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Sonntag, 20.10.2019

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Vortrag von ARD-Wetterfrosch über Klimawandel

Meteorologe Karsten Schwanke hält am 9. Januar Vortrag in der FAU in Erlangen - 08.01.2019 11:00 Uhr

"Klimawandel oder doch nur das Wetter?" lautet der Titel des Vortrags von Karsten Schwanke. © dpa


Herr Schwanke, "Klimawandel oder doch nur das Wetter?" ist der Titel Ihres Kolloquiumvortrags an der Uni Erlangen. Wo ist der Unterschied?

Karsten Schwanke: Wetter ist das, was wir als Regen, Schneefall oder Sonnenschein in diesem Moment erleben. Das Klima beschreibt hingegen einen langjährigen Mittelwert aus all den Wettererscheinungen. Klima ist also etwas Mathematisch-statistisches, während Wetter emotional erlebt wird. Den Klimawandel werden wir durch Veränderungen des Wetters erleben und spüren – und durch mathematische Methoden nachweisen.

Karsten Schwanke moderiert u.a. „Das Wetter im Ersten“. © Sven Hoppe


Deshalb wird die Frage immer wichtiger, ob und wie sich einzelne Wettererscheinungen durch den Klimawandel verändern.

 

Wenn wir von einem menschengemachten Klimawandel ausgehen, was in der Wissenschaftswelt Konsens ist, was muss dann Ihrer Ansicht nach vordringlich geschehen, um diesen Prozess zu stoppen?

Schwanke: Diese Frage wurde schon vor langer Zeit von der Wissenschaft beantwortet: Wir müssen weltweit das Verbrennen fossiler Brennstoffe und damit den Ausstoß von Kohlendioxid auf null herunterfahren. Da die Anstrengungen dazu aber (noch) nicht ausreichen, werden wir uns auch auf Klimaanpassungsmaßnahmen einstellen müssen. Nur wird das deutlich teurer werden als die Reduktion der CO2-Emission.

 

Was kann jeder von uns zum Klimaschutz beitragen. Geben Sie uns ein paar Tipps?

Schwanke: Mehr Fahrrad fahren, öffentliche Verkehrsmittel benutzen statt des Autos, Politiker auffordern, die eigene Kommune fahrradgerechter – also klimagerechter umzubauen. In den eigenen vier Wänden die Heizungsanlage klimagerecht modernisieren, wenn sie erneuert werden muss. Weniger online einkaufen, sondern die Geschäfte vor Ort benutzen (denn die massive Zunahme von Paket-Kleintransportern lässt unseren CO2-Ausstoß im Verkehrssektor weiter ansteigen).

Der Klimaschutz wird vor allem dann gelingen, wenn wir nicht nur Ängste vor der Veränderung unseres alltäglichen Lebens abbauen, sondern vielmehr diese Veränderungen als positiven Impuls verstehen. Der Boom der E-Bikes und Pedelecs ist ein solches Beispiel.

 

AfD-Chef Alexander Gauland glaubt nicht, dass man etwas gegen den Klimawandel tun könne. Hat er recht?

Schwanke: Nein.

 

Es gibt aber auch noch andere Klima-Skeptiker, die nicht glauben können, dass die globale Erwärmung eine Folge des CO2 ist, das die Menschheit seit Beginn der Industrialisierung in die Erdatmosphäre bläst.

Schwanke: Viele Menschen haben Angst davor, ihr Leben zu verändern. Sie haben Angst davor, dass ihnen etwas weggenommen und verboten wird. Es ist erst einmal leichter, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen, als sich mit den notwendigen Veränderungen auseinanderzusetzen. Wissenschaftlich gibt es keine Zweifel an der Ursache der Erderwärmung.

Um den Klimaschutz erfolgreich zu gestalten, müssen wir diese Ängste ernst nehmen, denn Klimaschutz funktioniert nicht, wenn sich die obersten Zehntausend ein Elektroauto kaufen und alle anderen sehen müssen, wie sie klarkommen.

 

 

 

Interview: MARKUS HÖRATH

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