96 im Aufwind?

Club-Kontrahent Hannover: Der Trainerwechsel beflügelt auch Captain Kerk

12.3.2022, 05:59 Uhr
Dreikampf der Ex-Nürnberger: Hannovers Sebastian Kerk (Mitte) nahm es auf Sankt Pauli mit Jakov Medic und Guido Burgstaller auf. 

© Marcus Brandt, dpa Dreikampf der Ex-Nürnberger: Hannovers Sebastian Kerk (Mitte) nahm es auf Sankt Pauli mit Jakov Medic und Guido Burgstaller auf. 

Wie war das Hinspiel?

Ein 0:0, bei dem sich die Beteiligten nicht so ganz einig waren, ob es verdient war oder nicht. Während Christopher Schindler sich "nach der zweiten Halbzeit enttäuscht” zeigte, bezeichnete Christian Mathenia, der Torwart des 1. FC Nürnberg, das Ergebnis als "am Ende verdient". Man konnte beide Sichtweisen nachvollziehen. Der Club hatte in der ersten halben Stunde spielerisch schwach agiert.

Robert Klauß war in dieser Phase auch nicht zufrieden: "Wir haben vor dem Spiel besprochen, dass wir den Flügel nutzen, um von dort die Angriffe einzuleiten und von dort wieder ins Zentrum zu spielen. Wir haben aber zu früh und ohne Not versucht, den Ball hektisch direkt ins Zentrum zu spielen und wenn wir den Ball im Zentrum ohne Druck hatten, sind wir zu früh auf die Flügel ausgewichen."

Da Hannover im 4-3-3 mit zwei offensiven Achtern/Zehnern (Kerk, Ernst) angetreten war und Trybull den alleinigen Sechser gab, war das Spiel ins Zentrum von den Flügeln aus durchaus ein probates Mittel, da der Bereich vor dem Hannoverschen Strafraum deshalb nicht immer ausreichend besetzt war.

Eine Situation, in der das Vordringen über den Flügel mit Pass ins Zentrum durch Tom Krauß zum Erfolg geführt hatte, wurde allerdings wegen einer minimalen Abseitsstellung bei einem Pass von Lino Tempelmann auf Nikola Dovedan vom Videoassistenten kassiert. Selbst dass jener Dovedan in der Schlussphase vom Platz gestellt wurde, brachte den Club nicht aus dem Tritt. Allein das Tor fand er nicht.

Was ist seitdem anders?

Es hat sich einiges getan: Vom damaligen 4-3-3 ist fast nichts mehr zu sehen, der damalige Sechser spielt inzwischen in Sandhausen, Sebastian Ernst ist langzeitverletzt und der damalige Trainer, Jan Zimmermann, ist nicht mehr im Amt. Sein Nachfolger ist Christoph Dabrowski. Der 43-jährige Ex-Profi (Werder Bremen, Arminia Bielefeld, Hannover 96, VfL Bochum) war vor seiner Inthronisation als Chefcoach bereits acht Jahre lang in verschiedenen Tätigkeiten am Maschsee tätig, zuletzt etwas mehr als drei Jahre als Trainer der Regionalligamannschaft von Sechsundneunzig.

In den zehn Zweitligaspielen unter Dabrowski hat Hannover nun schon fünfmal gewonnen, also deutlich häufiger als die drei Siege, die in den 15 Spielen unter Zimmermann zu Buche standen. Dabrowski lässt dabei tatsächlich etwas abwartender spielen als sein Vorgänger: Die Zahl der Zweikämpfe ist gesunken, das Team lässt im Schnitt auch knapp 50 Pässe mehr zu und gewinnt die Bälle viel näher am eigenen Tor als unter Zimmermann.

Durch das tiefere Stehen fängt Sechsundneunzig nun aber auch deutlich mehr Bälle ab als vorher und kann dann schneller umschalten. Die Pässe für Raumgewinn, ein statistischer Begriff, der vor allem Pässe in die Tiefe umschreibt, sind um zehn Prozent gestiegen, die Anzahl der Konterangriffe sogar um 30 Prozent, gleichzeitig fiel die Anzahl der Flanken um 35 Prozent. Auf Deutsch: Das Spiel unter Dabrowski ist deutlich direkter und geradliniger geworden.

Das hängt auch mit neuem Personal zusammen. Im Sturm ist Ex-Cluberer Cedric Teuchert seit seinem Wechsel von Union Berlin an die Leine eigentlich gesetzt. Der 25-Jährige bietet Hannover mit seinem Tempo und seinen tiefen Läufen genau jene Geradlinigkeit, die Dabrowski für das Spiel braucht, das er mit Hannover spielen lässt. Vor Wochenfrist in Sandhausen spielte Teuchert erstmals nicht von Beginn an. Es setzte eine 1:3-Niederlage.

Auch ein zweiter Winterneuzugang hilft mit seiner Passsicherheit im Vorwärtsspiel Dabrowski dabei, seinen Stil umzusetzen. Mark Diemers ist von Feyenoord Rotterdam bis Saisonende ausgeliehen. Der 28-jährige Niederländer hat in beiden von Dabrowski ausgewählten Grundformationen seinen Platz, spielt den offensiveren Sechser im 4-2-3-1 oder den offensiveren Achter im 3-5-2.

Wer sind die Top 2 unter 23?

Der junge Spieler mit den meisten Einsatzzeiten wird am Sonntag fehlen. Maximilian Beier, der auf knapp zwei Drittel der möglichen Minuten kam, wurde am Dienstag positiv auf SARS-CoV2 getestet und befindet sich in häuslicher Isolation. So muss Hannover 96 gegen den FCN auf das Tempo und die Dribblings des 19-Jährigen verzichten.

So bleibt der einzige U23-Spieler, der realistische Einsatzchancen hat, Linton Maina. Der 22-Jährige ist Dauergast in dieser Kolumne, stand unter Dabrowski in den letzten Wochen aber nur selten in der Startelf, obwohl – oder weil? – Dabrowski den gebürtigen Berliner bereits in der U17 und U19 trainiert hat. Mainas Tempo und Dribblingqualitäten führen dazu, dass er – nach Beier – der Spieler bei Hannover ist, der die meisten Pässe in Tornähe anbringt. Er schießt auch nach Kerk und Beier am häufigsten aufs Tor, ist mit vier Treffern nach Kerk (sieben Tore) auch der erfolgreichste Torschütze.

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