Spätes Tor

Treffer in der Nachspielzeit: FCN stemmt sich gegen Aufstiegs-Knockout

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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29.4.2022, 21:46 Uhr
Der Club sorgt bei Pauli dafür, dass die Fans weiter träumen dürfen.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Der Club sorgt bei Pauli dafür, dass die Fans weiter träumen dürfen.

Der ICE 882 von Nürnberg nach Hamburg war am Freitag wieder einmal fest in rot-schwarzer Hand. Gastspiele beim FC St. Pauli galten unter Club-Fans schon immer als beliebter Anlass, sich auf Reisen zu begeben, was natürlich auch dem Reiz eines kulturellen Rahmenprogramms auf der Reeperbahn geschuldet sein könnte. Da störte es auch nicht, dass die statistischen Aufstiegsrestchancen des 1. FCN vor diesem Verfolgerduell drei Spieltage vor Saisonschluss allenfalls noch bei „fünf Prozent“ verortet wurden, zumindest hatte das Trainer Robert Klauß so irgendwie ausgerechnet.

Nach dem gefühlten Scheitern gegen Sandhausen (2:4) durften am Abend dann auch alle mathematisch mehr oder weniger fundierten Prognosen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen weitgehend beendet werden. Das 1:1 (0:0)-Remis am Millerntor besiegelte wohl das Schicksal der Gäste, sollte Darmstadt am Samstag gegen Erzgebirge Aue gewinnen, wäre es bei sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsrang und der deutlich schlechteren Tordifferenz so gut wie gelaufen für den Club. Dabei hatte Trainer Robert Klauß sein System erneut modifiziert und im statistisch verbürgten Wissen, dass die Hamburger sich gegen Mannschaften mit Dreierketten schwerer tun, eine 3-5-2-Formation aufs Feld geschickt.

Pascal Köpke erhielt im Angriff diesmal wieder den Vorzug vor Nikola Dovedan, zudem rückten Florian Hübner und Johannes Geis für Taylan Duman und den angeschlagenen Mats Möller Daehli (Wadenprobleme) in die Startelf. Die Gastgeber mussten neben den gelb-gesperrten Marcel Hartel und Jackson Irvine sowie Philipp Ziereis (Corona) kurzfristig auch noch ihren Top-Torjäger Guido Burgstaller ersetzen. Der Österreicher, den der Club angeblich gerne nach Nürnberg zurückholen möchte, fehlte just an seinem 33. Geburtstag wegen eines im Training erlittenen Muskelfaserrisses. Beide Mannschaften verzichteten vor 29.312 Zuschauern auf eine Abtastphase und legten gleich munter los, wobei vor allem der Club durchaus gefährlich vor dem Tor auftauchte. Lukas Schleimers Querpass nach eigenem Ballgewinn geriet allerdings zu ungenau, der Nachschuss von Tom Krauß (3.) wurde ebenso abgeblockt wie wenig später ein Distanzversuch von Schleimer (4.).

Auf der Gegenseite verpasste Lukas Daschner am zweiten Pfosten nur um Fußbreite eine Hereingabe des Ex-Nürnbergers Maximilian Dittgen (18.). St. Pauli erarbeitete sich in der Folge ein optisches Übergewicht und kombinierte sich auch gefällig bis zum Strafraum, fand aber gegen die kompakte Nürnberger Defensive kein Durchkommen. Der Club lauerte bevorzugt auf Umschaltmomente, ließ dann aber oft die nötige Präzision vermissen, weite Bälle auf Köpke und Schleimer erwiesen sich als Stilmittel gegen St. Paulis Abwehrhünen als eher ungeeignet. Erst in der 40. Minute kam Lino Tempelmann nach einem Geis-Freistoß wieder einmal zum Abschluss, bugsierte den Ball aus dem Gewühl aber über das Tor (40.). Klauß reagierte auf den offensiv ideenlosen und auch viel zu zaghaften Vortrag und brachte zur zweiten Hälfte Dovedan für den wirkungslosen Köpke. Schleimer versuchte den Österreicher dann auch gleich in Szene zu setzen, sein Querpass wurde von Jakov Medic aber gerade noch zur Ecke geklärt (50.).

Fünf Minuten später hatte der Club Glück, als die Abwehr den Ball nicht aus der Gefahrenzone brachte und Finn Ole Becker nur den rechten Pfosten traf – bis dato die beste Chance des Spiels. Dafür fand der Club nun wieder öfter eine Gelegenheit zum Kontern, der agile Kilian Fischer schoss aus spitzem Winkel knapp am langen Pfosten vorbei (63.). Nachdem Christian Mathenia stark gegen Christopher Buchtmann pariert hatte (71.), schien ein allerdings fragwürdiger Elfmeter für den Kiez-Klub die Weichen stellen. Der eingewechselte Igor Matanovic war im Zweikampf mit Asger Sörensen zu Boden gegangen, Daniel Kofi-Kyereh verwandelte sicher ins linke untere Eck. (73.). Bis kurz vor Schluss wähnten sich die Hamburger zurück auf dem Relegationsplatz, dann traf Joker Taylan Duman in der Nachspielzeit doch noch zum 1:1. Weiterhelfen wird dieses Remis dem Club zwar nicht mehr, den Ausflug auf den Kiez dürfte es für die Nürnberger Reisegruppen aber zumindest noch etwas amüsanter gestaltet haben.

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