Titelträchtiges aus dem Jahr 1935

FCN gegen Schalke: Die Mutter aller Pokal-Endspiele

8.12.2021, 21:07 Uhr
Hachja, Hochburg! So titelte die Fußballwoche 1935 nach dem vom FCN siegreich gestalteten Endspiel gegen Schalke.

Hachja, Hochburg! So titelte die Fußballwoche 1935 nach dem vom FCN siegreich gestalteten Endspiel gegen Schalke. © Die Fußballwoche, Der Club: 100 Jahre Fußball

Geltungsdrang haben sie noch heute. Geltung hatten sie vor allem früher. In den Anfangsjahren ihrer Geschichte sammelten Rot-Schwarze und Königsblaue Titel wie andere Gartenzwerge. Neun Jahre schmückten sich die Traditionsklubs gemeinsam mit dem Etikett Rekordmeister, ehe der FCN davonzog und erst in den späten 80ern in dieser Funktion von den Bayern abgelöst wurde.

Premiere im Schneegestöber

Im Pokal ist die Begegnung, die am Freitag erstmals im Zweitliga-Betrieb stattfindet (18.30 Uhr, Live-Ticker auf nordbayern.de), auf jeden Fall eine besondere. Als die Teams am 8. Dezember 1935 im Schneegestöber von Düsseldorf aufeinandertrafen, war dies das erste Pokal-Finale in Deutschland überhaupt, die (Groß-)Mutter aller Pokal-Endspiele. In England hatten sie die Vorlage für den Wettstreit geliefert. Zur Premiere hierzulande verabredeten sich zwei Mannschaften, von denen eine noch eine dicke Rechnung offen hatte. 1934 hatten Fritz Szepan und Ernst Kuzorra dem Club mit späten Treffern noch die nächste Meisterschaft weggeschnappt. Beim Wiedersehen im Rheinstadion revanchiert sich der FCN. Der Club bringt den sagenumwobenen Schalker Kreisel zum Stillstand, S04-Schreck Schorsch Friedel hämmerte der Sportpresse beim 2:0-Erfolg Lobeshymnen in die Schreibmaschinen.

Der Club wirbelt vor 56.000 Zuschauern im Winterwunderland von Anpfiff weg. Der FCN trotzt dem Favoriten nicht nur, er hat die besseren Torgelegenheiten. Zur Pause sind die Königsblauen mit dem 0:0 noch gut bedient, nach ihr alsbald im Rückstand: Eine Minute nach Wiederbeginn lenkt Max Eiberger einen Friedel-Schuss in die Knappen-Kiste. Auch wenn Friedel vom kicker in Folge als Torschütze geführt wird, gibt der Club-Kanonier, der wenige Jahre später in Afrika kämpfen und bei Sandstürmen und Gluthitze das fränkische Bier vermissen wird, den Ruhm an den Offensivpartner weiter. "Der Muckl hat ihn reingemacht, ich hab nur mitgeholfen", sagt der Schorsch, der in der 85. Minute den fränkischen Final-Sieg abstempelt - per Abstauber aus der Nahdistanz.

Ein fesselnder Kampf

Der kicker resümiert: "Das erste Endspiel um den deutschen Vereinspokal wurde zu einem denkwürdigen Ereignis. Die beiden besten deutschen Mannschaften haben sich einen grandiosen, fesselnden Kampf geliefert. Die an diesem Tag bessere Mannschaft hat den verdienten Sieg errungen." Und das feiert der FCN. Nach dem Spiel und die ganze Nacht hindurch.

Als am nächsten Morgen um 5.30 Uhr die Sonderzüge mit den mitgereisten Anhängern Richtung Noris abfahren und unter grenzenlosem Jubel am Bahnsteig empfangen werden, trällerte das Team mit den ausgelassenen Fans recyclebare Lieder wie: "Schalke ade, scheiden tut weh" oder "Von deinem Kreiselspiel/sahen wir gar nicht viel/ drum sind jetzt Sieger wir/ nicht Schalke null-vier". Sie klangen, soviel Geltungsdrang muss sein, gar nicht schlecht.

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