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Linas Vermächtnis: Die Club-Familie hilft nicht nur an Weihnachten

Foto: Eduard Weigert Datum: 27.3.19..Wolfgang Laass....Mitarbeiterportrait
Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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24.12.2021, 05:58 Uhr
Den Club im Herzen, den guten Zweck auf dem Oberarm: Enrico Valentini trägt ein besonderes Emblem.

Den Club im Herzen, den guten Zweck auf dem Oberarm: Enrico Valentini trägt ein besonderes Emblem. © Sportfoto Zink / Daniel Marr, NN

Die Karte berührt. Auch heute noch und für immer. Die Eltern der kleinen Lina haben sie damals in die Sportredaktion geschickt, anbei eine Zeichnung. Zu sehen ist die ganze, die vierköpfige Familie auf einer Blumenwiese, gemalt wohl von Linas Schwester Lilly. Oben der blaue Himmel, die Sonne. Unten der Satz: "Jetzt tanzt du mit den Engeln."

Worte können nicht beschreiben, was geschehen ist. Dass geteiltes Leid vielleicht nicht mehr so schlimm ist, stimmt nicht und stimmt doch, irgendwie. Leid bleibt es trotzdem, beginnend mit einem Arztbesuch. Schnupfen, Unwohlsein. Vier Buchstaben veränderten wenig später alles. DIPG. Diffuses intrinsisches Ponsgliom, ein seltener Gehirntumor, unheilbar. Linas Schicksal schüttelte nicht nur den 1. FC Nürnberg durch.

Zu ihrem siebten und letzten Geburtstag organsierte die Nordkurve beim Spiel in Düsseldorf eine emotionale Choreographie mit vielen bunten Luftballons, auch etliche Spendenaktionen sollten dazu beitragen, das Unerträgliche zumindest ringsum etwas erträglicher zu gestalten. Linas Vater ist großer Club-Fan und sogar Fahnenschwenker. "Immer weiter kämpfen Lina!" stand auf Transparenten der Ultras.

Auch die Forschung soll profitieren

Die Eltern schrieben auf, was sie fühlten, wie es ihrem Kind ging. Der Blog (linas-weg.frankenhilft.de) geht auch gut vier Jahre nach Linas Tod unter die Haut, wie auch die Karte, überschrieben mit: "Danke". So viel Anteilnahme, so viel Liebe, so viel Unterstützung. Kleine Füße, große Spuren.

"Dass wir nach diesem Schock nicht verlorengegangen sind", steht da, "haben wir all den Menschen zu verdanken, die unsere Familie im letzten Jahr begleitet haben". Es wurden immer mehr, darunter die Mannschaft. Im Stadion knieten nicht nur Tim Leibold oder Hanno Behrens vor Lina und ihrem Rollstuhl nieder, um ihr ganz nah zu sein. Sie zu streicheln. Seitdem sei "Franken hilft" natürlich "eine große Herzensangelegenheit für alle Spieler, die damals dabei waren", sagt Enrico Valentini, "ein Projekt, das man sehr gerne unterstützt, gerade in Anbetracht der Geschichte, an die es geknüpft ist."

Ein Club für Lina: Enrico Valentini schwenkt nach einem Sieg gegen Düsseldorf die große Fahne. 

Ein Club für Lina: Enrico Valentini schwenkt nach einem Sieg gegen Düsseldorf die große Fahne.  © Sportfoto Zink / DaMa, Sportfoto Zink / DaMa

Schon im September 2017 hatten acht empathische Mitmenschen den mittlerweile eingetragenen Verein gegründet. Um plötzlich Betroffenen auch finanziell helfen zu können, zunächst Linas Eltern, später anderen. Auch die Forschung soll profitieren, DIPG ist nach wie vor ein Todesurteil. "Wir arbeiten sehr eng mit der Stiftung für Innovative Medizin zusammen, die neue Therapieoptionen untersucht", so Sebastian Eidloth auf der Internetseite von "Franken hilft".

Das Emblem auf dem Ärmel

Fan-Clubs und Firmen überwiesen Geld, wollten spontan helfen. Erst Lina, später Oskar, Neele, Leon. Kürzlich versorgte "Franken hilft" die Opfer des Hochwassers. Hauptsache möglichst unkompliziert, schnell und direkt Gutes tun. In Zeiten wie diesen ein wohltuender Vorsatz, auf den viele gewartet zu haben scheinen.

