Zengers Taktiktafel: Der Kontrahent des FCN 

Die Mischung macht's: Club-Gegner Paderborn kann nicht nur Tempo

30.7.2021, 06:38 Uhr
Da steht das Tor: Paderborns neuer Trainer Lukas Kwasniok.

Da steht das Tor: Paderborns neuer Trainer Lukas Kwasniok. © Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Wer steht an der Seitenlinie?

Auch im zweiten Spiel der Saison trifft der 1. FC Nürnberg auf einen Verein, der im Sommer den Trainer gewechselt hat. In Paderborn hat Lukas Kwasniok für Steffen Baumgart übernommen. Der hatte die Ostwestfalen vier Jahre lang trainiert und die Geschichte des Vereins mit mehreren Aufstiegen und einem Abstieg entscheidend mitgestaltet. Jetzt sitzt Baumgart beim 1. FC Köln auf der Bank und Kwasniok in Paderborn. Der 40-Jährige hatte zu Saisonbeginn bislang nur zwei Spiele als Trainer in Liga zwei hinter sich gebracht.

Im Dezember 2016 half er nach der Entlassung von Thomas Oral beim KSC aus, erreichte zweimal ein 0:0, kehrte dann wegen fehlender Fußballlehrerlizenz zur U19 der Badener zurück. Jenen Fußballlehrerlehrgang absolvierte er einige Zeit später dann zusammen mit Robert Klauß. In Karlsruhe war Kwasniok insgesamt vier Jahre lang Jugendtrainer, schaffte es stets, die U17 und U19 des KSC souverän in der Bundesliga zu halten. Im Dezember 2018 übernahm er den Drittligisten Carl Zeiss Jena und hielt am Ende der Saison die Klasse, obwohl von den ersten 13 Spielen nur eins gewonnen wurde. Nach nur einem Punkt aus den ersten zehn Spielen musste Kwasniok, der ab Januar auch noch Sportdirektor gewesen war, in der Folgesaison dann aber den Hut nehmen. Der erste Ausflug in den Profifußball endete nach 30 Punkten aus 30 Spielen.

Im Dezember 2019 wurde Kwasniok Cheftrainer bei Regionalligist Saarbrücken. Das hatte völlig überraschend – trotz Tabellenführung und Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals – Dirk Lottner entlassen. Kwasniok übernahm und warf mit den Saarländern den KSC und Fortuna Düsseldorf aus dem Pokal. Offiziell kann er sich sogar Aufstiegstrainer nennen. Allerdings bestritt Saarbrücken unter seiner Ägide nur drei Regionalligaspiele, ehe die Saison pandemiebedingt abgebrochen und der FCS zum Aufsteiger erklärt wurde. In der Dritten Liga brauchten Saarbrücken und Kwasniok keine Anlaufzeit, waren phasenweise sogar Tabellenführer und schlossen die Saison als Fünfter ab. Das alles, obwohl ab Februar 2021 feststand, dass Kwasniok Saarbrücken verlassen würde.

Wie wird gespielt?

Nur zwei Spielen als Interimscoach beim KSC zum Trotz hatte sich Lukas Kwasniok einen gewissen Ruf unter den Fußballhipstern der Republik erarbeitet. Das Taktikportal Spielverlagerung.de sprach vom „Kwasniok-Swag“ und davon, dass der KSC unter ihm attraktivem Fußball gespielt hätte wie selten zuvor. Auf Grund des 3-5-2 in verschiedenen Ausprägungen fielen sogar Vergleiche mit Antonio Conte. Eine Grundordnung mit Dreierkette holte Kwasniok in Jena dann auch nach der langen Sieglosserie heraus. Es folgten sechs Siege aus sieben Spielen. In die Saison 2019/20 startete er dann allerdings wieder mit Viererkette.

Den variablen Wechsel zwischen Dreier- und Viererabwehr vollzog Kwasniok auch in Saarbrücken, allerdings setzte er weitaus öfter auf die Viererabwehr. Dafür wechselte er aber im Offensivbereich zwischen 4-3-3 und 4-2-3-1. Dogmatisch hinsichtlich der Formation ist Kwasniok also nicht, dennoch zeichnete sich sein Spiel in Saarbrücken durch eine ungewöhnliche Mischung aus Tempo und Ballsicherheit aus. Saarbrücken spielte viele Pässe, hielt den Gegner so in der Defensive auf Trab, hielt den Ball aber gleichzeitig auch überdurchschnittlich lang in den eigenen Reihen und verlor ihn weitaus seltener als der Drittligadurchschnitt. Diese Spielweise war gerade in der Offensive erfolgreich: 66 Treffer waren der zweithöchste Wert der abgelaufenen Saison.

Inwiefern diese Mischung aus Flexibilität, Tempo, Ballsicherheit und Positionsspiel auch auf Paderborn übertragbar ist, ist natürlich noch offen. Im ersten Spiel in Heidenheim agierte Paderborn in einer Art 4-2-3-1 mit Julian Justvan als vorgeschobenem Zehner, der fast zweite Spitze spielte. In den Tests hatte Kwasniok auch ein 4-4-2 mit Raute und ein flaches 4-4-2 spielen lassen. In Heidenheim kam der SCP kaum vors gegnerische Tor und hatte seinen Ballbesitz vor allem im Mittelfeld. Allerdings schafften es die Ostwestfalen dafür mit geschicktem Defensivspiel, den Gegner fast gänzlich aus dem eigenen Strafraum wegzuhalten. Elf von 13 Torschüssen der Heidenheimer waren von außerhalb des Strafraums. So endete das Spiel – genau wie die beiden anderen Spiele von Kwasniok als Trainer in der Zweiten Liga – 0:0. Es war das einzige Spiel des Wochenendes, in dem insgesamt mehr als 1000 Pässe gespielt wurden.

Wer sind die Schlüsselspieler?

Die Rolle des Ballverteilers fiel in Heidenheim Marco Schuster zu. Der war im Sommer aus Mannheim gekommen und dort über vier Jahre eine der zentralen Figuren im Mittelfeld gewesen. Einerseits eroberte der 25-Jährige bei Waldhof viele Bälle durch Positionsspiel und Antizipation, andererseits war er passsicher und spielte immer wieder öffnende Pässe in die Tiefe. Im ersten Saisonspiel in Paderborn war Schuster dann nach den Innenverteidigern van der Werff und Hünemeier derjenige, der die meisten Pässe spielte und den Aufbau steuerte.

Mit Blick auf jene Innenverteidiger fiel gegen Heidenheim auf, dass Uwe Hünemeier derjenige war, der die Bälle am häufigsten nach vorn brachte. Zwar verzichtete Paderborn weitgehend auf lange Pässe, wenn die Kugel dann doch einmal weit ins letzte Drittel gespielt wurde, war es der Routinier, der den langen Schlag wählte und dabei auch noch überaus präzise war: Dreizehn von fünfzehn Pässen ins letzte Drittel kamen an.

Die Pässe nach vorn am Ende verwerten soll wohl Dennis Srbeny. Der hat in der Vorsaison zehn Tore aus dem Spiel erzielt und sechs Elfmeter verwandelt, war nach Dursun und Terodde Dritter in der Torschützenliste und einer der Spieler in Liga zwei, der am häufigsten den Ball im gegnerischen Strafraum berührte. Das schaffte er gegen Heidenheim auch viermal, der einzige Torschuss war aber gänzlich ungefährlich. Auf eine Wiederholung dessen sollte sich der Club nicht verlassen.


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