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Oh, du schreckliches Geschenk !

Unsere Mitarbeitern berichten von schönen und grässlichen Präsenten - 22.12.2018 10:00 Uhr

Was sich wohl hinter dieser Verpackung verbirgt? © colourbox.de


Selbst gehäkelte Topflappen!

Helke Rüder (20): Das perfekte Weihnachtsgeschenk für mich muss nicht besonders teuer oder modern sein, ich freue mich am meisten, wenn es zu mir passt: Kleinigkeiten zu Insidern unter Freunden zum Beispiel. Am besten erfüllt es einen Nutzen, denn Deko hat sich bei mir im Laufe der Jahre zur Genüge angesammelt.

Oder es sind Bücher – aber Bücher schenkt mir leider niemand mehr, mit der unsinnigen Begründung, ich hätte schon genug. Ein besonderer Bonus ist es, wenn das Geschenk überraschend kommt und nicht schon im Voraus detailgenau abgestimmt wurde. So war mein Lieblings-Weihnachtsgeschenk voriges Jahr banal, aber selbst gemacht und nützlich.

In unserer WG hatten wir keine Topflappen. Zu Weihnachten bekam ich dann von meiner handarbeitsbegeisterten Tante zwei Paar selbst gehäkelte Topflappen, und sie eine riesen Überraschung, da ich mich darüber mehr freute als über den beigelegten Geldschein.

Im Gegenteil dazu schenkte mir meine beste Freundin vor ein paar Jahren, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, passend zur kalten Jahreszeit eine Box mit verschiedenen Badekristallen, einer Badebombe und Badewasserfarben – nur: Wir haben zu Hause keine Badewanne. Das hätte sie eigentlich wissen können, so häufig wie sie schon auch über Nacht bei mir zu Besuch war. Mein Tipp für alle Schenkenden also: zuhören und zuschauen!

Eine E-Gitarre samt Verstärker

Ewan Schück (16): Für mich fand Weihnachten im vergangenen Jahr in Deutschland statt. Das heißt, dass alle meine Verwandten ihre Geschenke mit der Post nach Deutschland schicken mussten. Genau die Hälfte lebt nämlich in Schottland. Das schienen sie als Vorwand zu nehmen, mir kuriose Dinge zu schenken, die aufgrund des Transportwegs "unkaputtbar" sein müssen.

So habe ich etwa einen über 20 Zentimeter großen und vier Zentimeter dicken, weiß-grünen Radiergummi bekommen. Der ist so groß, dass ich ihn nur beidhändig benutzen kann. Als ich in der Schule fröhlich radieren wollte, ist mein Blatt mit einem lauten Ratsch in der Mitte durchgerissen. Mit dieser Mutter aller Radiergummis brauche ich wohl bis an mein Lebensende keinen neuen mehr kaufen.

Genau umgekehrt ist es mit der E-Gitarre, die ich auch voriges Jahr auspacken durfte. Da konnte ich direkt "Fett wie ein Radierer" von den Blech Brass Brothers vorspielen, habe aber keinen einzigen Fehler ausradieren müssen. Zu der Gitarre habe ich einen klasse Verstärker bekommen. Manchmal, wenn ich auf meinem Bett sitze und die Saiten zupfe, frage ich mich, ob meine Verwandten auf der Insel meine Eltern in Richtung Gitarre gestubst haben. Zum Ausradieren ihres Transportproblems, versteht sich.

Oder hinter dieser? © colourbox.de


Briefe von Freunden

Fiona Walter (18): Mein liebstes Weihnachtsgeschenk hat materiell keinen großen Wert, aber es berührt mich persönlich sehr. Ich würde sagen, dass all die Briefe die ich jedes Jahr von meinen Freundinnen zu Weihnachten bekomme, meine liebsten Weihnachtsgeschenke sind. Es tut einfach total gut zu lesen, was der andere an einem schätzt und ist für mich ein super Einstieg, um die Feiertage entspannt zu genießen.

Mein grässlichstes Weihnachtsgeschenk ist schon schwerer zu definieren. Als kleines Kind habe ich mehrere Jahre hintereinander immer eine Katze auf meinen Wunschzettel geschrieben. Unter dem Weihnachtsbaum lag dann immer nur eine sehr flauschige Kuscheltierversion, was mir als Fünfjährige natürlich überhaupt nicht passte. Aber, meine Ausdauer hat sich schließlich doch noch irgendwann ausgezahlt und dann war die Freude umso größer.

Karten für das Cro-Konzert

Julia Ahlfeld (19): Mein allerbestes Geschenk habe ich bekommen, als ich zwölf war: Karten für mein erstes Konzert. Mit einer Freundin durfte ich ganz alleine zu Cro, natürlich mit Hinbring- und Abholservice der Eltern. Als ich die Karten ausgepackt hatte, freute ich mich so sehr, dass ich sogar das ein oder andere Tränchen vergossen habe. Mit so einem Geschenk hatte ich niemals gerechnet. Die Überraschung war groß.

Und das Konzert war ein Moment, den ich nie vergessen werde und immer in Verbindung mit meiner Freundin bringen werde, die mich damals begleitet hatte. Ein rundum gelungenes Geschenk also, auch wenn ich heute nicht mehr so Cro-verrückt bin wie damals.

