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Oma, wie war Weihnachten in deiner Kindheit?

Unsere Mitarbeiterin spricht mit ihrer Großmutter über Traditionen - 12.12.2018 12:09 Uhr

Elisabeth hat sich mit ihrer Oma über Erinnerungen an frühere Weihnachten unterhalten. © privat


Oma, was verbindest du mit Weihnachten?

Für mich bedeutet Weihnachten sehr viel. Ich liebe das Gefühl von Wärme, Gemütlichkeit und familiärem Beisammensein, das bei mir an den Festtagen immer aufkommt. Diese Stimmung wird bei mir besonders durch Weihnachtslieder und Schmuck hervorgerufen. Das hat sich auch im Laufe der Jahre nie geändert.

Wie ist dir Weihnachten aus deiner Kindheit in Erinnerung geblieben?

Wir feierten in meiner Jugend mit meinen Eltern und meinen drei Brüdern ein ganz klassisches Weihnachtsfest. Der Baum, den mein Vater vorher im Wald geschlagen hatte, wurde mit Lametta und silbernen Kugeln geschmückt. Nach der Kirche am Heiligabend gab es die Bescherung.

Dann sangen wir gemeinsam Weihnachtslieder und spielten Spiele. Zu Essen bereitete meine Mutter immer Gänseklein aus den Innereien der Weihnachtsgans, die typischerweise am ersten Feiertag gereicht wurde.

Ich nehme an, die Bescherung ist damals nicht so üppig ausgefallen wie heutzutage?

Ganz und gar nicht. Ich hab als Mädchen immer Hausrat für die Aussteuer geschenkt bekommen, während meine Brüder Spielzeug und Süßigkeiten erhielten. Natürlich konnte ich mich als kleines Mädchen nie über Handtücher, Bettwäsche und Geschirr freuen. Dafür wurde meine Puppe jede Weihnachten von meiner Mutter neu eingekleidet.

Viel Lametta: So wurden Christbäume früher gerne dekoriert. Das Bild ist schon fast 100 Jahre alt. © Foto: privat


Hattet ihr irgendwelche besonderen Traditionen?

Wir Kindern bekamen jeweils einen "bunten Teller" mit selbstgebackenen Keksen, Obst und Schokolade, den wir hüteten wie einen Augapfel. Denn wenn die Naschereien aufgegessen waren, gab es keinen Nachschub.

Das war nicht so wie heute, wo schon im Oktober die Lebkuchen in den Supermarktregalen stehen?

Nein, diesen Wahnsinn werde ich auch nie verstehen! Weihnachten geht ja heute fast nur noch um "Kaufen, kaufen, kaufen". Das macht für mich viel der Besinnlichkeit zunichte. Ich selbst schenke auch unglaublich gerne und mache anderen Menschen dadurch eine Freude. Als ich damals anfing zu arbeiten, habe ich von meinem ersten Gehalt Weihnachtsgeschenke für meine Familie besorgt.

Aber jetzt ist es ja gar nichts mehr Besonderes, ein Geschenk zu bekommen. Das ist keine Herzensangelegenheit mehr, auf die man sich das ganze Jahr über gefreut hat. Deshalb ist mir die Freude am Schenken vergangen.

Worauf kommt es deiner Meinung nach denn an Weihnachten an?

Wie ich schon gesagt habe, ist mir die Familie besonders wichtig, und ich feiere Weihnachten am liebsten daheim. Seit ich hier in Nürnberg wohne, gehört der Christkindlesmarkt für mich einfach zum Fest dazu, und ich liebe es, meine Wohnung zu schmücken und mich mit Ritualen wie Kerzen am Adventskranz anzünden oder Kekse-Backen auf das Fest einzustimmen.

Da kann ich nur zustimmen. Vergangenes Jahr Weihnachten habe ich ja nicht zu Hause verbracht, sondern am anderen Ende der Welt. Es war ein sehr schönes Fest. Meine komplette Gastfamilie war da, und wir haben bis spät in die Nacht gegessen und getanzt. Und doch hatte ich starke Sehnsucht nach zu Hause, Heiligabend unter dem Christbaum und ein gemütliches – wenn auch manchmal angespanntes – Essen mit der Familie, so wie wir es immer machen.

Ja, Spannungen in der Familie gab es bei uns auch einige im Laufe der Jahre. Die treten an den Festtagen, wenn die ganze Familie zusammenhockt, natürlich besonders stark zutage. Aber das Wichtigste ist, dass wir uns immer wieder zusammengerauft haben. Die Erinnerung an das friedliche Beisammensein überwiegt jedenfalls.

Wie war das dann, als du von deinen Eltern ausgezogen bist und deine eigene Familie gegründet hast?

Mein Mann hatte für die besinnliche Festtagsstimmung leider nicht so viel übrig wie ich. Aber davon habe ich mich nicht entmutigen lassen. Mit deiner Tante und deiner Mutter habe ich gern weihnachtliche Kleinigkeiten gebastelt, und bei meiner Arbeit im Seniorenheim war ich für den Weihnachtsschmuck zuständig.

Von allen Stationen kamen dann die Mitarbeiter um unseren Baum zu bewundern. Der war ja auch immer besonders prächtig mit Schleifen und großen Kugeln. Das Dekorieren war immer eine meiner liebsten Aufgaben.

Freust du dich schon auf das Fest in diesem Jahr?

Natürlich. Das geht bei mir jetzt in der Adventszeit los. Dann heißt es wieder Backen, Schmücken, Lieder singen . . .

Elisabeth Adam

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