Nürnberg entwickelt seine Geheimwaffe

Die Club-Standards: Geis und die Mission Dosenöffner

20.7.2021, 19:49 Uhr
Johannes Geis ist beim Club künftig auch als Führungskraft gefragt.

Johannes Geis ist beim Club künftig auch als Führungskraft gefragt. © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr

Neunmal hatte der Club den Ball nach Eck- oder Freistößen versenkt, zumindest gemäß Klauß‘scher Zählweise: Im Gegensatz zur offiziellen DFL-Statistik bezieht der Trainer intern nämlich auch Treffer nach so genannten zweiten Bällen mit ein. Und er weiß auch, wer in allen neun Fällen als Vorbereiter glänzte: Johannes Geis. "So schlecht war seine Quote also nicht", sagt Klauß, wohl wissend, dass Geis in der Öffentlichkeit oft anders wahrgenommen wird.

"Anspruch ist ein anderer"

Auch Geis selbst hat die Anzahl seiner Assists sofort parat, zufrieden ist er trotzdem nicht. "Standards sind eine meiner Spezialitäten, und ich weiß auch, dass es letzte Saison nicht so gut war. Mein Anspruch ist ein anderer, daran müssen wir arbeiten." Was Geis am Dienstag dann auch fleißig tat.

Dass ihm bei nur drei Saisontreffern zudem die Torgefährlichkeit etwas abhanden gekommen zu sein scheint, schreibt er seiner modifizierten Rolle als alleiniger Sechser in der Mittelfeldraute zu. "Priorität hat für mich zunächst, defensiv gut zu stehen", erklärt er, "dadurch komme ich vorne nicht so oft zum Abschluss."

Auch wenn ihm als Abfangjäger mitunter etwas die Dynamik in der Rückwärtsbewegung und der letzte Biss im Zweikampf fehlen mag, scheint Geis als unaufgeregter Ballverteiler und präziser Passgeber unersetzlich. Auch für die interne Hierarchie ist der 27-Jährige nach dem Abgang von Führungskräften wie Hanno Behrens und Georg Margreitter vielleicht wichtiger denn je. Erstmals wurde Geis in den Mannschaftsrat gewählt, dieses Vertrauen möchte er nun zurückgeben und "noch mehr meine Erfahrung einbringen".

Für den Auftakt am Sonntag gegen Erzgebirge Aue sieht Geis seinen Club gerüstet, "es fühlt sich richtig gut an", findet er. Im Gegensatz zum Vorjahr sei die Mannschaft bereits eingespielt und wirke auch mental befreit. "Letzte Saison hatten wir anfangs noch einen Rucksack von der Relegation mit herumgeschleppt, das haben wir jetzt komplett abgeschüttelt".

Unerwartetes Wiedersehen mit Schalke

Trotzdem bleibt Geis demütig. Besser als Platz elf dürfe es schon sein, "aber in dieser schweren Liga vom Aufstieg zu reden, wäre vermessen. Da gibt es andere Mannschaften." Etwa den FC Schalke 04, für den der gebürtige Schweinfurter 46 seiner 121 Bundesliga-Spiele bestritt. "Dass ich die mal in der Zweiten Liga wiedersehe, hätte ich auch nicht gedacht", gesteht Geis. Und bis zum Gastspiel in Gelsenkirchen Mitte Dezember bleibt ja auch noch genug Zeit, um Standards zu üben.

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