Allerdings können Geschenke auch ganz schön komisch ankommen, so wie ein Geburtstagsgeschenk, das ich ein paar Jahre später von Verwandten bekommen habe: ein Loop-Schaltuch mit Neon-Blumen-Muster. Und das zu einer Zeit, in der die zusammengenähten Schlauchschals schon lange nicht mehr "in" waren.

Außerdem stand ich so gar nicht mehr auf Neon-Farben, vor allem nicht in Kombination mit Blümchen. Ich fand den Schal so uncool, dass ich meiner Mutter mein Leid klagte. Sie schlug mir vor, dass ich doch einfach die Wahrheit sagen sollte und mein Geschenk bestimmt reklamieren könnte. Ihren Rat habe ich schließlich angenommen und war sehr froh, das grässliche Accessoire nicht in meinem Schrank verstauben lassen zu müssen.

Auf zur Harry-Potter-Ausstellung

Pauline Storz (17): Alle Jahre wieder sitzen meine Eltern, Geschwister, Oma, Onkel und ich neben dem Weihnachtsbaum und packen Geschenke aus. Die meiste Zeit schaffen wir es, unsere Geschmäcker zu treffen.

Die meiste Zeit. Mein wohl größter "Geschenke-Fail" ist aber keinesfalls ein großartig traumatischer. Nur die Socken wollen meiner Oma nicht aus dem Kopf gehen. Dass meine Füße schon ausgewachsen sind, oder ich nicht noch ein zwanzigstes Paar Kniestrümpfe brauche, hat sie leider immer noch nicht gemerkt. Also kann ich mich auch sicherlich dieses Jahr wieder auf ein neues Paar Socken freuen.

Aber auch schöne Sachen konnte ich schon unter dem Baum finden. Das Beste darunter war bis jetzt ein Ticket zu einer Harry-Potter-Ausstellung vor ein paar Jahren. Viele Original-Requisiten anschauen, einmal den sprechenden Hut aufgesetzt bekommen oder auf Hagrids Sessel sitzen zu dürfen – dieses Weihnachtsgeschenk vergesse ich so schnell nicht mehr!

Eine Reise nach New York

Carima Jekel (20):

Seit ich zehn Jahre alt war, wollte ich unbedingt nach New York in den Urlaub. Ich habe meiner Familie lange mit diesem Wunsch in den Ohren gelegen, obwohl ich wusste, dass es unwahrscheinlich ist, dass er erfüllt wird. Zum 13. Geburtstag habe ich aber einen Gutschein von meiner Tante bekommen – für einen Tag in New York.

Der Deal war, dass ich bis ich 16 bin, weiter Gutscheine sammeln sollte, und dann würden wir gemeinsam fliegen. Gesagt, getan und drei Jahre später an Weihnachten war es dann so weit: Ich habe den letzten Gutschein und einen Termin im Reisebüro bekommen. Und im folgenden Sommer ging es endlich los. Das war das schönste Geschenk.

Ich bin Leseratte. Wenn man mir ein Buch schenkt, kann man eigentlich nichts falsch machen. Das dachte sich wohl auch meine Freundin, als sie mir zu Weihnachten alle drei Teile der Winnetou-Reihe von Karl May schenkte. Damit hat sie nur das Genre erwischt, das mich noch nie interessiert hat. Zu sagen, das Geschenk war grässlich, wäre aus heutiger Sicht etwas hart. Aber mit zwölf dachte ich vermutlich genau das.

Toller Lamy-Füller

Elisabeth Adam (20): Als ich bei meinem Freiwilligendienst in Ecuador meine Schüler voriges Jahr zur Weihnachtszeit fragte, was denn für sie das Fest ausmache, sagten viele von ihnen mit leuchtenden Augen: "An Weihnachten gibt es Geschenke." Für mich kommt es an Weihnachten nicht überwiegend auf Geschenke an, sondern auf familiäres Beisammensein, Besinnlichkeit und Nächstenliebe.

Aus den Weihnachtsfesten meiner Kindheit ist mir allerdings auch überwiegend die Vorfreude auf das Christkind und dieser Herzstillstand-Herzrasen-Moment, wenn dann das Glöckchen klingelt und die Weihnachtsgeschenke hübsch verpackt unter dem Christbaum liegen, in Erinnerung geblieben. Ganz besonders der edle Lamy-Füllfederhalter, den das Christkind vor vier oder fünf Jahren brachte, kommt mir da in den Sinn. Mit dem macht Schreiben einfach Spaß. Und sogar nach 13 vollgeschriebenen Seiten im Deutschabitur hatte ich keinen Krampf in der Hand.

Natürlich gibt es auch das krasse Gegenbeispiel des perfekten Geschenks. In meinem Fall ein Kuscheltiermagnet, den ich von einer alten Freundin meiner Mutter bekam. So ein putziges kleines Plüschtier mit einem kleinen Magneten in jeder Pfote, das man sich an den Kühlschrank oder die Magnetwand hängen kann.

Mal abgesehen davon, dass ich mir damals schon viel zu alt für solch kindische Kuscheltiermagneten vorkam, fand ich das Ding auch einfach nur hässlich. Leider hatte ich niemanden, an den ich es hätte weiterverschenken können, und einfach wegschmeißen ging auch nicht. Ich glaube der Kuscheltiermagnet liegt heute noch in irgendeiner Ecke meines Kinderzimmerschrankes herum und wartet darauf herausgeholt zu werden.

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