Auch im hohen Norden nur Reservist

Wechselfehler: Club-Eigengewächs Erras und der Karriereknick in Kiel

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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1.12.2021, 17:10 Uhr
Auch bei Holstein Kiel bleibt Patrick Erras (rechts) derzeit nur eine Statistenrolle.

Auch bei Holstein Kiel bleibt Patrick Erras (rechts) derzeit nur eine Statistenrolle. © Stefan Puchner, dpa

Wer Patrick Erras nur ein bisschen kennt, mag erahnen, wie sehr sich der Mittelfeldspieler von Holstein Kiel ungeachtet seiner persönlichen sportlichen Misere auf die Dienstreise am Samstag (13.30 Uhr) ins Max-Morlock-Stadion freuen dürfte. "Ich habe immer noch viele Freunde beim Club", verriet Erras im Sommer nach seinem Wechsel zu den "Störchen", in 13 Jahren im Trikot des 1. FC Nürnberg sei ihm der Verein einfach "ans Herz gewachsen".

Umso mehr überraschte es, als sich die Wege 2020 trennten. Erras sah die "Zeit für etwas Neues gekommen". Und auch am Valznerweiher hatten sie nicht unbedingt den Eindruck erweckt, das Eigengewächs um jeden Preis halten zu wollen. Also zog der bodenständige Oberpfälzer, der 2007 vom SV Raigering ins NLZ nach Nürnberg gekommen war, erstmals in seinem Profileben hinaus in die große weite Fußballwelt.

Werder Bremen sah im ablösefreien Defensivstrategen eine reizvolle Ergänzung des Kaders. Doch entpuppte sich der Transfer bald als großes Missverständnis. Zwar bremsten Erras nicht zum ersten Mal in seiner Karriere auch wieder Verletzungen aus, doch wussten generell weder Florian Kohfeldt noch sein Nachfolger Markus Anfang etwas anzufangen mit diesem pass- und ballsicheren, spielintelligenten und kopfballstarken 1,97-Meter-Hünen, dem es für die Bundesliga aber wohl einfach an Tempo, Dynamik und vielleicht auch an Temperament mangelt.

Ein kapitaler Fehlstart

Nach nur sieben Pflichtspielen mit 87 Einsatzminuten und einem Jahr, das Erras als "nicht optimal, aber lehrreich" empfand, wollte man ihn beim grün-weißen Absteiger nicht einmal mit in die zweite Liga nehmen. Für 200 000 Euro Ablöse ging es noch etwas weiter nördlich an die Ostsee. Bei den zuvor in der Relegation am 1. FC Köln gescheiterten Kielern schaffte es der Neuzugang zwar auf Anhieb in die Stammelf, erlebte dann aber einen kapitalen Fehlstart. Nach einem 0:3 beim FC St. Pauli, einem 0:3 gegen Schalke 04 und einem 0:3 gegen Jahn Regensburg saß Erras plötzlich auf der Bank.

Seitdem ist die Bilanz überschaubar geblieben: 90 Minuten beim 1:1 gegen Darmstadt, eine Halbzeit gegen Hannover (0:3), dazu vier späte Kurzeinsätze – der Karriereknick des bald zweifachen Familienvaters setzt sich auch an der Kieler Förde fort. Auf der Sechser-Position hat sich der quirlige Lewis Holtby etabliert, beim 2:1-Sieg gegen Bremen blieb Erras am vergangenen Wochenende wieder nur eine Reservistenrolle.

Ein Schicksal, das dem 26-Jährigen nun auch gegen seinen anderen Ex-Verein blühen dürfte. Und allzu viele Freunde wird er im Max-Morlock-Stadion am Samstag auch kaum zu sehen bekommen. Wer Patrick Erras aber nur ein bisschen kennt, weiß, dass er sich trotzdem auf das Wiedersehen mit der alten Heimat freuen wird.


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