Schneeschuhspaß im Winterwald

17.2.2012, 00:00 Uhr

© Martin Müller

Markus Prechtl ist ein Pionier. Als der Wanderführer aus Mehlmeisel im Jahr 2001 anfing, Schneeschuhwanderungen im Hohen Fichtelgebirge anzubieten, war er der erste seiner Art. „Damals lief keiner mehr mit den Dingern herum“, erinnert sich Prechtl. In der ein oder anderen Scheune lagen noch verloren ein paar historische Holz-Exemplare herum. Unterwegs war damit schon lange keiner mehr.

„Das Material war früher unter aller Sau“, weiß Prechtl. Einst schnallte man sich noch schwere, runde Teller unter die Füße. Seit in Nordamerika Indianer und Trapper mit Schneeschuhen in Tennischläger-Form durch die Wälder streiften, hatten sich die Geräte kaum weiterentwickelt. Leichtfüßig bewegte man sich damit nicht gerade fort.

Heutzutage ist das ganz anders. Seit den 1990ern haben sich die Schneeschuhe zu einem modernen, schmalen Sportgerät aus Hartplastik oder Aluminium entwickelt, mit dem man bequem und ohne Leistungsdruck querfeldein über den Tiefschnee hinwegstapfen kann. „Snowshoeing“ heißt das auf dem internationalen Markt – und hat sich im Anschluss an den Nordic-Walking-Boom seit der Jahrtausendwende zu einem gewaltigen Trend entwickelt. Auch im Fichtelgebirge.

Schneeschuh-Autobahnen

„Auf den Ochsenkopf gehen richtige Schneeschuh-Autobahnen hoch“, erzählt Prechtl. Vor elf Jahren war das noch ganz anders. Da führte Prechtl die ersten Neugierigen in die Welt des Schneeschuhwanderns ein, nachdem er den Sport bei einer Tour durch das Karwendel-Gebirge für sich entdeckt hatte. Zwei Jahre später zog dann auch der Fichtelgebirgsverein Bischofsgrün nach.

„Unberührte Wälder mit jungfräulichem Schnee“ reizen Prechtl besonders. Wenn der Neuschnee unbefleckt in der Sonne glitzert, die Fichtenzweige weiße Hauben tragen und vermeintliche Hindernisse einfach unter der funkelnden Pracht verschwinden, ist der Schneeschuhwanderer in seinem Element. „Wenn man allein unterwegs ist, hat das etwas Meditatives. Man kann die Kraft und Ruhe aus der Natur tanken“, schwärmt Prechtl.

© Müller

Mehr Spaß und vor allem zu lachen hat man allerdings, wenn man in Gemeinschaft unterwegs ist. Wer sich einer geführten Wanderung anschließt, muss sich auch nicht um die Orientierung in dem unmarkierten Gelände sorgen. So kann man reizvolle Winterlandschaften abseits ausgelatschter Schneeschuh-Autobahnen entdecken, gut gelaunte Leute kennenlernen und das Erlebte bei einer gemütlichen Einkehr vertiefen. Selbst Banker und Manager haben den Sport mittlerweile als Mittel zum Abschalten entdeckt.

Neben seinen Standard-Touren auf Ochsenkopf und Seehügel bietet Prechtl auch Nacht- und Sonnenuntergangswanderungen an. Mit Stirnlampe auf dem Kopf kann auf dem Rückweg nichts passieren. Ein kleines Abenteuer ist das Schneeschuhwandern trotzdem noch für viele.

„Angst und Respekt“

„Einigen sieht man anfangs schon die Angst und den Respekt an“, erzählt Prechtl. Doch auch die Zaghaftesten merken schnell, wie leicht und ungefährlich man vorankommt. Schneeschuhwandern kann jeder. Etwas Schlimmeres als Blasen an den Füßen hat es in Prechtls Gruppen noch nie gegeben.

Sowieso kann man im Fichtelgebirge deutlich unbesorgter unterwegs sein als in den Alpen. Schließlich braucht man hier dank der ausgedehnten Wälder keine Angst vor Lawinen zu haben. Nur Wildschutzgebiete sollte man dringend meiden, um die Tiere nicht zu stören.

Platz für weitere Schneeschuhwanderer gibt es im Fichtelgebirge trotz des Booms immer noch reichlich. Noch viele unbekannte Flecken abseits der Wanderwege wollen entdeckt werden. Prechtl arbeitet gerade an neuen Touren. Es bleibt spannend.

Schneeschuh-Wanderungen im Hohen Fichtelgebirge bieten unter anderem Markus Prechtl – www.derschneeschuhwanderer.de – und der FGV Bischofsgrün – www.fichtelgebirgsverein-bischofsgruen.de – an.

Weitere Informationen zu Anbietern und Schneeschuh-Routen:

www.tz-fichtelgebirge.de
 

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