Immobilien auf dem Prüfstand

Roth: Verkauft die Kirche das Alte Rathaus?

Pfarrer Joachim Klenk (2. v. l.) musste sich in der Gemeindeversammlung vielen Fragen stellen. Die Evangelische Jugend – hier ist nur ein kleiner Teil der großen Gruppe zu sehen – beeindruckte mit starken Statements zugunsten der offenen Jugendarbeit im Gemeindehaus. 
 

Pfarrer Joachim Klenk (2. v. l.) musste sich in der Gemeindeversammlung vielen Fragen stellen. Die Evangelische Jugend – hier ist nur ein kleiner Teil der großen Gruppe zu sehen – beeindruckte mit starken Statements zugunsten der offenen Jugendarbeit im Gemeindehaus.    © Stefanie Graff, NN

Zu hohe Ausgaben, denen zu niedrige Einnahmen gegenüberstehen, um alle Gebäude erhalten zu können. Das ist das Problem der evangelischen Kirchengemeinde in Roth, die zwar ein beträchtliches Immobilienvermögen ihr Eigen nennt, deren Haushalt aber unter den Kosten für Unterhalt und Rücklagen ächzt. Ziel ist es, zunächst den Zeitraum bis 2030 abzusichern.

Drei Szenarien dazu hatte der Kirchenvorstand entwickelt. Drei davon präsentierte der Vorsitzende und geschäftsführende Pfarrer der Kirchengemeinde, Joachim Klenk, als mit der Landeskirchenverwaltung abgestimmt. Bei Immobilienfragen geht ohne die Zustimmung der Landeskirche nichts. Gleich zu Beginn stellte Klenk klar: "Wir müssen den Immobilienstand reduzieren." Nicht über das Ob, sondern über das Was und Wie viel sei zu entscheiden. Ansonsten riskiere man künftige Zuschüsse und die finanzielle Unterstützung der Landeskirche.

Das Alte Rathaus im Herzen Roth steht zur Disposition.

Das Alte Rathaus im Herzen Roth steht zur Disposition. © Marco Frömter, NN

Die Gespräche mit deren Vertretern haben sich – das berichteten Joachim Klenk und Kirchenvorstands-Mitglied Brigitte Reinard – nach einigen Anlaufschwierigkeiten in den vergangenen Wochen sehr positiv entwickelt. "Alle Zahlen liegen vor. Der Austausch war gut."

Kein einfacher Verkauf

Im Ergebnis jedoch sind damit viele Anregungen des Kirchenvorstands vom Tisch. Unter anderem lehnt es die Landeskirche ab, Pfarrhäuser und die dazugehörigen Grundstücke in die Überlegungen einzubinden, bevor es Wechsel auf den Pfarrstellen gibt. Grundstücke zu verkaufen, um Gebäude abzusichern, hat sich als nicht effektiv genug herausgestellt. Immobilien, die sich selbst tragen können oder Erträge bringen, wie die Kindergärten, der Friedhof und das vermietete Kantorat stehen überhaupt nicht zur Disposition.

Viel Geld muss die Kirchengemeinde in ihre drei Kirchen, zuvorderst die Stadtkirche, stecken. Dieses Geld muss irgendwie erwirtschaftet werden.

Gemeinde muss verkaufen

Bleiben nur drei Möglichkeiten, die die Landeskirche grundsätzlich unterstützt: Erstens der Verkauf des (renovierungsbedürftigen) Alten Rathauses oder zweitens der Verkauf des Gemeindehaues an der Mühlgasse oder drittens der Verkauf des Alten Rathauses mit der Option bei Bedarf vor 2030 zusätzlich das Gemeindehaus zu verkaufen und das Pfarrhaus 3 ab 2028/29 zu Gemeinderäumen umzubauen. Wobei Szenario zwei auch schon in Klammern stand, weil die Vertreter der Landeskirche davon ausdrücklich abgeraten hatten, um der Gemeinde und ihren vielen Gruppen nicht intensiv genutzte Gemeinderäume wegzunehmen.

Während der zweieinhalbstündigen Diskussion, die Pfarrer Roland Thürmel von der Gemeindeakademie Rummelsberg moderierte, beantwortete Klenk zahlreiche Nachfragen. Dabei wurde auch Kritik daran laut, dass über die fünf aussortierten Szenarien mittlerweile gar nicht mehr zu reden ist. Schnell wurde klar, dass es im Kern um den Verkauf des Alten Rathauses geht. Zumindest zunächst.

Während die Jugendlichen versicherten, die seit Jahrzehnten aktive offene Jugendarbeit der Gemeinde mit viel Einsatz in die Zukunft führen zu wollen und dabei das von ihnen genutzte Kellergeschoss des Gemeindehauses noch mehr als bisher öffnen und auch anderen Gruppen zur Verfügung stellen zu wollen, mahnten vor allem ältere Gemeindemitglieder, den nicht zuletzt auch historischen Wert des Alten Rathauses mit der städtischen Flurnummer 1 nicht zu vergessen. Kaufinteressenten dafür, so Pfarrer Klenk auf Nachfrage, gebe es.

Interesse der Stadt hält sich in Grenzen

Auch die Zusage der Landeskirche, nicht unbedingt an den Meistbietenden zu verkaufen. Mit der Stadt, die das Gebäude in den 1980er Jahren gegen ein anderes am Kirchplatz mit der Gemeinde getauscht hatte, gab es konkrete Gespräche. "Aber das Interesse hält sich in Grenzen." Kirchenvorstands-Mitglied und Mitglied des Finanzausschusses der Kirchengemeinde Helmut Deinlein betonte, wie wichtig es sei, jetzt die richtigen Signale nach München zu senden, dass die Kirchengemeinde sich ernsthaft bemühe, verantwortungsvoll die Kosten zu senken.

Aus seiner Sicht könne es dabei aktuell schon wegen des Sanierungsbedarfs und der eingeschränkten Nutzbarkeit nur um das Alte Rathaus gehen. Wenn es so kommt, wird es eine Initiative besonders hart treffen: Das Weltladen-Team hat erst vor wenigen Jahren mit viel Euphorie den Sprung vom engen Hinterzimmer des ehemaligen Kirchencafés ins Ladengeschäft im Erdgeschoss des Alten Rathauses gewagt. Wird das verkauft, könnte der mit viel Herzblut ehrenamtlich geführte Laden direkt an der Hautstraße vor dem Aus stehen.

Beschlüsse noch im Oktober

Zwar versicherte Klenk, man werde "den Weltladen nicht hängen lassen". Jedoch fehlt es (noch) an konkreten Ideen. Klenk forderte alle Gruppen und Initiativen auf, sich als Teil des großen Ganzen zu begreifen und gemeinsam an kreativen Zukunftskonzepten für die Gemeinde zu arbeiten, die über die Sicherung der Finanzen hinausgehen.

Die Beschlussfassung über das Immobilienkonzept ist für die öffentliche Kirchenvorstands-Sitzung am 18. Oktober, geplant. Viel Spielraum wird der Kirchenvorstand, der seit Monaten teils kontrovers nach einer verantwortungsvollen und einvernehmlichen Lösung sucht, dabei nicht haben.