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Wenn das Foto eines Salates durch die Decke geht

Ann-Christin Weber verdient mit Mode- und Backtipps ihren Lebensunterhalt als Bloggerin - 21.04.2020 11:30 Uhr

Ann-Christin Weber

21.04.2020


Seit zehn Jahren teilt sie ihren Alltag via Internet, seit 2017 ist sie selbstständig und bloggt über ihre Lieblingsthemen: Mode, Kochen und Backen. Daher nennt sie ihren Internetauftritt auch „fashion kitchen“.

Weber hat einen Geschmack, den viele mögen. Sie ist kreativ und hat ein gutes Gespür dafür, wie man kombiniert und was schön, aber nicht kitschig aussieht. Das spiegelt sich nicht nur in Kleidung und Wohnstil wider, sondern auch in ihren Posts, die sich ums Essen drehen. Selbst bei dem Salat wollten die Leser nicht nur wissen, wie man den zubereitet, sondern wie man ihn auch schön anrichtet. 

Weil das Auge mitisst und sich mit jedem Monat mehr Leser bei Ann-Christin Weber Tipps holten, wurden mit der Zeit Firmen auf die junge Frau aufmerksam. Kürzlich habe sie mit einem bekannten Schokoladen-Hersteller eine Kooperation gehabt, erzählt sie. Auch ein Joghurt-Produzent wollte mit ihr zusammenarbeiten. Ihre Aufgabe ist dann, nach Rücksprache mit den Firmen, Rezeptideen rund um das Produkt zu entwickeln, dieses ansprechend zu präsentieren – und auf ihrem Kanal „fashion kitchen“ zu verbreiten. Für diese Werbung wird sie bezahlt.

Die 32-Jährige aus Ellingen hat bei Instagram über 60 000 Follower. Eine Arbeit offline kann sie sich nicht mehr vorstellen.

21.04.2020 © Fashion Kitchen


Einmal sollte sie für einen neuen Joghurt werben. Sie tingelte durch sämt-
liche Supermärkte und fand die gewünschte Sorte nicht. Die Firma musste ihr die Innovation schließlich schicken. Seitdem bittet sie die Hersteller, ihr die Ware nach Ellingen zu senden. Damit spare sie wertvolle Zeit, denn das Bloggen und Posten sei ein Vollzeitjob. „Man ist ständig damit beschäftigt, Ideen zu entwickeln.“ Den Arbeitseinsatz zu bemessen, sei schwierig, weil so vieles dazugehöre, meint die Bloggerin: Ideen sammeln, mit Partnern Verträge aushandeln, Videos schneiden, die richtige Einstellung für ein Foto finden. Dem Zufall wird wenig überlassen. Schließlich bezahlen die Firmen dafür, dass ihre Produkte ansprechend präsentiert werden.

Leser ihres Blogs gibt es nicht nur in Deutschland

„Angefangen hat alles mit einem T-Shirt, das ich geschickt bekam und für ein Fotoshooting getragen habe“, sagt Weber. Aktuell hat sie pro Monat 300 000 Zugriffe auf ihren Blog, auf Instagram hat sie 60 000 Follower, wird auf Reisen eingeladen, trifft andere Bloggerinnen. In Altmühlfranken ist nur sie wirklich erfolgreich und hat Fans in Europa und den USA.

Wie viel sie verdient, verrät sie nicht. Aber die schöne Welt sei hart erarbeitet; der Druck, als Selbstständige und in der Öffentlichkeit seine Brötchen zu verdienen, sei nicht zu unterschätzen, meint die 32-Jährige. „Wenn ich krank bin, kann ich nicht einfach zum Arzt und mich krankschreiben lassen.“ Auch gibt es im weltweiten Netz Menschen, die Erfolg missgönnen.

Weber vergleicht es mit Fußball: „Wenn ich Fußball nicht mag, dann sehe ich mir doch auch kein Spiel an. Dann schaue ich Handball.“ Leute, die einem Böses wollen, die gebe es nun mal. Anmerkungen, die unter die Gürtellinie gehen, werden gelöscht. Die meisten hinterlassen aber positive Nachrichten.

Die Startseite des Bloggs

21.04.2020


Online ist sie täglich. Hauptsächlich schreibt sie für ihren Blog und ihr Ins-tagram und veröffentlicht auf Pinterest. Im Sommer postete Ann-Christin Weber ein Foto, das nichts mit Backen oder Mode zu tun hatte. Sie trug eine kurze Hose und ein T-Shirt. Das wäre an sich wenig spektakulär, aber auf dem weißen Oberteil stand „offline“. Sie verkündete damit, dass sie im

Urlaub sei und in dieser Zeit nichts veröffentlichen werde. Das Foto wurde online über 1300-mal für gut befunden, 55-mal kommentierten es User. Wer permanent online ist, muss auch abschalten können. Und wenn es nur ein paar Tage sind. Ob sie sich einen Salat macht oder nicht, bleibt dann privat.    

 

–mws/nrt– WIKO

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