15 Jahre unaufsteigbar - Fürth besiegt sein Trauma

17.4.2012, 16:35 Uhr
Mit einem Heimspiel gegen den FC St. Pauli (0:0, im Bild die Kleblatt-Profis Rainer Zietsch (re.) und Milan Kerbr) begann für die SpVgg Greuther Fürth am 27. Juli 1997 der lange Weg durch die 2. Liga. In knapp 15 Jahren spielte Fürth fast immer eine gute Rolle im Unterhaus, avancierte allerdings zunehmend zur tragischen Figur. Fast jährlich scheiterten die Fürther mal mehr, mal weniger knapp am Aufstieg und erwarben sich den Ruf der
1 / 26
Der erste Schritt zurück im Profifußball

© Winckler

Immer wieder kam es auf dem langen Weg der Fürther in die Beletage des deutschen Fußballs zu Duellen mit dem großen Rivalen aus Nürnberg. So auch in der Saison 1997/98. Fürth und der Club waren gemeinsam aus der Regionalliga aufgestiegen. Das Hinspiel im Ronhof gewann der FCN, ein halbes Jahr später siegte das Kleeblatt unter Benno Möhlmann, der im Oktober Armin Veh als Coach abgelöst hatte, im Frankenstadion mit 1:0. Keeper Günther Reichold war im April 1998 der große Rückhalt seiner Mannschaft. Fürth schloss am Ende auf einem beachtlichen neunten Rang ab, der Club verabschiedete sich vorübergehend in die Bundesliga.
2 / 26
Mit dem Club auf Augenhöhe

© Distler

Bereits im zweiten Jahr träumte Fürth vom Aufstieg. Am 22. Spieltag der Saison 1998/99 trug Arie van Lent nicht nur Rachid Azzouzi spazieren, sondern auch die Verantwortung dafür, dass das Kleblatt Fortuna Köln mit 4:0 besiegte. Der Niederländer erzielte gleich alle vier Treffer selbst. Zwölf Spieltage vor Rundenschluss hatte die SpVgg sechs Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen konnte: Das Kleeblatt sollte fortan kein Spiel mehr gewinnen.
3 / 26
Traum von der Bundesliga

© Hans-Joachim Winckler

Obwohl die SpVgg punktemäßig Woche für Woche auf der Stelle trat, konnte sie sich trotzdem noch fast zwei Monate lang auf einem Aufstiegsplatz halten. Der Abwärtsstrudel war aber nicht mehr aufzuhalten. Nach einer 1:2-Heimpleite gegen den KSC am 29. Spieltag zog die Konkurrenz schließlich vorbei. Mannschaftsbetreuer Wolf Nanke (2. v. li) trug es mit Fassung, Angreifer Arie van Lent hätte sich am liebsten in seinem Handtuch vergraben. Bis zum Saisonende wurde Fürth bis auf Rang acht durchgereicht.
4 / 26
Grundsteinlegung fürs Image

© Kögler

Zu Beginn der Spielzeit 1999/00 hatte sich Fürth wieder gefangen. Nach einem 2:0 gegen TB Berlin (hier macht sich Mirko Reichel auf den Weg zum 1:0) am siebten Spieltag grüßte das Kleeblatt gar von der Spitze. Danach lief am Laubenweg allerdings nicht mehr viel zusammen. Mitte April 2000 war bei nur drei Zählern Vorsprung sogar der Abstieg wieder ein Thema. Schließlich reichte es für die Möhlmann-Elf am Ende aber zu Platz sieben.
5 / 26
Spitze, Keller, Mittelmaß

© Hans-Joachim Winckler

Fast die komplette Saison 2000/01 verbrachte das Kleeblatt in Lauerstellung hinter den Aufstiegsrängen. Nach einem 1:0-Erfolg am 31. Spieltag gegen den MSV Duisburg (hier lässt sich Torschütze Francis Kioyo von Ioannis Amanatidis beglückwünschen) war die Zeit für die mittlerweile von Uwe Erkenbrecher trainierte Elf reif für den Sprung auf einen der ersten drei Plätze. Der Rückstand auf den Drittplatzierten St. Pauli - einst bei neun Punkten - betrug nur noch einen Zähler. Doch die SpVgg hatte ihre Nerven nicht im Griff. Zwei Punkte aus den letzten drei Partien bescherten den Fürthern am Ende lediglich Rang fünf. Eine Position, die zum Trauma werden sollte.
6 / 26
Zum ersten Mal Fünfter

© Winckler

Die Bilder gleichen sich. Auch im Frühjahr 2002 blickte man im Ronhof in betretene Gesichter. Eugen Hach hatte ein halbes Jahr zuvor das Zepter an der Seitenlinie übernommen. Das Kleeblatt spielte gewohnt stark und hatte einmal mehr gute Karten den Fahrstuhl nach oben zu erwischen. Sieben Siege in Serie spülten die SpVgg am 24. Spieltag auf Rang drei. Doch wieder brachen die Weiß-Grünen im Saisonendspurt ein. Von den letzten zehn Partien wurden nur noch zwei gewonnen. Der Tiefpunkt am letzten Spieltag, als Hannover 96 am Ronhof mit 5:1 triumphierte. Bilanz nach 34 Durchgängen: 59 Punkte, Platz 5.
7 / 26
Am Ende nur noch heiße Luft

