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Schwanenpaar abgeschossen: Jagdlust sorgt für Ärger

Spaziergänger sah Kadaver der Tiere im Kofferraum eines Jägers - Diskussion entbrannt - 13.01.2012 12:00 Uhr

Kurz nachdem dieses Foto entstand wurden die Tiere abgeschossen. © Stefanie Heußler/oh


So sieht das auch Harald Gebhard, der Vorsitzende des Jagschutz- und Jägervereins im Nürnberger Land, als er auf die Entenjagd an den Krugweihern angesprochen wird, die am frühen Silvestermorgen stattfand und in deren Verlauf das erst seit wenigen Monaten an den Gewässern siedelnde Schwanenpaar abgeschossen wurde. 

Daran wurde zunächst innerhalb der Jägerschaft gezweifelt. Die Schwäne seien verschwunden, so eine Reaktion auf den Zeitungs-Beitrag, weil in ihrer Umgebung geschossen wurde. Sie seien ganz einfach durch den Lärm vertrieben worden und kehrten bestimmt irgendwann zurück. Außerdem: Weil Höckerschwäne durchgehend offene Gewässer brauchen und die Krugweiher in strengen Wintern zufrieren, würden die Tiere die Feuchter Gewässer ohnehin über kurz oder lang wieder verlassen.

Spaziergänger sah Kadaver 

Dass die Feuchter Schwäne durch den Lärm der Jagd vertrieben wurden, ist definitiv falsch. Ein Spaziergänger hat die Jagd beobachtet und die abgeschossenen Tiere im Kofferraum eines Jäger-Autos liegen sehen. Der Feuchter Hobbyfotograf hat die Wasservögel der Krugweiher regelmäßig fotografiert und entdeckte an den Gewässern auch den sehr seltenen Silberreiher. „Der ist aber zwischenzeitlich auch nicht mehr da“, sagte er uns im Telefongespräch. Am Silvestermorgen sah er eine Gruppe von etwa zehn Jägern, die die Wasservögel abschossen. Die Kadaver wurden dann von den Jagdhunden apportiert.

Krugweiher frieren nie ganz zu 

Die Schwäne wären sicher länger an den Krugweihern geblieben, weil Teile der Weiher selbst bei sehr kalten Wintern nicht zufrieren. Die Gewässer werden nämlich vom Abfluss der Kläranlage gespeist und bleiben deshalb immer teilweise eisfrei.

Harald Gebhard mag zum Abschuss der Schwäne in Feucht am liebsten gar nichts sagen, beschränkt sich am Ende aber darauf, dass es sich hier um einen in seiner Amtszeit als Vorsitzender „einmaligen Fall“ in der Region handelt. Trotzdem: Der Jagdpächter habe mit dem Abschuss des Schwanenpaares nicht gegen das Jagdrecht verstoßen. „Das ist jagdbares Wild“, sagt Gebhard. 

Tatsächlich stehen die Höckerschwäne zusammen mit vielen anderen Wasservogelarten in der Liste der Tiere, die Jäger bayernweit in den Wintermonaten an und auf Gewässern im Freistaat abschießen dürfen.

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Entenjagd an den Krugweihern wurden Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz darauf aufmerksam, dass beispielsweise vom Aussterben bedrohte und stark gefährdete Wasservogelarten wie die Pfeiffente, die Knäkente und die Krickente auf der Abschussliste für Jäger stehen. Aus Sicht der beiden Verbände ein Unding. „Einerseits erfasst man stark gefährdete Arten in Roten Listen, andererseits gibt man dieselben Arten für die Jägerschaft zum Abschuss frei“, so Norbert Behr vom Bund Naturschutz. Zusammen mit Bernd Michl, dem Vorsitzenden der Feuchter Ortsgruppe des LBV, will Behr hier aktiv werden. 

Der Jagdpächter hat auf telefonische Anfrage erläutert, dass er an den Krugweihern auf alle Wasservögel geschossen hat, die nach Bayerischem Jagdgesetz abgeschossen werden dürfen. Die sogenannte Gesellschaftsjagd an den Krugweihern wurde am Silvestermorgen von mehreren Spaziergängern beobachtet. 

Alex Blinten

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