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Lernen im Wohnzimmer oder am Strand

E-Learning ist im Alltag längst verankert - 25.06.2020 10:44 Uhr

Lernen im Wohnzimmer oder am Strand © shutterstock/Antonio Guillem


Das Kind hat Fieber und kann nicht in die Kita oder zur Schule. Den Eltern bleibt oft nichts anderes übrig, als zu Hause beim Nachwuchs zu bleiben. Ein Szenario, das nicht nur Berufstätige vor eine Herausforderung stellt, sondern auch Eltern, die sich in einer Fortbildung befinden. Damit sie den Lernstoff nicht verpassen, gibt es neue, effektive Methoden. E-Learning heißt das Zauberwort, das vom bfz angeboten wird.

„Es kam schleichend, Stück für Stück“, erinnert sich Jörg Schellenberger an die Anfänge. Er koordiniert mit Thomas Kurz die berufliche Weiterbildung im Bereich E-Learning für Westmittelfranken. Seit zwei Jahren bietet das bfz E-Learning an. Bis zu 100 Nutzer sind im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen registriert. In Ansbach allein seien es schon über 100, rechnet Schellenberger. Tendenz steigend. Hauptzielgruppe seien momentan Jugendliche, die beim bfz eine „ausbildungsbegleitende Hilfe“ bekommen, wie es Schellenberger formuliert.

Die Jugendlichen, die Industriekaufmann oder Metzger lernen und beim bfz Nachhilfe bekommen, können ihr Wissen via Online-Angebot erwerben - oder vertiefen. Mit Tests überprüfen sie ihren Wissensstand. Der Lehrer kann Defizite erkennen und diese bestenfalls vor der Abschlussprüfung abstellen. Die Probe-Tests werden auf Basis der Ausbildungsordnung von externen Firmen erstellt, dem bfz zur Verfügung gestellt und permanent aktualisiert - ein bedeutender Vorteil gegenüber dem gedruckten, nicht selten veralteten Schulbuch.

E-Learning bedeutet wörtlich übersetzt elektronisches Lernen. Im Prinzip machen das die meisten Menschen täglich. Sie googeln einen Begriff oder klicken sich durchs Online-Lexikon. Viele Jugendliche lernen heute via YouTube. Auf der Plattform gibt es unzählige Videos. Man kann Analysis pauken oder seinen Englisch-Wortschatz aufbessern. Damit sollte man allerdings vorsichtig umgehen. Die Inhalte der Videos sind nicht immer korrekt. Fake News sind weiter verbreitet, als man denkt.

„Ohne schnelles Internet ist E-Learning nicht möglich.“

Hier kommt das bfz ins Spiel, das eine Fülle an gründlich recherchierten Nachhilfe-Tutorials anbietet. Diese sind nicht nur auf den Lernstoff abgestimmt, sondern auch auf die Entwicklungsstufe des Schülers. Genau hier sieht Schellenberger einen weiteren Vorteil des E-Learnings. „Die Teilnehmer werden da abgeholt, wo sie gerade stehen.“

Auch im Bereich Blended Learning gibt es immer mehr Interessenten. Darunter versteht man ein virtuelles Klassenzimmer. „Unsere Teilnehmer aus Weißenburg und Gunzenhausen lernen und kommunizieren mit Teilnehmern aus ganz Bayern und der Lehrkraft“, beschreibt Thomas Kurz. Die Schüler sind so direkt vernetzt und tauschen sich über den Inhalt des Faches aus.

„Einerseits wird zwar im virtuellen Klassenzimmer gelernt. Auf der anderen Seite gibt es sogenannte Selbstlernphasen. Eine Klasse bekommt Unterricht, die andere Klasse ist selbstständig mit dem Vertiefen des Stoffs beschäftigt. Die Aufgaben werden bearbeitet und dann im virtuellen Klassenzimmer gemeinsam besprochen“, erklärt Kurz. So profitiert man auch vom Wissen und den Fragen der anderen.

Das Angebot reicht vom Excel-Training bis hin zu SAP oder Finanzbuchhaltung. Neue Berufe wie der Kaufmann im E-Commerce können so besser geschult werden. „Auch der angehende Fachinformatiker Systemintegration kann bestens digital unterrichtet werden“, ergänzt Kurz.

Neu angeboten wird beim bfz in Weißenburg und Gunzenhausen zudem ein Kurs für Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer, die in Teilzeit Kauffrau  oder Kaufmann für Büromanagement lernen. Auch hier wird verstärkt auf das E-Learning gesetzt.

Im Jugendbereich liege der Anteil am E-Learning momentan unter zehn Prozent, so Schellenberger. Es brauche noch jemanden, der die Schüler motiviere und sich mit ihnen auseinandersetze. Im Erwachsenen-Bereich sei es ähnlich. Es habe Versuche gegeben, den AdA-Schein, also die „Ausbildung der Ausbilder“, komplett online anzubieten. Die meisten brachen ab. Ihnen fehlte ein Lehrer. „Man muss schon viel Selbstdisziplin haben, um das durchzuziehen“, sagt der Experte und weist sogleich auf eine noch größere Schwäche des E-Learnings hin: Nicht selten scheitert es an schnellen, zuverlässigen Internet-Verbindungen. Nicht unbedingt am Strand von Mallorca, sondern auf dem platten fränkischen Land.        

 

js/mau WIKO

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