Da ist über die Jahre wirklich etwas Großes entstanden, woran auch der Club seinen Anteil hat. Erst im Oktober, vor dem Mottoheimspieltag gegen Hannover (#GemeinsamfuerKinder), rief der Verein seine Anhänger dazu auf, "zur Verbesserung der medizinischen Versorgung und der Lebensqualität von kranken Kindern, Jugendlichen sowie deren Familien beizutragen". Spenden und der Erlös aus der Versteigerung von Sondertrikots, insgesamt über 15.000 Euro, kamen zu je einem Viertel dem Bundesverband Kinderhospiz, "Klabautermann‘" sowie der Elterninitiative krebskranker Kinder Nürnberg zugute – und natürlich "Franken hilft".

Das Emblem schaffte es sogar auf die Ärmel der roten Jerseys. "Wir sind unendlich dankbar, dass es Vereine wie Franken hilft gibt", sagt Dr. Alexander Beck, der Leiter des Münchner Forscherteams, in einer Videobotschaft, "die uns bei unserer Arbeit unter die Arme greifen und diese tatkräftig unterstützen." So können viele Wirkstoffe gekauft und an Tumorzellen getestet werden. In der Hoffnung, dass es einer schafft, die nach wie vor furchtbare Kinderkrankheit endlich zu besiegen.

Hilfe, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt

Franken hilft. Eine Erfolgsgeschichte. "Wir haben es bestimmt nicht erwartet, aber wir haben es natürlich gehofft", sagt Josef Broll, ein langjähriger, guter Freund von Linas Vater Andreas, "wie wir mittlerweile unterstützt werden, ist wirklich unglaublich."

Dankbar sind sie auch deshalb dem 1. FC Nürnberg, ihrem 1. FC Nürnberg. Und den anderen Profi-Vereinen in der Metropolregion, die sich ebenfalls sozial engagieren. Die SpVgg Greuther Fürth etwa hat im September die Stiftung "Kleeblatt fürs Leben" gegründet, um "alle Handlungsfelder des gesellschaftlichen Engagements" zu bündeln.

Corporate Social Responsibility, kurz CSR, sprich das nachhaltige, freiwillige und soziale Engagement, gewinnt auch beim Kleeblatt und beim Club zunehmend an Bedeutung. Wobei "Franken hilft" nicht nur Vorstand Niels Rossow auch persönlich einfach sehr wichtig ist.

"Der Club hat uns wirklich sehr, sehr geholfen", sagt Broll, "allein wenn wir auf der Homepage erwähnt werden, schlägt das natürlich Wellen". Wellen der Hilfsbereitschaft, die sich, wie Broll betont, "nicht in nackten Zahlen bemessen lässt".

So viel Zeit kann gar nicht vergehen

Franken hilft. "Es ist ein Verein der Club-Familie, aus unserer Mitte", sagt Rossow, "wir unterstützen ihn, wo wir können und von ganzem Herzen", siehe den Mottospieltag und andere Aktionen. "Wir alle haben damals mit der kleinen Lina gelitten und gehofft: zigtausend Club-Fans im Stadion, unsere Mannschaft, unser ganzer Verein." Linas Vermächtnis ist vor allem die Verpflichtung, nicht nachzulassen. Einfach immer weiterzumachen.

Die Vereinsgründer wie Josef Broll sind noch lange nicht fertig. Haben vor allem mit DIPG und dem einen oder anderen Medizingiganten noch ein paar Rechnungen offen. "Es kann ja nicht sein, dass eine Krankheit, die so viele Kinder umbringt, für die Pharmaindustrie uninteressant ist, weil sich’s nicht rentiert", sagt Broll.

Die Zeit heilt alle Wunden? So viel Zeit kann gar nicht vergehen.


Spendenkonto: Franken hilft e.V.,

IBAN DE35760610250001363000 oder Konto-Nr. 136 3000,

BLZ 760 610 25 bei der Raiffeisenbank Lauf an der Pegnitz.

Paypal: paypal.me/frankenhilft