© Roland Fengler

Mittelmäßig gestartet dümpelte die SpVgg in der Saison 2002/03 lange Zeit im Mittelfeld der Tabelle herum. Dann aber legte das Kleeblatt ab dem 22. Spieltag eine Serie hin und verlor wochenlang kein Spiel mehr. Nach einem 2:0 gegen den 1. FC Köln am 32. Spieltag kletterten die Weiß-Grünen erstmals auf einen Aufstiegsplatz. Zwei Siege fehlten zum großen Ziel - und die sollten gegen Aufsteiger Burghausen und den abstiegsbedrohten KSC her.
Zweimal führten die Fürther am vorletzten Spieltag gegen den SV Wacker (hier köpft Christian Eigler das 2:1), doch es sollte nicht reichen.
8 / 26
Nur noch zweimal siegen

© Roland Fengler

Coach Eugen Hach ist schockiert, Spieler und Mannschaftsbetreuer Wolf Nanke können es ebensowenig fassen. Burghausen gelang 13 Minuten vor dem Ende das 2:2.
9 / 26
Versteinerte Mienen

© Kögler

Während andernorts gefeiert wurde, lag Fürth mal wieder im Tal der Tränen. Petr Ruman (hi.) und Mirko Reichel wussten es schon vor dem abschließenden Spiel beim KSC (1:2): der Aufstieg war weg.
10 / 26
Fürth im Tal der Tränen

© Roland Fengler

Zwar stieg das Kleblatt auch in der Saison 2003/04 nicht auf, dafür gab es mal wieder zwei fränkische Derbys. In Nürnberg hieß es 1:1, das Rückspiel im Ronhof endete 2:2 (hier überspringt Eigler die Nürnberger Ciric und Wolf). Nach drei fünften Plätzen in Folge schloss das Kleeblatt im Frühjahr 2004 auf Position neun ab. Rund ging es in dieser Saison vor allem neben dem Platz. Eugen Hach musste Anfang November seinen Hut nehmen und wurde bis zur Winterpause durch Werner Dreßel ersetzt. Einen Tag vor dem Jahreswechsel verpflichtete Fürth den damals erst 34-jährigen Coach Thomas Kost und tat damit weder sich, noch ihm einen Gefallen. Der Neuling musste schon nach drei Spielen wieder gehen. Benno Möhlmann kehrte zurück und übernahm.
11 / 26
Der Club schaut mal wieder vorbei

© Roland Fengler

Ein Jahr nach der Chaos-Saison präsentierte sich die SpVgg stärker als je zuvor und schien sich auf dem Weg in die Bundesliga endgültig von nichts und niemandem mehr aufhalten zu lassen. Nach einem 2:1-Erfolg in Erfurt am 22. Spieltag betrug der Vorsprung der Möhlmann-Schützlinge neun Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Die Euphorie in Fürth war greifbar, Aufstiegsplakate mit dem Slogan
12 / 26
Jetzt muss es klappen

© Wolfgang Zink

Zwischen der Partie in Erfurt und dem Auftritt am 28. Spieltag beim Spitzenreiter in Köln lagen keine zwei Monate, dennoch war die Fürther Fußballwelt längst aus den Fugen geraten. In nur sechs Partien hatte das Kleeblatt den komfortablen Vorsprung verspielt und rutschte nach dem 2:3 am Rhein (hier Frederic Page gegen Lukas Podolski) auf Rang vier ab.
13 / 26
Rheinfall

© Wolfgang Zink

Die Mannschaft bekam die Kurve nicht mehr. Fürth rutschte zwischenzeitlich bis auf Platz sieben ab und wurde schließlich zum vierten Mal Fünfter. Die Euphorie in der Stadt war da schon längst maßloser Enttäuschung gewichen.
14 / 26
Aus der Traum

© Hans-Joachim Winckler

Elfmal stand die SpVgg Greuther Fürth während der Spielzeit 2005/06 auf einem Aufstiegsplatz - am Saisonende allerdings traditionell nicht. Nachdem am 16. Spieltag die Spitze erklommen wurde, verloren die Leistungen der Kleeblatt-Profis an Konstanz. Fünf Monate lang schafften es die Weiß-Grünen nicht mehr, einem Sieg einen zweiten Dreier folgen zu lassen. Nach einem 2:2 in Burghausen am 26. Spieltag war der Aufstiegsrang endgültig weg. Fürth wurde - na klar - Fünfter.
15 / 26
Neue Saison, neues Unglück

© Wolfgang Zink

Das erneute Scheitern am Ende der Vorsaison schien den Fürthern zu Beginn der Spielzeit 2006/07 noch in den Kleidern zu hängen. Das Kleeblatt kam einfach nicht in Fahrt und schien mit dem Aufstieg nichts zu tun zu haben. Zur Winterpause betrug der Rückstand auf einen der ersten drei Plätze satte zwölf Zähler. Doch Benno Möhlmann brachte seine Mannschaft im Trainingslager auf Vordermann und startete eine imposante Aufholjagd. Am 31. Spieltag zog die SpVgg dank eines 2:0-Auswärtssieges in Köln (hier jubelt Winterneuzugang Cidimar über seinen Treffer zum Endstand) mit der Konkurrenz gleich.
16 / 26
Aufholjagd der Extra-Klasse

