Mittwoch, 20.11.2019

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Welpen zum Schnäppchenpreis

Der illegale Handel mit Rassehunden ist ein lohnendes Geschäft - 09.02.2012 07:30 Uhr

In diesem unauffälligen Sprinter wurden die 92 Welpen aus Ungarn eingepfercht. Die Nachfrage nach günstigen Welpen ist so groß, dass ein Dutzend Mal pro Woche von Ungarn aus solche Transporte getätigt werden. © Tierheim Nürnberg


So lange es Menschen gibt, die für einen reinrassigen Hund nur 500 Euro ausgeben wollen, wird es weiterhin Zuchtfarmen in Osteuropa und illegale Transporte nach Deutschland geben. Auch in Nürnberg wird mit solchen Hundebabys Geschäft gemacht.

Am Rande der Pressekonferenz zur Rassehunde-Ausstellung Cacib vor drei Wochen bietet ein Mann aus Nürnberg den Anwesenden Zwergschnauzer aus Polen an – mit Papieren 500 Euro, ohne 250 Euro. Damit riskiert er die Mitgliedschaft im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), in dem alle anerkannten Züchter vereinigt sind.

Der Prestigeverlust wäre hoch, doch er wagt das riskante Spiel mit dem illegalen Handel trotzdem. Als Peter Schön, Vorsitzender des VDH-Landesverbands Franken Oberpfalz davon erfährt, droht er dem Mann mit dem Ausschluss aus dem Verband – doch so lange Schön keine Beweise gegen ihn hat, kann er nichts ausrichten. „Wir haben gesetzlich keine Handhabe gegen solche schwarzen Schafe“, sagt Schön resigniert.

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Geschmuggelte Welpen aus Lastwagen befreit

Bei einer Verkehrskontrolle auf der A3 nahe Erlangen, am Parkplatz Weißer Graben, entdeckte die Polizei im Februar 2012 über 90 Welpen in einem Lkw. Der Fahrer wurde festgenommen, die Welpen ins Nürnberger Tierheim gebracht und versorgt.


Der VDH fordert deswegen gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund seit Jahren ein Heimtierzuchtgesetz, das Mindestvoraussetzungen für alle Züchter sowie Importeure regelt. Demnach müsste eine zentrale Behörde eingerichtet werden, die bundesweit Zucht und Haltung kontrolliert, die Daten aller Hunde sammelt und bei der alle Würfe gemeldet werden müssen.

Außerdem soll laut dem Gesetzesentwurf, den der Verband formuliert hat, eine Registrierungspflicht für alle Hunde eingeführt werden. So könnten skrupellose Hundevermehrer – zumindest in Deutschland – schnell entlarvt werden. Länder, Kreise, Kommunen und Gemeinden sollen zudem zu einer korrekten Statistikführung gezwungen werden.

Allein der Käufer hat es in der Hand

„Den Aufwand, den Kommunen und vor allem die Amtstierärzte stemmen müssten, ist derzeit nicht realisierbar“, gibt Schön unumwunden zu. Ebenso wenig gebietet ein mögliches Gesetz dem Handel mit Hundewelpen aus Osteuropa Einhalt. „Die Käufer allein haben es in der Hand. Ordentlich aufgezogene Rassehunde gibt es in Deutschland nicht zum Schnäppchenpreis!“ Auch die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ ruft aus aktuellem Anlass dazu auf: „Bitte kaufen Sie keine Hunde über das Internet oder über kostenlose Anzeigen.“

Der ungarische Transporter mit den 92 Hunden, der am Montag in Höch-stadt gestoppt wurde, wollte eigentlich nach Holland. Dort gibt es zahlreiche Zootierhandlungen, in denen Hundewelpen angeboten werden. Obwohl sich die deutschen Zoohandlungen vor sieben Jahren verpflichtet haben, keine Hunde in ihren Läden zu präsentieren, scherte in Duisburg vor kurzem ein Händler wieder aus. „Nur Hinterhofvermehrer geben ihre Welpen bei ihm ab“, empört sich Peter Schöns Frau Angelika. „VDH-Züchter, die sich auf diesen Händler einlassen, werden sofort rausgeschmissen.“

Tierschützerin Kathrin Hansen aus Herzogenrath, die regelmäßig in Ungarn unterwegs ist, schätzt, dass Woche für Woche ein Dutzend Welpentransporte die Grenze passieren, mit dem Ziel Deutschland und Holland. Rund um Nürnberg wurden im vergangenen Jahr laut Amtstierärztin Tania Peischl insgesamt lediglich sechs von ihnen gestoppt, drei waren es 2010. „Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr viel höher.“

Ungarn gilt derzeit als das größte „Produktionsland“ für den europäischen Welpenhandel. Angelika Schön schätzt beispielsweise die Zahl von importierten Bordeauxdoggen auf 3000 bis 5000 pro Jahr. „Der Irrsinn daran ist, dass die als Kampfhunde gelisteten Tiere nach Ungarn nicht einreisen dürfen. Aber in Hinterhöfen werden sie zu Tausenden gezüchtet.“ Während die Gänsescharen auf den ausladenden Wiesen die Fassade wahren, würden Hündinnen in dunklen Verschlägen zu Gebärmaschinen umfunktioniert. „Es ist höchste Zeit, den illegalen Hundehandel stärker zu bestrafen“, sagt auch Tierheimleiterin Heike Weber. Es sei dringend notwendig, dass Behörden länderübergreifend zusammenarbeiten.

Mehr Tipps für den Kauf von Rassehunden unter www.vdh.de

Von Katrin Wiersch

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