taten insgesamt 700 Mädchen und Jungen, 24 wurden genommen, und Katharina gehörte dazu. "Als ich die Zusage bekam, hatte ich Tränen in den Augen", sagt sie.

Und ihre Vorfreude wurde nicht enttäuscht: "Es war so cool, endlich mit Leuten zusammen zu sein, die so sind wie ich." Was sie damit meint, sind Leute, die die Aufgabenstellung "Development of electronics modules as communication bridges in test set ups" verstehen und umsetzen können.

Weitere Artikel über Schüler und Teilchenforschung

Denn das war der Titel ihres Projekts, an dem sie in einem Zweierteam arbeitete, Löten und Schaltpläne-Erstellen inklusive. Das Schöne: Ihre Arbeit fand sogar Verwendung. "Ich war zwei Wochen ausschließlich mit etwas beschäftigt, das mir Spaß macht."

Aus Genf mit nach Hause brachte sie neue Freunde, viel neues Wissen, und vor allem einen Motivationsschub: "Die zwei Jahre Schule bring’ ich auch noch rum." Was genau findet sie an der Schule denn so schlimm? Katharina hat dazu eine ganz klare Meinung: "Das System ist so oberflächlich. Einige Sachen musst du gar nicht verstehen, du musst sie nur auswendig lernen. Eine individuelle Entfaltung ist kaum drin. Dabei gibt es so viele Schüler, die eigentlich viel schlauer sind, als es ihre Noten zeigen."

Also fördert Katharina weiter sich selbst: Natürlich hat sie sich für das MINT-Wahlfach entschieden, zumal Lehrer Thomas Schulze den Schwerpunkt auf das Experimentieren gelegt hat. Über CyberMentor nimmt sie außerdem an einer Physik-Olympiade teil, und in den Herbstferien hat sie ein Camp über Luft- und Raumfahrttechnik auf dem Plan. Denn ihre Zukunft sieht die Schülerin klar vor Augen. "Ich möchte gerne Physikerin werden." Und wenn sie noch ein wenig weiter träumt? "Dann Astronautin."

Info: www.cybermentor.de 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Szene Extra