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Das Miteinander immer im Fokus – Diakoneo fördert individuell

Gezielte Förderung für Menschen mit Behinderung - 26.05.2020 12:52 Uhr

Derzeit leben 400 erwachsene Menschen in Polsingen, von denen 280 in der Werkstatt arbeiten, 120 besuchen Förderstätten. © Diakoneo


Die wenigen Reize sind für die hier lebenden Menschen optimal, Polsingen ist eine Gemeinde mitten im Grünen, fernab von Stress und Hektik. Diese ruhige und natürliche Umgebung ermöglicht es den Menschen mit Behinderung zu leben, zu arbeiten und sich individuell zu entfalten.

Beim Diakoneo in Polsingen leben derzeit 400 erwachsene Menschen, von denen 280 in der Werkstatt arbeiten, 120 besuchen die Förderstätte. Außerdem bietet Diakoneo in Polsingen 60 Seniorentagesstättenplätze.

Polsingen ist auch ein Ort für Menschen mit Behinderung mit sehr viel Hilfebedarf.  „Wir helfen den Menschen so lange, bis sie etwas selbst schaffen, das ist bei uns anders als in anderen Einrichtungen“, sagt Wolfgang Weichenmeier, Mitarbeiter im Fachdienst. Diakoneo ist spezialisiert auf Menschen mit herausforderndem Verhalten und hohem Hilfebedarf.

Durch eine gezielte Förderung und eine enge Begleitung von Fachkräften erhalten die Menschen mit Behinderung in der Werkstatt berufliche Perspektiven und die Möglichkeit am Arbeitsleben teilzunehmen. In der Werkstatt werden zum Beispiel Paletten produziert oder einfache Verpackungsarbeiten erledigt. Je nach Handicap arbeiten die Menschen an mehr oder weniger anspruchsvollen Aufgaben. Die Arbeit muss zu den Behinderten passen. Dabei wird auf die individuellen Fähigkeiten, Neigungen, aber auch den Hilfebedarf eingegangen. „Bei uns steht nicht allein die Arbeit, sondern das wertvolle Miteinander im Fokus“, sagt Abteilungsleiter Richard Jarrett.

Den Menschen mit Behinderung wird ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten geboten. © Diakoneo


„Außerdem muss man bei uns als Mitarbeiter vieles mit Humor nehmen“, erklärt Steinberger. Auch die Einstellung zu den Menschen mit Behinderung muss stimmen. So gehört auch eine gewisse Distanz und Respekt dazu. „Man sollte sie nicht bemitleiden und auch nicht einfach duzen, das würde man sonst ja schließlich auch nicht einfach bei Erwachsenen tun.“ Die Leute sollen ernst genommen und auch mitgenommen werden. Denn die Selbstständigkeit ist für die meisten Menschen mit Behinderung essenziell. „Für viele ist es bereits etwas Großes, wenn sie sich im Dorfladen vorne an der Ecke eine Kleinigkeit alleine kau-fen können“, sagt Jarrett.

„Wir helfen den Menschen so lange, bis sie etwas selbst schaffen.“

So ist es für viele der Bewohner auch wichtig, dass sie ihren Weg zur Arbeit selber bestreiten können - auch wenn es sich dabei um 150 Meter handelt und heimlich doch immer ein Auge auf sie geworfen wird. Trotzdem ist auch das fast ausschließlich an einem so ruhigen Standort wie Polsingen möglich.

Zusätzlich gibt es ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten. „Auf Zumba sind unsere Bewohner immer besonders heiß.“ Jeder der hier Lebenden hat sein Spezialgebiet, so gehört sogar ein echter Boccia-Weltmeister zu den Diakoneo-Bewohnern. 

Yoga, Fußball, Angeln, Gottesdienste, aber auch Lesen und Schreiben steht auf dem Freizeitprogramm. „Nur die wenigsten unserer Menschen mit Behinderung können lesen“, erklärt Weichenmeier. Deshalb wird mit Piktogrammen gearbeitet. Diakoneo hat nicht nur ein anderes Kommunikationssystem, sondern auch eine eigene Zeitrechnung. „Schon alleine wegen der Gewohnheiten der Menschen mit Behinderung können wir hier nicht dauernd etwas verändern“, sagt Steinberger. So kann Diakoneo auch durch ihren Träger den 138 Mitarbeitern in den Polsingen Förder- und Werkstätten eine hohe Jobsicherheit bieten.

Die Mitarbeiter kümmern sich individuell um die Menschen vor Ort. „Wir wollen die Menschen nicht ändern, nur weil es für uns in der Pflege einfacher wäre.“ Steinberger erzählt von einem Bewohner mit Blasenschwäche. Seine Lieblingshose mit Knöpfen erschwert dabei jedes Mal die Arbeit für das Personal. „Trotzdem ist für uns klar, dass er natürlich diese Hose tragen darf. Wir arrangieren uns eben damit.“        

Zur Geschichte

Aus Diakonie wurde Diakoneo

_ © Diakoneo


Wilhelm Löhe gründete 1854 in Neuendettelsau die erste bayerische Diakonissenanstalt, um der sozialen Not entgegenzuwirken. 1866 wurde in Polsingen im ehemaligen Wöllwarthschen Wasserschloss  die erste Filiale des Diakonissenwerks eröffnet. Im Schloss wurden damals 100 Menschen mit Behinderung betreut. Weitere Filialen entstanden, auch um Polsingen zu entlasten. Der Erste Weltkrieg sorgte für eine Ausdifferenzierung der verschiedenen Krankheiten und dadurch für einen Belegungsrückgang. 1937 wurde das Haus Heimat eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war auch Polsingen von den Euthanasie-Maßnahmen betroffen, viele der Mitbewohner fanden den Tod. 1976 wurde das Haus Brunnquell bezogen, 1980 die Werkstatt für Menschen mit Behinderung eingeweiht. Mitte 2019 schlossen sich die Diakonie Neuendettelsau und Diak Schwäbisch Hall zusammen zu Diakoneo. Diakoneo gehört zu den fünf größten Diakonischen Unternehmen in Deutschland.

Kontakt: Diakoneo – Werkstatt Polsingen, Wilhelm-Löhe-Ring 7, 91805 Polsingen, Tel. 0 90 93 / 80 93 33, www.diakoneo.de  •  info@diakoneo.de, facebook.com/diakoneo2019, Unternehmensgründung: 1866, Mitarbeiter: 138 (Werkstatt, Förderstätte, Seniorenheim), Leiter: Robert Steinberger

Hanna Greta Schmidt Carpe diem

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