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Künstlerischer Club: Projekt sorgt für Rätselraten im Stadion

Hin und wieder huschten Schriftzüge statt Werbung über die Anzeigetafeln - 06.10.2019 18:15 Uhr

Etwa alle fünf Minuten spielte die Künstlerin Dagmar Buhr ihre Texte dort ein, wo normalerweise Werbung läuft. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink


Und wo ist jetzt die Kunst? Das war sicherlich nicht die drängendste Frage, die sich die Clubfans beim Heimspiel gegen St. Pauli stellten. Groß war die neue Offensive des 1. FCN in Sachen Kultur angekündigt worden. Im Stadion vor Ort hat sich die Kunst dann gut getarnt, schmuggelte sich ab und an in Form von Worten und Satzteilen für Sekunden auf die Banden und Anzeigentafel. Aber genau das war das Ziel von Dagmar Buhr, der Nürnberger Künstlerin, die den Auftakt zur neuen Reihe Clubkunst bestritten hat – und ein kongeniales Timing hinlegte.

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Denn just in dem Moment, als der Ausgleichstreffer fiel, prangten die Worte "reden über zentimeter" an den banden rund um das Spielfeld. Die Kunst als Glücksbringer für den Club? Und als St. Pauli eine Viertelstunde später traf, das Abseits-Tor aber nicht gegeben wurde, untermalte Buhr die Szene mit den Worten "D. Stille nach d. Schuss". Das war natürlich Zufall. Denn nur etwa alle fünf Minuten spielte die Künstlerin ihre Texte dort ein, wo normalerweise Werbung läuft. Da standen dann Worte wie "MÄNNER DECKEN", "RAUM ERREGEN" oder "SPIELERKAUFENVERKAUFENAUSLEIHENAUSSORTIERENVERMIETEN". Manches schwer zu lesen, anders schwer zu verstehen. Mit Logik kommt man dieser Sprachkunst nicht bei. Sie ist eine Einladung, ihrem Klang und Geheimnis nachzuspüren, das Spiel mit den eigenen Interpretationen und Emotionen in Gang zu setzen, Querpässe mit persönlichen Erinnerungen und Gefühlen zu spielen und Wortdoppeldeutigkeiten zu erkennen.

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Schon seit Studienzeiten ist das Material dieser Künstlerin, die im Vorjahr einen Kulturpreis der Stadt Nürnberg erhielt, nicht Farbe, Holz, Stein oder Metall, sondern die Sprache. Und mit der geht sie mit Vorliebe hinaus in die Welt, mogelt sich in den Alltag der Menschen, die dort über ihre "Eingriffe" stolpern. "Mir ist wichtig, dass meine Texte nicht zu deutlich formuliert sind und beim Betrachter einen Assoziationsraum eröffnen", sagt Buhr, die sich intensiv in das Thema Fußball, dessen soziale und ökonomische Aspekte und seine Sprache eingearbeitet hat. Die Arbeit im Max-Morlock-Stadion war ihre bislang größte und flüchtigste.

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