Film und Empfang

"Spiel ohne Grenzen": Schwabach erinnert an den Sieg vor 50 Jahren

Günther Wilhelm
Günther Wilhelm

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20.9.2021, 15:05 Uhr
Schwabach gegen Schorndorf bei

Schwabach gegen Schorndorf bei "Spiel ohne Grenzen" im Parkbad. 5000 Zuschauer feuerten hier Erika Komenda an. © a-nn-st-20190226_170758-1.jpg, NN

Spannender kann eine Aufholjagd nicht sein. 8. Mai 1971, „Spiel ohne Grenzen“ live aus dem Parkbad. Das Motto: „Im Dschungel.“ Bis zum neunten der elf Spiele ist Schwabach gegen Schorndorf immer in Rückstand gelegen. Dann sorgen Ilse Katheder und Hermann Botz beim Baumstammrennen für den Ausgleich zum 10:10.

Empfang der Stadt für das „Spiel ohne Grenzen“-Team von 1971. Vor 50 Jahren gewann es gleich zweimal: zunächst in Schwabach, kurz darauf in Solothurn. 

Empfang der Stadt für das „Spiel ohne Grenzen“-Team von 1971. Vor 50 Jahren gewann es gleich zweimal: zunächst in Schwabach, kurz darauf in Solothurn.  © Günther Wilhelm, NN

Es folgt die Entscheidung beim Staffellauf über die Wasserschlange. Trainer Werner Schrödel zieht im vorletzten Spiel den Joker, es geht um vier Punkte und den Gesamtsieg. Nun hängt alles von Helmuth Schindler, Hans Beil und Walter Döll als Schwimmer in der riesigen Schlange und vor allem von den beiden Läuferinnen ab: Heide Blank und Erika Kommenda. Auf den Schwimmkörpern des Ungetüms ist es so wackelig wie glitschig, doch die beiden jungen Frauen springen und sprinten Schwabach zum umjubelten Sieg.

„Das war schon brenzlig“, sagt Erika Kommenda, die längst Rohrmayr heißt, 50 Jahre später und lächelt. Aus Heide Blank ist Heide Kalmutzki geworden, auch sie erinnert sich noch genau an die Stimmung unter den 5000 Zuschauern: „Anfangs war es nach dem schnellen 0:6 etwas verhalten, aber am Schluss war sie richtig gut.“

Filmische Erinnerung

Wie gut, das zeigte am gestrigen Sonntag die von Klaus Huber und dem Verkehrsverein organisierte Matinee im Luna mit gleich drei Filmen. Robert Reichels Super-8-Streifen erinnerte an die 600-Jahr-Feier 1971, Fritz Tratz zeigte die „Spiele ohne Grenzen“ in Schwabach und kurz darauf in Solothurn aus der Zuschauer-Perspektive.

Höhepunkt war die Aufzeichnung der Live-Übertragung aus dem Parkbad, das damals aus Anlass von „Spiel ohne Grenzen“ seine Beckenheizung bekommen hatte. Unvergessen die Szenen, als das Schwabacher Team jubelnd ins Wasser hüpft – zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Hartwig Reimann.

Empfang am Bürgerhaus

Ob dessen Bad im Anzug ganz freiwillig erfolgte, blieb auch nach der Matinee beim anschließenden Empfang der Stadt für die damaligen Aktiven ein Geheimnis. „Das wird wohl nie mehr aufgeklärt“, sagte Reimann schmunzelnd. Gleichzeitig erinnerte er an alle, „die leider nicht mehr unter uns sind“.

Das entscheidende Spiel vor 5000 Zuschauern im Parkbad und unzähligen vor den Fernsehgeräten. Schwabach setzte auf das Wettrennen über die Schlange den Joker und ging im vorletzten Spiel erstmals und uneinholbar mit 14:10 in Führung. 

Das entscheidende Spiel vor 5000 Zuschauern im Parkbad und unzähligen vor den Fernsehgeräten. Schwabach setzte auf das Wettrennen über die Schlange den Joker und ging im vorletzten Spiel erstmals und uneinholbar mit 14:10 in Führung.  © a-nn-st-20190226_171058-1.jpg, NN

Hartwig Reimann, der erst ein Jahr im Amt gewesen war, hatte die Idee, den Kontakt mit dem WDR aufzunehmen. So wurde „Spiel ohne Grenzen“ zur emotionalen Krönung der 600-Jahr-Feier. Und das gleich doppelt. Schließlich qualifizierte sich Schwabach durch den Heimsieg für die internationale Runde in Solothurn, die die Schwabacher ebenfalls gewannen und bei der Rückkehr von mehreren tausend „Fans“ auf dem Marktplatz gefeiert wurden.

„Das war eine unglaublich tolle Stimmung“, zeigte sich der heutige OB Peter Reiß, Jahrgang 1990, von den Filmszenen begeistert. Hermann Botz hat sogar noch den Tropenhelm aus dem Baumstammrennen daheim. „Irgendwann werf’ ich ihn aber wohl weg“, sagte er. „Bloß nicht!“, widersprach Peter Reiß. Beide waren sich schnell einig: Der Helm kommt ins Stadtmuseum, gleich neben den Siegerpokal vom Sieg in Solothurn.

Die beiden siegreichen Teams

Spiel am 8. Mai 1971 im Schwabacher Parkbad gegen Schorndorf: Hans Beil, Heide Blank, Hermann Botz, Walter Döll, Helmut Gerhardt, Werner Großer, Karl Haag, Günther Häring, Werner Kammerloher, Hans Katheder, Ilse Katheder, Karl-Heinz Kaufmann, Erika Kommenda, Herbert Rößner, Walter Ryschka, Helmuth Schindler, Manfred Seifert, Helmut Steinbauer. Trainer waren Werner Schrödel, Hans Zuleeg und Rainer G. Leuthold.

Internationales Spiel am 23. Juni 1971 Solothurn gegen Melfi (Italien), Kendall (England), Mulhouse (Frankreich), Drachten (Niederlande), St. Niklaas (Belgien) und Willisau (Schweiz): Werner Schrödel, Rainer G. Leuthold (beide standen diesmal in der Mannschaft), Werner Großer, Karl-Heinz Kaufmann, Hermann Botz, Helmuth Gerhardt, Walter Ryschka, Hans Katheder, Werner Kammerloher, Helmut Steinbauer, Klaus Goller, Alfons Matula, Fritz Meier, Richard Sichert, Artur Weiß, Ilse Katheder, Heide Blank, Hanne Hauselt, Monika Döll, Hannelore Bindl. Trainer: Hans Zuleeg.