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Schüler unterrichten in Langenzenn Kinder

Bei "Große lehren Kleine" stehen die Naturwissenschaften im Mittelpunkt - 03.04.2019 05:00 Uhr

Beim Quiz mit den Geruchsproben brauchen die Kindergartenkinder und die jungen Lehrer Hilfe von Chemie- und Biolehrerin Christin Hensel (weißes Oberteil). © Foto: Stefanie Goebel


Tuana, Lina, Carla und Franka wirken etwas ratlos. Wiederholt riechen die vier Vorschülerinnen aus dem Kindergarten Plapperkiste in Langenzenn an den verschiedenen Duftproben. Ist das frisch gemähtes Gras? Oder ist das Tomate?

Sie sollen sich entscheiden, auf welches Bild sie die Probe stellen. Dann wird aufgedeckt. Ein paar Gerüche haben die Kinder erkannt, stellen Jannik, Vivien und Yannick fest.

Die drei Realschüler sind heute die Lehrer der Fünf- und Sechsjährigen. Sie nehmen am Wahlfach "Große lehren Kleine" teil, das im vergangenen Schuljahr von Lehrerin Christin Hensel ins Leben gerufen wurde. "Die Konrektorin Frau Singer brachte die Idee von ihrer alten Schule in Ebrach mit", erzählt sie. Und weil sie vorher auch schon nachmittags Mint-Unterricht gegeben habe, sei sie von dem Vorschlag begeistert gewesen.

Eigenes Wissen vertiefen

In dem Wahlfach sollen Neuntklässler Kindern Naturwissenschaften näherbringen. Gleichzeitig vertiefen die Schüler ihr Wissen in diesen Fächern. "Dieses Schuljahr haben sich fast 40 Schüler angemeldet", erzählt Christin Hensel erfreut. Denn alle machen das freiwillig am Nachmittag nach ihrem Unterricht. "Für ihr Engagement bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat."

Alle zwei Wochen übernimmt eine Gruppe von Schülern eine Gruppe Kindergartenkinder. In der Zeit dazwischen werden die Neuntklässler von ihrer Lehrerin auf den Unterricht vorbereitet. Im Chemie-Vorbereitungsraum steht ein riesen Ordner mit Experimenten, den Christin Hensel aus verschiedenen Büchern zusammengetragen hat. "Die Schüler suchen sich je nach Thema selbst aus, was sie mit den Kindern machen wollen", sagt sie.

Dann werden alle nötigen Materialien geholt und die Experimente gemacht. Die Lehrerin erklärt den Realschülern, wie sie es den Kindern näherbringen können und worauf sie achten sollen. "Zum Beispiel muss man bei Versuchen mit Lebensmitteln aufpassen. Kinder nehmen die schnell mal in den Mund."

In der heutigen Stunde geht es um das Thema Sinnesorgane. Kurz bevor die Kinder eintrudeln, geht Christin Hensel mit den jungen Lehrern noch mal das Besprochene aus der Vorwoche durch. Und schon sind die Vorschüler da und nehmen auf den viel zu hohen Stühlen Platz. Für sie ist es etwas ganz Besonderes, in der Schule zu sein.

Etwas schüchtern beantworten sie die Fragen der 15- und 16-jährigen Lehrer und machen bei den Experimenten mit. Mit verbundenen Augen sollen sie verschiedene Gegenstände erfühlen, und über ein Stethoskop hören sie ihren Herzschlag. "Nach dem Hüpfen schlägt es schneller und ganz laut", stellt die sechsjährige Franka stolz fest.

Begeisterte Erzieher

Mit den Kindergartenkindern sind auch zwei Erzieher in die Realschule mitgekommen. "Ich bin begeistert, wie liebevoll die Schüler mit den Kindern umgehen. Sie haben Respekt vor ihnen, denn hier sind sie anders als im Kindergarten nicht die Großen", erzählt Kinderpflegerin Monika Weißmann.

Und die Neuntklässler können überprüfen, ob der Lehrerjob etwas für sie wäre. "Sportlehrer würde mir gefallen", sagt Jannik, der die Experimente mit den Kindern lustig findet und selbst was dabei lernt. Mitschülerin Vivien meint: "Ich finde es cool, dass wir uns in ein unbekanntes Thema einarbeiten und das den Kindern beibringen."

Das Projekt zeigt, dass Kooperationen gut funktionieren können. Plan ist, nun auch mit der Grundschule zusammenzuarbeiten, um den Kindern die Realschule schmackhaft zu machen. 

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