Vor dem Kellerduell mit Bielefeld

Arschtritt oder in den Arm nehmen? Club-Trainer Klauß sucht die richtige Ansprache

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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7.9.2022, 15:32 Uhr
Ist am Freitag gegen Bielefeld auch als Motivator gefordert: Trainer Robert Klauß.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Ist am Freitag gegen Bielefeld auch als Motivator gefordert: Trainer Robert Klauß.

Wenn ein Verein mit Aufstiegsambitionen nach sieben Spieltagen erst sieben Punkte gesammelt und noch dazu die letzten zwei Partien verloren hat, geht es in den Diskussionen gemeinhin nicht mehr um taktische Detailfragen, sondern um Grundsätzliches.

Das ist auch beim 1. FC Nürnberg nicht anders, und so muss Trainer Robert Klauß vor dem Heimspiel am Freitagabend gegen Arminia Bielefeld (18.30 Uhr/Live-Ticker auf nordbayern.de) vor allem erklären, was seine Mannschaft in der Zweiten Liga da denn gerade so treibt - und vor allem warum.

Analyse mit Hecking

Wissen wollte das unter anderem auch der Sportvorstand, zumindest hatte Dieter Hecking nach der frustrierenden 2:4-Schlappe in Braunschweig eine klärende Analyse angekündigt. Was genau da vergangenes Wochenende erörtert wurde und vor allem welche Antworten Trainer und Mannschaft ihrem aktuell doch sehr unzufrieden wirkenden Vorgesetzten liefern konnten, deutete Klauß allenfalls an. Ein "gutes Gespräch sei es gewesen", verriet der 38-Jährige, man habe "ein paar Sachen thematisiert" und etwa Ursachenforschung betrieben, warum die Mannschaft in der zweiten Halbzeit "in diesen Sog reingeraten ist".

Es ist vor allem diese frappierende Inkonstanz, zu beobachten mitunter sogar innerhalb eines Spiels, die Rätsel aufgibt. "Wir haben zu viele Schwankungen", räumt Klauß ein. Den oft etwas reflexhaft formulierten Vorwurf, es fehle seinen Profis an Kampfgeist, mag er so aber nicht stehen lassen. "Ich glaube, die Mannschaft kann kämpfen, sie kann beißen und auch leiden, das hat sie gezeigt." Vielmehr fehle ihr oft die richtige Balance.

Manchmal gelinge das mit dem Kämpfen ganz gut, "da können wir dann aber nicht so gut Fußballspielen". Dann wieder sähe es fußballerisch ganz passabel aus, "dafür sind wir weniger intensiv und griffig im Zweikampf. Diesen Mix müssen wir hinbekommen und über 90 Minuten Stabilität auf den Platz bringen", fordert Klauß. Leider sei die Mannschaft noch "anfällig für Störfaktoren" und lasse sich zu sehr aus dem Konzept bringen, von eigenen misslungenen Aktionen oder auch "Dingen, die man nicht beeinflussen kann. Und dann macht sie Sachen, die sie normalerweise nicht macht".

Trainer als Motivator

Dass sie solche Sachen am Freitag möglichst unterlässt, fällt nun mal in des Trainers Verantwortungsbereich. Klauß weiß, dass er vor dem wichtigen Spiel gegen den ebenfalls schlecht gestarteten, nach dem Trainerwechsel von Uli Forte zu Daniel Scherning aber stabilisierten Bundesliga-Absteiger auch als Motivator gefordert ist. "Es ist Teil des Trainerjobs, dass man die Stimmungen in der Mannschaft einfängt: Braucht sie Ruhe oder eher Energie von außen, muss man ihr Druck nehmen oder machen, ist sie nervös oder braucht sie gerade die Anspannung?", sagt Klauß. Oder salopp formuliert: Manchmal brauche eine Mannschaft "einen Arschtritt", manchmal müsse sie "in den Arm genommen werden". Allerdings gebe es eben auch unterschiedliche Spielertypen mit individuellen Bedürfnissen, "man kann das nicht so pauschal beantworten".

Was wohl auch für die generellen Probleme dieser Mannschaft gilt, von der Klauß sagt, dass sie selbst ihn hin und wieder zu überraschen vermag, "positiv wie negativ". Am Freitag soll es wieder in die andere Richtung gehen, "wir wollen das Gefühl wieder erleben, wie es ist, in der Kabine einen Sieg zu genießen". Und danach nicht über Grundsätzliches reden zu müssen.

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