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Patrick Rakovsky: Der lange Weg aus Schäfers Schatten

Torhüter hat sich beim Club als Stamm-Keeper etabliert - 22.01.2015 06:00 Uhr

Bewies einen langen Atem: Patrick Rakovsky hat sich inzwischen im Tor des 1. FC Nürnberg als Nummer eins etabliert. © Zink


Als sich der 1. FC Nürnberg im Januar 2014 in Andalusien auf die Bundesliga-Rückrunde vorbereitete, war Patrick Rakovsky bei den Journalisten ein gefragter Mann – weil er bei Interviews als Dolmetscher für Neuzugang Ondrej Petrak fungierte. „Falls ihr von mir auch mal was wissen wollt, stehe ich übrigens gerne zur Verfügung“, fügte Rakovsky damals mit sarkastischem Unterton an. Doch wirklich wissen wollte niemand etwas von Rakovsky, er war ja bloß: der Ersatztorwart.

Ein Jahr später hat sich die Situation grundlegend geändert. Nürnbergs Nummer 22 ist Nürnbergs neue Nummer eins und darf nun auch Interviews geben, in denen es nicht um tschechisch sprechende Kollegen, sondern um Patrick Rakovsky selbst geht. Viel wichtiger als das mediale Interesse ist für Rakovsky aber das „gute Gefühl“, endlich im Tor zu stehen, „darauf habe ich schließlich jahrelang hingearbeitet“.

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Im Sommer 2011 war der talentierte Keeper, der von der „U 15“ bis zur „U 20“ alle Junioren-Auswahlteams des DFB durchlaufen hat, vom FC Schalke 04 zum FCN gewechselt, er sollte behutsam als potenzieller Nachfolger für Raphael Schäfer aufgebaut werden. War Schäfer verletzt oder gesperrt, durfte ihn sein Kronprinz auch mal vertreten. Er tat dies meist solide, konnte sich in acht Bundesliga-Einsätzen aber nicht aufdrängen. Dennoch wurden immer wieder Stimmen laut, die statt Oldie Schäfer – stark auf der Linie und in Eins-gegen-Eins-Situationen, mit Defiziten bei der Strafraumbeherrschung und Spieleröffnung – lieber einen jungen, das moderne Torwartspiel repräsentierenden Schlussmann gesehen hätten.

"Natürlich war ich enttäuscht, aber ..."

Doch auch beim Neuaufbau in der 2. Liga schien sich an der Hierarchie nichts zu ändern, obwohl man Rakovsky von Vereinsseite aus eine Wachablösung in Aussicht gestellt hatte. Trainer Valérien Ismaël rief in der Vorbereitung zwar einen offenen Konkurrenzkampf aus, letztlich aber hatte wieder Leitwolf Schäfer die Nase vorn – nach offizieller Verlautbarung sei es eine sehr enge Entscheidung gewesen, intern soll das Votum pro Schäfer aber doch recht deutlich ausgefallen sein. Weil Schäfer verletzt passen musste, durfte ein frustrierter Rakovsky dann doch ran, leistete sich gegen den FSV Frankfurt aber prompt einen entscheidenden Lapsus, als er vor dem 0:1 eine Flanke unterlief.

 

Das Video aus dem Club-Trainingslager wird präsentiert von FrankenFernsehen.tv:

Beim 4:0-Sieg in Berlin hielt der 21-Jährige dann ordentlich, musste aber dennoch dem genesenen Routinier weichen. „Natürlich war ich enttäuscht und hätte mir gewünscht, dass ich drin bleibe, aber wenn sich ein Trainer vor der Saison für einen Torwart entschieden hat, wechselt er eben nicht nach vier Spieltagen“, zeigt Rakovsky durchaus Verständnis für Ismaëls Entscheidung.

