Dienstag, 28.01.2020

|

zum Thema

Woody Allens "A Rainy Day in New York"

Der neue Film des Regisseurs stand unter keinem guten Stern - 05.12.2019 12:27 Uhr

Gatsby (Timothee Chalamet) und Chan (Selena Gomez) stehen in New York im Regen . . . © Jessica Miglio/Gravier Productions


Eine ungeschriebene Kinoregel lautet: Selbst eine urchschnittliche Komödie von Woody Allen ist in der Regel immer noch besser als der ganze Rest, der sonst so im Kino läuft. Und: Der New Yorker Autorenfilmer, der seit den 60er Jahren praktisch jedes Jahr einen neuen Film gemacht hat, ist stets für eine Überraschung gut. Da ist immer ein Kracher möglich, wie zuletzt 2013 mit dem vorzüglichen Drama "Blue Jasmine". Für seine jüngste Arbeit "A Rainy Day in New York" ist dem Meister hingegen leider gar nichts eingefallen . . .

Im Mittelpunkt des Films steht ein Student, der lieber Bohème sein möchte und ausgerechnet auch noch Gatsby heißt (Timothée Chalamet). Als seine Freundin, die bestürzend einfältige Ashleigh (Elle Fanning), unverhofft die Chance bekommt, in New York den berühmten ilmregisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) zu interviewen, beschließen die zwei, sich um diesen Termin herum ein schickes Wochenende in Gatsbys Heimatstadt zu gönnen.

Doch der Maestro befindet sich in einer schweren Schaffenskrise, das Interview mit ihm wächst sich zu einer längeren Geschichte aus – zumal Ashleigh dann auch noch den Drehbuchautor Ted Davidoff (Jude Law) trifft und schließlich den Schauspieler und Frauenschwarm Francisco Vega (Diego Luna), mit dem sie sogar im Schlafzimmer landet. Gatsby mäandert derweil allein durch ein idealisiertes New York, wo er an jeder Ecke irgendwelche Bekannte trifft . . .

"A Rainy Day in New York" stand unter keinem guten Stern. Produziert für den Streamingdienst von Amazon weigerte sich dieser, den Film zu veröffentlichen, als im Zuge der #MeToo-Bewegung ein weiteres Mal (alte) Missbrauchsvorwürfe gegen Allen laut wurden. Die Angelegenheit landete vor Gericht, mit Verspätung erscheint der Film nun in Europa. In Amerika kommt er gar nicht in die Kinos.

Und Allen? Der macht sich in seiner 50. Leinwandarbeit die Welt noch einmal so, wie sie ihm gefällt . . . und trauert einem New York nach, das es so schon lange nicht mehr gibt und vielleicht auch nie gegeben hat. So weit, so bekannt. Das Problem: Diesmal nimmt man es ihm null ab. Wir erleben junge Menschen, die nichts arbeiten und trotzdem die Taschen voller Geld haben; die Handys hassen, für alten Jazz und alte Filme schwärmen und Sätze sagen wie "Ich brauche jetzt dringend einen Drink und eine Ballade von Irving Berlin" oder – wenn sie dann glücklich einen im Tee haben – "Ich sollte Bacchus weniger verehren". Leider meint Allen das alles ernst, inszeniert völlig ironiefrei und ohne den ihm eigenen Zauber.

Emsig arbeiten sich die Darsteller an der hauchdünnen, äußerst geschwätzigen Geschichte ab und versuchen, den flachen Figuren ein wenig Tiefe zu verleihen. Vor allem Ashleigh ist nicht mehr als ein trauriges Abziehbild von Annie Hall aus dem Allen-Klassiker "Der Stadtneurotiker" (1977).

So bleiben am Ende nur Nostalgie und ganz viel Selbstzitat, was "A
Rainy Day in New York" zu einem reichlich misslungenen Alterswerk macht. Aber: Schwamm drüber. Allens nächster Film ist bereits im Kasten, 2020 heißt es wieder: Neues Spiel, neues Glück! (92 Min.)

Stefan Gnad

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Ressorts