Mittwoch, 01.04.2020

|

"Schon jetzt ist alles dicht"

Im Rahmen der SPD-Tour entbrannte eine Debatte an der Seetor-Baustelle, Anwohner befürchten Parkchaos. - 30.09.2019 16:16 Uhr

Informationen vor Ort: Interessierte Bürger und Anwohner lauschen den Ausführungen von Andreas Zeitler (vorne re.) über die „Seetor“-Pläne. © Edgar Pfrogner


Gemeinsam mit SPD-Stadträtin Diana Liberova führte Zeitler zwei Dutzend Interessierte an den Rand des Geländes. Das rund 19 000 Quadratmeter große Areal ist derzeit noch von Bauzäunen abgeschirmt. Seit Januar dieses Jahres haben die Abrissfirmen das vorherige Coca-Cola-Gelände dem Erdboden gleichgemacht. Nun sind die Abrissarbeiten beendet. Zu sehen sind eine hügelige Geröllwüste und etliche Bagger.

Geplant ist eine dreiteilige Bebauung. Das heißt: Hotel, Gewerbe und Wohnungen sollen entstehen. Das Hotel mit 144 Zimmern ist im vorderen Bereich, an der Kreuzung zum Nordring, vorgesehen. Die rund 25 000 Quadratmeter Gewerbefläche sollen als Lärmschutz um den Wohnbereich dienen. Die entstehenden Gewerbe beinhalten, so der Plan, unter anderem Einzelhandel, Gastronomie, Arztpraxen und Büros. Im Herzen des Areals liegt eine Wohnfläche von rund 27 500 Quadratmetern. Geplant sind hauptsächlich Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. Etwa ein Drittel der entstehenden rund 300 Wohneinheiten sollen Sozialwohnungen werden, zwei Drittel sind als frei finanzierter Wohnraum vorgesehen.

Zankapfel ist das Mobilitätskonzept

Unterhalb des Quartiers soll eine Tiefgarage mit rund 570 Stellplätzen entstehen und eine rund 7400 Quadratmeter große Grünfläche. Für die Planung sei es zentral gewesen, diese Grünfläche offen zu gestalten, so Zeitler. Vorgesehen sind vier Zugänge zum Quartier, zwei davon in Richtung Wöhrder See.

Eben jener Wöhrder See spielt für das Quartier in zweierlei Hinsicht eine elementare Rolle. Zum einen soll das "Oberflächenwasser", also das auf die Dächer herabfallende Regenwasser, dem See über ein eigens installiertes System zugeführt werden. Zum anderen ermögliche der See den Menschen aus dem Quartier eine Radanbindung an die Stadt. Insgesamt spielt das Mobilitätskonzept des "Seetor Campus" in den Planungen eine zentrale Rolle. So sind Carsharing-Station, Stromtankstellen für E-Autos und eine Fahrradleihstation geplant. Es besteht eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr: Bus, S-Bahn und Straßenbahn befinden sich in unmittelbarer Nähe. Nach Fertigstellung des neuen Areals soll es kostenfreie ÖPNV-Tickets für Gewerbenutzer geben.

Die Parkplätze für die Autos werden weitgehend unterhalb des Quartiers in der Tiefgarage entstehen. Trotzdem sind die Anwohner in Sorge, weil die Parkplatzsituation schon jetzt angespannt sei. "In der Früh ist ab 7.45 Uhr bis zum späten Nachmittag in der näheren Umgebung alles dicht", klagt Günter Auernhammer, der unweit der S-Bahn-Station Ostendstraße wohnt.

Um die Lage zu verbessern, sei bis vor kurzem ein Parkhaus an der
Kreuzung Nordring/Ostendstraße, gegenüber dem Seetor-Quartier, im Gespräch gewesen, so Zeitler. Dieses sei jedoch nicht realisierbar – "die Stadt ist zu dem Schluss gekommen, dass der Verkehrsknotenpunkt mit Ein- und Ausfahrt des Parkhauses zusammenbrechen würde".

SPD-Stadträtin Diana Liberova, zuständig für den Stadtteil Mögeldorf, beschwichtigt: "Ich möchte die Sorgen nicht kleinreden, wir nehmen die Anwohner ernst", noch sei ein solches Parkhaus aber nicht vom Tisch. Auch das Mobilitätskonzept – weg vom Privatauto und hin zu Carsharing, Fahrrad und ÖPNV – beäugen die Anwohner mit gemischten Gefühlen. "Natürlich ist es wünschenswert, wenn alle aufs Rad und den Nahverkehr umsteigen, das machen derzeit aber noch die wenigsten. Der Großteil fährt immer noch mit dem Auto zur Arbeit", gibt Günter Auernhammer zu bedenken.

Antrag der SPD-Fraktion

Die SPD-Stadträtin sieht in dem neuen Konzept vor allem eine große Chance: "Damit wollen wir in Zukunft Möglichkeiten zur besseren Mobilität schaffen." Kurz nach der Ortsbegehung in Mögeldorf reichte die SPD-Stadtratsfraktion auf Liberovas Initiative einen Antrag ein, wonach alle Möglichkeiten geprüft werden sollen, die zur Entspannung des Parkdrucks führen können. Anwohnerparkplätze und Quartiersparkhäuser werden auch zur Diskussion gestellt.

MORITZ SCHLENK

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de