Doch mit der neuen Situation kam das Kleeblatt nicht zurecht. Trotz der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz aus Duisburg schaffte Fürth aufgrund einer 0:2-Heimpleite gegen Erfurt nicht den Sprung auf Rang drei. Auch die beiden abschließenden Begegnungen gingen in die Binsen, so dass es mal wieder nur zu Platz fünf reichte.
17 / 26
Same procedure as every year

© Wolfgang Zink

Auch in der Saison 2007/08 wurde auf Fürther Seite unter Neu-Coach Bruno Labbadia viel getanzt und gelacht, nur eben dummerweise wieder nicht im Mai. Der Vorsprung auf Platz vier betrug nach dem 2:1-Erfolg am 19. Spieltag in Mainz allerdings auch
18 / 26
Zu früh gefreut

© Wolfgang Zink

Fast die komplette Rückrunde der Saison 2008/09 verbrachte die Spielvereinigung (mittlerweile zum dritten Mal von Benno Möhlmann trainiert) auf einem der drei Aufstiegsränge. Die Bundesliga war mal wieder zum Greifen nah - bis zum 30. Spieltag. Dann musste das Kleeblatt nach Duisburg und ging mit 0:2 unter.
19 / 26
Vom Zebra getreten

© Wolfgang Zink

Während sich der Ex-Fürther Björn Schlicke im Hintergrund mit seinen MSV-Kollegen beglückwünscht, lässt Bernd Nehrig den Kopf hängen. Vier Spieltage vor Schluss ist der Traum vom Aufstieg wieder geplatzt. Noch schlimmer: Der Club zog vorbei und kletterte über die Relegation ins Oberhaus. Für Fürth blieb zum siebten Mal nur Rang fünf.
20 / 26
Der Club zieht vorbei

© Wolfgang Zink

Bekannte Szenerie: Die einen tanzen, Bernd Nehrig stapft bedient davon. Das 1:4 am letzten Hinrundenspieltag der Saison 2009/10 gegen den KSC war der Tief- und gleichzeitig auch der Wendepunkt der Fürther Zweitliga-Story. Nur einen Tag später wurde der Kontrakt mit Benno Möhlmann aufgelöst, eine Woche später übernahm Mike Büskens das Kommando am Laubenweg. Der Herzens-Schalker verhinderte den drohenden Abstieg und ging mit seinem neuen Klub auf Position elf durchs Ziel.
21 / 26
Der Tiefpunkt

© Wolfgang Zink

In Büskens erster kompletter Saison als SpVgg-Coach spielte das Kleeblatt eine starke Runde. Zwar stiegen am Ende wieder drei andere auf, Platz vier zum Rundenschluss hatte Fürth aber noch nie erreicht.
22 / 26
Besser denn je

© Wolfgang Zink

Gleich am ersten Spieltag der Saison 2011/12 kam es im Ronhof zum Knaller der beiden Aufstiegsfavoriten aus Fürth und Frankfurt. Das Kleeblatt spielte 45 Minuten lang bärenstark, führte zur Pause mit 2:0 und unterlag dennoch (2:3). Was wie eine auf 90 Minuten verkürzte Zusammenfassung sämtlicher Nichtaufstiegs-Spielzeiten wirkte, war der Startschuss für eine famose Serie. Das Kleeblatt eilte fortan von Sieg zu Sieg. Lediglich gegen Ende der Hinrunde erlitt die Formkurve der Weiß-Grünen einen kleinen Knick. Nach der Winterpause drehte Fürth dann richtig auf...
23 / 26
Niederlage als Initialzündung

© Sportfoto Zink

...und verlor mit Winterneuzugang Gerald Asamoah kein Spiel mehr. Lediglich die erste Partie im Jahr 2012 ging in die Hose (1:3 in Dresden), da stand der Ex-Schalker aber noch nicht im Kader. Mehr als drei Unentschieden gab das Kleeblatt nicht mehr her. So wurde ausgerechnet ein
24 / 26
Der Kreis schließt sich

© Sportfoto Zink

Rechnerisch war nach dem Sieg gegen St. Pauli zwar noch nicht alles in trockenen Tüchern, doch nicht nur Spieler und Fans wussten an jenem denkwürdigen Abend des 13. April bereits:
25 / 26
Es ist vollbracht

© Sportfoto Zink

Als drei Tage später auch noch Verfolger Düsseldorf in Dresden verlor, waren auch die letzten Restzweifel beseitigt. Mannschaft und Fans machten in der Gustavstraße die Nacht zum Tag. Die Unaufsteigbaren gibt es nicht mehr. Dafür eine Bundesligamannschaft mit dem Namen: SpVgg Greuther Fürth.
26 / 26
Die Unaufsteigbar-Tour ist zu Ende

© dpa