Meister von 1968

Zum Tod von Luggi Müller: "Eine treue Seele"

25.6.2021, 18:44 Uhr
Ein Mann, der wusste, wie man Raketen zündet: Luggi Müller (mit Bundestrainer Helmut Schön und Udo Lattek). 

Ein Mann, der wusste, wie man Raketen zündet: Luggi Müller (mit Bundestrainer Helmut Schön und Udo Lattek).  © ---, dpa

"Ich bin zufrieden. Wenn man stark auf die 80 zugeht, dann muss man zufrieden sein." Hatte Ludwig Müller unmittelbar vor dem letzten Jahreswechsel dieser Zeitung in der ihm eigenen Zurückhaltung die Frage nach seinem Befinden beantwortet. Dabei war der nur "Luggi" gerufene Meisterspieler des 1. FC Nürnberg bereits zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich angeschlagen. Am Donnerstag ist der frühere Fußball-Nationalspieler nach langer Krankheit gestorben, wie sein Sohn bestätigte.

Anlass des Gesprächs Ende 2020 war das erste Silvesterspiel der Bundesliga 1964 zwischen dem Club und dem VfB Stuttgart, bei dem Müller eine nicht unwichtige Rolle gespielt hatte: "Was habe ich denn da angestellt?", hatte er in der ihm ebenfalls eigenen verschmitzten Art gefragt. Der eisenharte Verteidiger hatte in der Partie eine Rakete abgefeuert und mit diesem Tor Nürnberg wenigstens ein 1:1 gesichert.

1200 D-Mark Gehalt

Von seinem Heimatverein FC Haßfurt, mit dem er bis in die zweite Liga Süd aufstieg, ging Müller 1964 nach Nürnberg. "Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart waren ebenfalls an mir interessiert, aber für uns Franken zählte nur der 1. FC Nürnberg", nannte er im Rückblick den Hauptgrund für seinen Wechsel. "Dort war ich lange Vorstopper, der meist auf den gegnerischen Torjäger angesetzt wurde", erinnerte er sich später. Mit dem Club holte er 1968 die neunte und vorerst letzte deutsche Meisterschaft.

Nach dem unmittelbar darauf folgenden Bundesliga-Abstieg wechselte der Unterfranke eher unfreiwillig zu Borussia Mönchengladbach. "Ich hätte beim 1. FC Nürnberg bleiben können, aber das Angebot, das sie mir gemacht haben, war zu gering. Davon hätte ich meine Familie nicht ernähren können", erzählte er offen und bestätigte eine Gehaltssumme von 1200 D-Mark. Und er schob in dem Gespräch nach: „Der Club kam vom Kämpferischen her, Gladbach war eine spielende Mannschaft. Da war es nicht mehr nötig, der ,eisenharte Franke‘ zu sein, wie es damals hieß.“

Mitglied der Jahrhundert-Elf - von Hertha BSC

Zwei Meistertitel holte er mit den Fohlen, bestritt sechs Länderspiele – und war 1971 beim legendären, allerdings annullierten 7:1-Sieg gegen Inter Mailand dabei. Beim Wiederholungsspiel in Berlin zog er sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. 1972 wechselte er für drei Jahre zu Hertha BSC, wo er seine Profikarriere beendete und in die Jahrhundert-Elf der Berliner gewählt wurde.

Luggi Müller zog es nach Franken zurück. In Haßfurt betrieb er mit seiner Frau Margot ein Bekleidungsgeschäft und war in seinem Heimatverein noch Jahre erfolgreich als (Spieler-)Trainer tätig. Als "treue Seele", wie ihn einstige Mitspieler charakterisierten, pflegte Müller den Kontakt zu seinen früheren Club-Kollegen, vor allem zu Horst Leupold. Er war bei den Jubiläumsfeiern zum 50-Jährigen des "Jahrhundertsieges" (7:1 gegen Bayern München) dabei, desgleichen beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt anlässlich des Jubiläums der 68er Meisterschaft.
Solange es seine Gesundheit zuließ, war "Luggi" auch bei Heimspielen im Stadion anzutreffen. Allerdings verfolge er die Spiele mit einem gewissen Abstand. "Das ist angenehmer, als wenn man nervös auf den Fingernägeln rumkaut."

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