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Warum Geld nicht glücklich macht

Freunde, Familie und Gesundheit: Zufriedenheit entsteht durch die richtige Mischung - 26.06.2019 08:00 Uhr

Alles Geld nützt nichts, wenn jemand krank ist. Aller Reichtum ist sinnlos, wenn er mit niemandem geteilt werden kann. Nur durch die richtige Mischung vieler Faktoren lässt sich die eigene Zufriedenheit steigern, sagt die Wissenschaft. © Andrey Popov, Fotolia


Tobias Wolbring, Professor für Empirische Wirtschaftssoziologie an der Uni Erlangen-Nürnberg, beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Lebenszufriedenheit. Am Montag gab er in Nürnberg in der Reihe "Wissenschaft auf AEG" einen Einblick in aktuelle Ergebnisse der Forschung.

Was beeinflusst die Lebenszufriedenheit? Viele würden hier wohl reflexhaft "Geld" anführen. Das dem nicht so ist, verrät bereits der Titel von Wolbrings Vortrag "Geld alleine macht nicht glücklich". Denn die Forschung hat ergeben: Wohlstand wirkt sich am stärksten lediglich im unteren Einkommensbereich auf die Lebenszufriedenheit aus. Sind menschliche Grundbedürfnisse wie Essen, ein Dach über dem Kopf und Sicherheit befriedigt, steigt mit wachsendem Wohlstand kaum das persönliche Glück.

Ein Wunsch nach dem anderen

Wissenschaftler nennen das das "Easterlin-Paradox". Es geht auf den Ökonomen Richard Easterlin zurück. An die Stelle alter Bedürfnisse und Wünsche treten neue, etwa nach sozialer Anerkennung, Integration oder Selbstverwirklichung. Und diese lassen sich nur selten mit Geld bewerkstelligen.

Für Tobias Wolbring bestimmen viele Faktoren die Lebenszufriedenheit: Freunde, Familie, die Qualität einer Beziehung oder die Gesundheit. Hier kommt es vor allem auf eine gute Mischung an.

Bei manchen Menschen wird die Lebenszufriedenheit auch durch soziale Vergleiche beeinflusst: Der Nachbar fährt ein größeres Auto oder der Kollege verdient mehr Geld. "Menschen, die stärker zum sozialen Vergleich neigen, sind im Durchschnitt unzufriedener", sagt der 36-Jährige.

Größere Autos oder teurere Urlaube führen aber nicht automatisch zu einer Steigerung des eigenen Wohlbefindens. Stattdessen tritt ein Gewöhnungseffekt ein, den die Wissenschaft "hedonistische Tretmühle" nennt. Darunter ist zu verstehen, dass Menschen nach einem sehr positiven Ereignis – etwa einem Lottogewinn oder der eigenen Heirat – nach einer gewissen Zeit zu einem normalen Level an Glücklichsein zurückkehren. Auch bei negativen Ereignisse wie einer Scheidung oder dem Tod des Partners gibt es solche Gewöhnungseffekte. Allerdings hinterlassen diese Ereignisse oft auch bleibende Effekte.

Wie lässt sich nun die Lebenszufriedenheit dauerhaft positiv beeinflussen? "Einige Faktoren haben wir selbst in der Hand", sagt Wolbring. Die eigene Einstellung zum Leben gehört dazu, positive Freundschaften, eine ausgeglichene Work-Life-Balance und nicht zu vergessen mehr Gelassenheit.

Mit diesem Vortrag endet die Reihe "Wissenschaft auf AEG" im Sommersemester. Im November geht es weiter. 

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