Vor dem Auftakt gegen Aue

Klauß' Appell an die Club-Fans: "Bitte kommt!"

24.7.2021, 09:58 Uhr

"Einfach Fan sein" - dieses Gefühl wollten im Test gegen 1860 München rund 4000 Menschen wieder genießen. Und am Sonntag? © Sportfoto Zink / Daniel Marr via www.imago-images.de

Bei der Bestellung für die obligatorischen Brezeln hatte man sich beim 1. FC Nürnberg offenbar etwas verkalkuliert. Obwohl der Zweitligist am Donnerstag erstmals seit vielen Monaten wieder zu einer so genannten Präsenz-Pressekonferenz geladen hatte, hielt sich der Andrang in Grenzen. Lediglich zwei Journalisten saßen Trainer Robert Klauß im kleinen PK-Raum am Valznerweiher leibhaftig gegenüber, die meisten Kollegen blieben lieber bei der in Pandemiezeiten vertrauten virtuellen Variante.

Ähnliche Berührungsängste scheinen auch noch viele Fans zu plagen. 17.500 Besucher wären von den Behörden am Sonntag (13.30 Uhr, Live-Ticker auf nordbayern.de) im Max-Morlock-Stadion zum Saisonstart gegen Erzgebirge Aue zugelassen, bis Donnerstag waren aber lediglich rund 10.000 Tickets verkauft. Ein Trend, der sich schon im Herbst 2020 beobachten ließ, als bei den beiden Stadionteilöffnungen gegen Sandhausen und Darmstadt die erlaubten Kapazitäten keineswegs ausgenutzt worden waren - und ein Phänomen, das aktuell nicht nur den Club betrifft.

"Kann sein, dass einige in der Pandemie das Interesse am Fußball verloren haben", befürchtet Klauß und nutzte die Gelegenheit zu einem kleinen Appell: "Kommt ins Stadion, wir freuen uns, wenn ihr da seid!" Der Trainer zeigte aber auch Verständnis, dass angesichts der nervigen Begleitumstände und komplizierten Rahmenbedingungen in Corona-Zeiten die Menschen derzeit lieber auf das Stadionerlebnis verzichten. "Viele werden jetzt auch erst mal schauen wollen, wie es sich anlässt und wie das alles funktioniert."

Eine Einstellung, die so wohl auch mit Blick auf die Mannschaft gelten könnte. Nach zwei miserablen Jahren und einer durchwachsenen Saison ist die Skepsis in Franken ein treuer Begleiter, obwohl der Club gefühlt stabiler dasteht als vor dem Spätstart im letzten September. Nach einer längeren, oft holprigen Experimentierphase hat Klauß in der Rückrunde ein kompatibles System gefunden. Die Elf ist eingespielt und bis auf die Innenverteidigung personell unverändert, Talente wie Erik Shuranov, Fabian Nürnberger oder Tom Krauß haben sich spürbar weiterentwickelt, der im Winter ausgeliehene und inzwischen fest verpflichtete "Königstransfer" Mats Möller Daehli sprüht bereits vor Spiellaune.

Hübner und Schindler einsatzbereit

Bis auf Pascal Köpke und Paul Besong stehen Klauß zum Start alle Profis zur Verfügung. Auch Florian Hübner (Schulterprobleme) konnte am Freitag wieder mit den Kollegen trainieren und wäre ebenso einsatzfähig wie der andere potenzielle neue Abwehrchef Christopher Schindler (grippaler Infekt); wer in der Innenverteidigung das Vertrauen bekommt, ist aber noch offen.

Dieter Hecking glaubt sogar schon eine zarte Aufbruchstimmung verspürt zu haben - und wagte eine erste Zielvorgabe: "Ich erwarte, dass wir wieder nach vorne gehen, raus aus der zweiten Tabellenhälfte", sagte der Sportvorstand im Interview mit Club-TV: "Wenn wir zwischen Platz fünf und acht einlaufen würden, glaube ich, haben wir den nächsten Schritt gemacht." Sein Trainer formuliert es wenig überraschend ähnlich und spricht von einer "durchaus realistischen Zielsetzung". Man wolle im Gegensatz zu den wankelmütigen Auftritten des Vorjahres "konstanter werden und mehr Punkte holen", kündigte Klauß an.

Einen Schub erhofft er sich durch die Rückkehr der Fans: "Die kleinen Momente im Spiel werden wieder mehr an Bedeutung gewinnen", glaubt der 36-Jährige, die Reaktionen von den Rängen sollen seiner Mannschaft dabei helfen, mehr über die "im Fußball elementaren Emotionen" ins Spiel zu finden. Auch wenn die Impulse von außen zunächst dezenter sein dürften als erhofft.

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