Dann aber folgten drei Spiele, die alles ändern sollten. 0:2 gegen Düsseldorf, 0:3 in Karlsruhe, 0:3 in Heidenheim. Spiele, in denen ein zunehmend genervt wirkender Schäfer nicht unbedingt grob gepatzt hatte, aber eben auch nicht der große Rückhalt war. Ismaël geriet zusehend unter Druck, erhielt noch eine letzte Chance – und warf den bereits als Kapitän entmachteten Schäfer vor dem Heimspiel gegen Kaiserslautern kurzerhand aus dem Kader. Über die wenig stilvolle Art und Weise dieser Degradierung, die wohl weniger sportliche denn persönliche Gründe hatte, kann man auch heute noch geteilter Meinung sein.

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Ismaël durfte sich zunächst aber bestätigt fühlen: Einen Tag vor der brisanten außerordentlichen Mitgliederversammlung rang der Club die Roten Teufel mit 3:2 nieder. Ismaël durfte bleiben, und Rakovsky war am Ziel seiner Träume. „Für mich kam das schon überraschend, Rapha war mit seiner Erfahrung ja kein Sicherheitsrisiko“, sagt Rakovsky, „aber ich habe mich natürlich gefreut dass ich diese Chance bekommen habe.“ Doch das kleine Zwischenhoch mit sieben Punkten aus drei Spielen entpuppte sich schnell als Strohfeuer. Auch Rakovsky konnte bittere Pleiten in Darmstadt (0:3) und Sandhausen (1:2) sowie ein klägliches 2:2-Remis gegen St. Pauli nicht verhindern, nicht jeder Gegentreffer schien dabei völlig unhaltbar. Ismaël musste René Weiler weichen – und Rakovsky erneut um seinen Platz bangen.

Neuer Konkurrent sitzt bereits im Nacken

Tatsächlich holte der Schweizer den degradierten Schäfer ins Team zurück, allerdings nur als Nummer zwei. „Schon erleichtert“ sei er gewesen, als er vor dem Spiel gegen Ingolstadt seinen Namen auf der Tafel gelesen habe, gesteht Rakovsky. Und er rechtfertigte das Vertrauen mit einer grandiosen Leistung. Der Keeper leitete nicht nur mit einem präzisen Abschlag in den Lauf von Jakub Sylvestr das 2:0 ein, sondern rettete mit etlichen Glanzparaden auch noch den Sieg gegen den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer.

Es war vielleicht genau so ein Signal, das Rakovsky gebraucht hatte, um sich zu etablieren. „Ich konnte endlich meinen Beitrag leisten, dass wir ein Spiel gewinnen. Und dieser Sieg hat uns allen einen Schub gegeben“, erinnert er sich, auch er selbst sei „von Spiel zu Spiel sicherer und ruhiger geworden“.

Rakovsky weiß aber, dass er sich nicht ausruhen darf, zumal ihm mit dem 22-jährigen Österreicher Samuel Radlinger ein ehrgeiziger Konkurrent im Nacken sitzt. Mit Schäfer, der seine neue Rolle als loyaler Stellvertreter vorbildlich angenommen hat, pflegt Rakovsky ein entspanntes, kollegiales Verhältnis. „Ich habe ja nie Stunk gemacht oder gegen ihn geschossen, wenn ich nicht gespielt habe“, betont der 15 Jahre jüngere Profi, „man darf da nicht sauer auf den Konkurrenten sein.“

Schäfer gebe auch immer wertvolle Tipps, „aus meiner Sicht passt es sehr gut“. Gleiches gelte für die Zusammenarbeit mit Daniel Klewer, der im Sommer den langjährigen Torwarttrainer Adam Matysek abgelöst hat. „Er bringt mich auf jeden Fall weiter“, meint Rakovsky.

Und vielleicht kann er sich irgendwann ja sogar noch einen kleinen persönlichen Traum erfüllen: „Ich würde auch gerne mal ein Tor schießen.“ Der letzte Club-Keeper, dem dieses seltene Kunststück gelang, hieß Andreas Köpke. Nürnbergs Torwart-Ikone verwandelte 1992 und 1993 zwei Elfmeter. „Vielleicht“, sagt Rakovsky schmunzelnd, „sollte ich das mal dem Trainer vorschlagen.“ Bei den Medien wäre er gewiss wieder ein gefragter Mann.

Uli Digmayer (Nürnberger Zeitung)

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