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Nach 14 Jahren: Mannschaftsarzt Brem verlässt den FCN

Der langjährige Club-Doc gibt im Interview Auskunft - 31.05.2021 04:55 Uhr

Wo tut es denn weh? Matthias Brem stellt diese Frage nicht mehr an Club-Spieler.

16.05.2021 © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr


Gertjan Verbeek ist in Nürnberg neben seiner Lust am attraktiven Spiel vor allem mit einem Spruch in Erinnerung geblieben. "Ich hoffe, ich werde 90 Jahre alt, dann kann ich sagen, ich hätte 100 werden können, aber ich habe in Nürnberg gearbeitet." Wie ist das bei einem Mediziner, wird man nach 14 Jahren als Mannschaftsarzt des 1. FC Nürnberg noch 100?

Matthias Brem: Ich hoffe es doch, dass ich 100 werde. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir der Club Lebenszeit geraubt hat.

Er hat Sie aber 14 Jahre sehr intensiv beschäftigt. Jetzt ist Schluss. Im Fußball spricht man gerne von der einvernehmlichen Trennung. Bei Ihnen auch?
Brem: Am Ende haben wir uns einvernehmlich getrennt, ja.

Trotzdem ist so ein Ende selten so schön wie ein Anfang. Warum sind Sie im Pokalsiegerjahr beim Club gelandet?

Brem: Ich habe selbst immer Leistungssport gemacht und wollte nach meiner Karriere in diesem Bereich bleiben. Das war schon ein Traum als Mannschaftsarzt im Fußball zu arbeiten. Und Hans Meyer hat nach dem Pokalsieg eben einen gesucht. Ich bin mit ins Trainingslager gefahren und habe wohl ein paar Dinge richtig gemacht, also bin ich geblieben.

80 Millionen Sofa-Ärzte

War es denn immer ein Vergnügen? Man stellt sich ja Leistungssportler als komplizierte Patienten vor - die sehr auf ihren Körper angewiesen sind, ihn pflegen und deshalb vielleicht immer schon eine Meinung haben, wenn sie zum Arzt müssen.

Brem: Das kann man nicht pauschal sagen. Es gibt unter "normalen" Patienten solche und solche. Und es gibt unter Leistungssportlern solche und solche. Es hängt immer davon ab, welche Therapieformen einer annimmt.

Wird man auch deshalb Mannschaftsarzt eines Bundesligisten, weil es den Bekanntheitsgrad steigert? Ist ja nicht das Schlechteste für einen jungen Arzt.

Brem: Natürlich steigert das den Bekanntheitsgrad, es gibt ja nicht so viele Mannschaftsärzte in der Fußball-Bundesliga. Aber: Wenn man medizinisch nichts drauf hat, dann bringt einem das nichts.

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Es birgt also auch eine gewisse Gefahr, sich so in die Fußball-Öffentlichkeit zu stellen? Man therapiert ja unter Beobachtung vieler ungeduldiger Menschen, die den Spieler auf dem Platz sehen wollen.

Brem: Das ist eigentlich kein Risiko, wenn man in der Therapie die richtigen Schritte geht. Ein Problem ist, dass die Öffentlichkeit nicht die 99 Fälle wahrnimmt, in denen es gut gegangen ist, sondern den einen, in dem es Komplikationen gab. Da geht es den Ärzten wie den Nationaltrainern. Davon gibt es in Deutschland ja knapp 80 Millionen - von medizinischen Experten gefühlt auch.

Sportvorstände als Wunderheiler?

Das macht vor einem Verein nicht Halt. Steht man unter besonderem Druck, weil Trainer oder Sportvorstände die Spieler wieder auf dem Platz sehen wollen?

Brem: Die intelligenten Sportvorstände und Trainer wissen, dass man die Biologie nicht betrügen kann. Leider gibt es manchmal Menschen, die auf Wunderheilung hoffen.

Und beim Club? Mehr Wunderheiler oder mehr Intelligente erlebt?

Brem: Ich habe mit vier Sportvorständen gearbeitet – und die überwiegende Anzahl hatte das verstanden.

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Wenn wir nochmal beim Druck bleiben: Am Ende einer Spielerverpflichtung steht immer noch die sportmedizinische Untersuchung. Da sollte aus Sicht des Vereins und des Spielers oder seiner Berater besser nichts schief gehen. Spürt man das während der Untersuchung?

Brem: Nein, das ist ja nur eine beratende Tätigkeit. Ich untersuche den Sportler und teile dann dem künftigen Arbeitgeber mit, welche Risiken bestehen. Eine Verpflichtung ist dann nicht meine Entscheidung.

Ein Lob für Palikuca

Mal abgesehen von den 80 Millionen Sofa-Ärzten: Medizinisch kann man als Einzelner nicht alle Verletzungsbereiche im Fußball abdecken. Sie haben immer mit Spezialisten zusammengearbeitet, Haben das alle im Verein so akzeptiert?

Brem: Meistens. Ich habe das ja immer sehr offen kommuniziert, dass es für spezielle Verletzungen spezielle Therapien braucht. Also braucht man ein Netzwerk - das habe ich und so konnten wir die Spieler immer zu den Top-Spezialisten schicken. Es gab aber auch Verantwortliche, denen das nicht gefallen hat.

Zum Abschluss Ihrer Arbeit beim Club begleitete Sie plötzlich eine Pandemie. Komplizierte Zeit? Der Fußball sollte ja unbedingt funktionieren.

Brem: Eine komplizierte Zeit, ja. Vor allem der Anfang war hochspannend. Da muss man auch einmal einen loben, der in Nürnberg nicht so oft gelobt wird: Robert Palikuca hat das mit sehr ruhiger Hand hingebracht. Da war die Zusammenarbeit super, wir haben das sehr gut hinbekommen.

Und wie bekommen Sie das clubfreie Leben hin? Jetzt sind die Samstage frei.

Brem: Ach, ich habe eine Familie, einen kleinen Sohn. Da habe ich genug zu tun. Ich werde auch ohne den Club glücklich und zufrieden sein.


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