Montag, 21.10.2019

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Rollende Friedensbotschaft aus Metall

Kunstobjekt macht Station in der Südstadt — Schüler gestalten "Engel der Kulturen" für St. Ludwig - 19.07.2017 20:07 Uhr

Die Bodenintarsie „Engel der Kulturen" vor dem Gemeindezentrum St. Ludwig vereint die drei Symbole Kreuz, Halbmond und Davidstern. © Foto: Manuela Prill


Jamal und Reina von der Schülermitverwaltung brachten es auf den Punkt. In ihrer Rede bei der Installierung des "Engels der Kulturen" erzählten sie von ihrer letzten Klassenfahrt. "Mit dabei waren Anhänger ganz vieler Glaubensrichtungen. Aber das war nicht wichtig, wir hatten gemeinsam alle viel Spaß." Es gehe eben nicht darum, die Unterschiede bei seinen Mitmenschen zu suchen, sondern die Gemeinsamkeiten zu erkennen. Jamals und Reinas Fazit: "Wir müssen zusammenhalten, damit die Welt besser wird."

Ein konstruktives und friedliches Miteinander – genau darum geht es im Kern bei dem Projekt "Engel der Kulturen", das die Burscheider Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten 2008 ins Leben gerufen haben. Im Zentrum steht ein von ihnen geschaffenes Kunstobjekt: An einem Ring sind Kreuz, Davidstern und Halbmond, – die Symbole der sogenannten abrahamitischen Religionen – so angeordnet, dass im Innern die Umrisse eines Engels erkennbar werden. Wobei dies gar nicht beabsichtigt war. Aufgefallen sei es ihnen erst, als das Objekt bereits fertig war, berichten die Künstler. Die zufällig entstandene, zusätzliche Symbolik fügte sich aber nahtlos ein: In allen drei Religionen gelten Engel als Botschafter und Beschützer.

In über 100 Städten in Deutschland und Europa wurde der "Engel der Kulturen" als Bodenintarsie oder als Skulptur bereits installiert. Michael Kleemann, Gemeindereferent in St. Ludwig, hat die Aktion nach Gibitzenhof geholt. "Hier leben Menschen unterschiedlichster Herkunft. Es ist meist ein gutes Mit- oder manchmal auch nur eine Nebeneinander. Gibitzenhof ist ein toleranter Stadtteil. Der ‚Engel der Kulturen‘ bringt diese Haltung zum Ausdruck und fördert das Miteinander", ist Kleemann überzeugt. Bedauerlich findet er, dass die Bodenplatte nicht, wie ursprünglich gedacht, auf dem Herschelplatz installiert werden konnte. Aus seiner Sicht wäre eine Aufstellung im öffentlichen Raum für die Idee, die hinter dem Kunstprojekt steht, weitaus förderlicher gewesen. Die Stadt habe dies aber nicht genehmigt. Die Gründe dafür hätten nichts mit den Inhalten des Projektes zu tun, versichert man beim Bürgermeisteramt. Man begrüße die Aktion, jedoch entscheide man bei Anträgen zur Aufstellung von Kunst im öffentlichen Raum eher restriktiv, um langwierige Diskussionen über die Frage, wer Kunst aufstellen darf und wer nicht, zu vermeiden. Das Kulturreferat bekomme diesbezüglich sehr viele Anfragen.

Die riesige runde Skulptur, die die Jungen und Mädchen der Friedrich-Wilhelm-Herschel-Schule durch den Pausenhof rollen, diente auch als Vorlage für die selbst gefertigte Bodenintarsie vor dem Gemeindezentrum St. Ludwig. © F.: Günter Distler


Intensiv begleitet wurde das Projekt von den Grund- und Mittelschülern der Herschelschule. Seit den Pfingstferien beschäftigen sie sich intensiv mit dem Thema. Auf großen Gemeinschaftsplakaten haben die Kinder und Jugendlichen den "Engel der Kulturen" mit ihren Gedanken und Wünschen zu einem guten Miteinander befüllt. Die Worte "Frieden" und "Freundschaft" tauchen dabei sehr häufig auf.

Vorlage auf Reisen

Den "Engel der Kulturen" gibt es auch als riesige, rollende Skulptur, die das Künstlerpaar in jeder Stadt mit im Gepäck hat. Gemeinsam wurde sie vom Pausenhof quer durch den Stadtteil nach St. Ludwig transportiert. Dort durften alle mit anpacken bei der Herstellung des nächsten Kunstobjekts. Denn es ist Teil des Projekts, dass vor Ort der für die jeweils nächste Stadt bestimmte Engel hergestellt wird. Dazu wird aus einer runden Stahlplatte der Ring mit den drei Weltreligionssymbolen ausgefräst.

Der in Nürnberg entstandene geht in die Lutherstadt Wittenberg. Aus dem, was übrig bleibt, dem Umriss des Engels, wird auch wieder Kunst: Die Künstler stapeln die Ausschnitte zu einer Säule übereinander. Der Plan ist, dass diese irgendwann einen festen Platz in Jerusalem bekommen soll.

MANUELA PRILL

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