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Schüler-WG als Experiment

Siebtklässler der Adolf-Reichwein-Schule haben eine Woche lang zusammengelebt - 22.05.2017 10:00 Uhr

Da tun die Finger weh: Wenn man drei Kilogramm Kartoffeln für die Mitschüler schnippelt. Echtes WG-Leben ist das.


"Wo ist denn nur das Paprikapulver?" Cattleya (12) rennt aufgeregt durch die Küche und sucht die Gewürzdose. Maja (13) steht derweil an dem überdimensionalen Gasherd und versucht, eine Flamme zu entzünden.

Und Emma rührt in einer riesigen Schüssel: Drei Kilogramm Kartoffeln hat sie gerade geschnippelt. "Mir tun noch voll die Finger weh", stöhnt die Zwölfjährige.

Die drei Mädels sind heute mit Kochen dran – und zwar für alle Mitglieder der Klassen-WG: 17 Schüler und drei Lehrer. Schnitzel mit Kartoffelchips soll es geben. Neben dem Ofen warten schon 30 panierte Fleischscheiben darauf, gebrutzelt zu werden. Gar nicht so einfach, so eine große Meute zu versorgen.

Da geht nichts ohne genaue Planung. "Wir haben vorher einen Koch-, Putz- und Abwaschplan erstellt", erzählt Katja (14) aus dem Orga-Team. Jeder ist mit allem mal dran, die Gerichte wurden abgestimmt, und auch die Zimmerverteilung wurde genau festgelegt. Bis zu fünf Schüler übernachten zusammen in einem Raum.

Bis zu fünf Schüler übernachten in einem Zimmer, wo sich die Betten und auch Waschbecken (nicht zu sehen) befinden.


Ob das gutgeht? Jakob gesteht, dass er zuerst skeptisch war, als Lehrerin Sandra Müller die Klassen-WG vorschlug. Streitet man sich da nicht durchgehend? Das fragte sich der 13-Jährige vorher. Jetzt steckt er mittendrin. Die Teilnahme an der Klassen-WG war freiwillig, 17 von 27 Schülern haben sich darauf eingelassen. "Aber es ist echt cool", findet Jakobs Zimmergenosse Tim (13).

"Auch wenn wir wenig Schlaf kriegen." Ja, stimmt Jakob ihm zu, das sei schon "ein fettes Problem, dass die Leute abends nicht ruhig sind". Ein Streitpunkt, den wohl jede WG kennt.

Vereinbarung für Mittwoch

Deshalb wurde in Tims und Jakobs Viererzimmer eine Vereinbarung getroffen: Am Mittwoch geht das Licht zeitig aus – denn am Donnerstag stand für alle eine Englisch-Schulaufgabe an. Normaler Schulalltag eben, WG hin oder her. Auch gelernt haben die Jungs gemeinsam dafür, in einer "chilligen Ecke" an der Pegnitz.

Neben dem gemeinsamen Lernen steht auch Spaß auf dem Freizeitprogramm, etwa beim Tischtennis oder Zocken.


Und ansonsten? Wird in der WG im Otto-Felix-Kanitz-Haus, einem Gästehaus für Jugendliche, gemeinsam Tischtennis gespielt, gequatscht oder in großer Runde an Spielekonsolen gezockt. "Mario Kart zerstört Freundschaften", bemerkt Jakob lässig, als man es aus einem der Zimmer fluchen hört. "Aber nur für ein paar Minuten."

Die Lehrer halten sich in der Klassen-WG vornehm zurück. Die Klassleiterin Veronika Sorge bereitet lediglich das Frühstück vor. "Das ist aber die einzige Dienstleistung von unserer Seite", erzählt ihre Kollegin Sandra Müller und lacht. Außerdem hat Müller am ersten Tag den Großeinkauf mit den Schülern absolviert.

Sechs Pizzateige, fünf Packungen Schnitzelfleisch, jede Menge Klopapier – "wir hatten zwei große Einkaufswagen voll", berichtet Katja. Wie viele Zutaten sie für so viele Portionen Essen brauchen, hatten sie vorher mit dem Schulkoch abgestimmt. Und welche Eindrücke bleiben am Ende der Klassen-WG? "Cool", "mega", "unbedingt zu empfehlen" lauten die Urteile der Schüler.

Katja findet, die WG sei eine "gute Erfahrung für später, wenn man mal ausziehen will". Sandra Müller ist begeistert, wie gut die Jungen und Mädchen sich selbst organisieren und Verantwortung füreinander zeigen.

Und Jakob sagt: "Wir haben uns in der Woche besser kennengelernt. Man macht einfach mehr mit anderen, mit denen man sonst nicht so eng ist." Dazu hat übrigens auch das schlechte WLAN im Haus beigetragen. "Sonst hätten alle nur am Handy gehangen", glaubt Jakob. "Aber so war es genau richtig."

ANNIKA PEISSKER (Text)UND RALF RÖDEL (Fotos)

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