Olympia ohne den Nürnberger

400-Meter-Sprinter Schneider: "Gott hat etwas anderes mit mir vor"

2.7.2021, 11:28 Uhr
Patrick Schneider könnte auch als Model für seinen Arbeitgeber Puma in Herzogenaurach arbeiten. Doch vorerst will er weiterhin sportlich auf sich aufmerksam machen.

Patrick Schneider könnte auch als Model für seinen Arbeitgeber Puma in Herzogenaurach arbeiten. Doch vorerst will er weiterhin sportlich auf sich aufmerksam machen. © EDUARD WEIGERT, NN

Bis zuletzt hat 400-Meter-Läufer Patrick Schneider gehofft, doch noch nach Tokio zu den Olympischen Spielen zu fliegen. Aber seit dieser Woche herrscht Gewissheit: Nach Japan fliegen andere.


Patrick Schneiders Weg vom LAC Quelle Fürth nach Chemnitz


Schuld daran ist ein Achillessehnenriss Ende März, der nicht rechtzeitig verheilt ist. Gespürt hat Schneider die Sehne "die ganze Zeit, aber es gab einen Aufwärtstrend", berichtet der 28-Jährige aus Aschbach, dessen Karriere einst beim LAC Quelle Fürth begann.

Parameter war der ständig präsente Schmerz nach dem Aufwachen, der "wie aus dem Nichts" eines Tages nur schwer erträglich war. "Im Training konnte ich auf einmal keine Steigerungen mehr machen. In Turnschuhen ging es nicht mehr, mit Spikes erst recht nicht."

Zwei Tage vor dem Rennen in Regensburg, über das er sich hätte qualifizieren können, halfen nicht einmal mehr Schmerztabletten. Auf dem Trainingsplatz in Fürth schließlich reifte die Erkenntnis: "Es soll wohl nicht sein. Der liebe Gott hat etwas anderes mit mir vor." Als Ende Juni in Leverkusen die deutschen 400-Meter-Läufer in einem Rennen gegen Polen in die Top 16 der Weltrangliste liefen und sich so für Olympia qualifizierten, war es noch einmal doppelt bitter für Schneider.

46,8 Sekunden hätten gereicht

"Ich gönne es jedem. Aber ich habe gesehen: 46,8 Sekunden hätten gereicht, das bin ich letztes Jahr im ersten Rennen gelaufen." Wenn er fit gewesen wäre, wäre er also sicher dabei gewesen "beim größten Ereignis der Sportwelt", wie er die Spiele schwärmerisch nennt. Jahrelang war er unter den sechs besten deutschen 400-Meter-Läufern – und exakt sechs Männer dürfen nun nach Japan.

Was bleibt, ist der schwache Trost, dass es wegen der Pandemie keine normalen Olympischen Spiele werden. Die zwölf deutschen Männer und Frauen residieren zunächst in der Stadt Miyazaki, um von dort nur tageweise ins olympische Dorf nach Tokio zu reisen. "Im olympischen Dorf zu sein, das war immer mein Traum", sagt Schneider.

Und nun? Derzeit ist er in Nürnberg in der Wohnung, in der er gemeinsam mit seiner Freundin lebt. Er seufzt ins Telefon: "Es ist nicht so leicht. Ich habe jetzt ein Jahr verschenkt wegen der Verletzungen." Er sei jetzt im besten Sprinteralter, die biologische Uhr tickt. Er schmiede zwar schon Pläne, spruchreif seien sie jedoch noch nicht. Fakt ist erst einmal nur, dass er weiterhin für den TV Wattenscheid starten wird.

Jetzt aber heißt es erst einmal: "Zwei, drei Wochen gar nichts machen, mich sammeln, dem Körper Ruhe gönnen, die Sehne ausheilen lassen." Der Schmerz wird zum Wiedereinstieg ins Training nicht komplett weg sein. Doch er habe schon neue Ziele: "Voller Fokus auf die Europameisterschaft im nächsten Jahr in München."

Dann eben Olympia 2024

Danach käme die WM in Oregon, USA, aber das ist Zukunftsmusik. Genauso wie sein vielleicht "letztes Projekt" als Sportler: Olympia 2024 in Paris. Er wolle jedes Jahr aufs Neue entscheiden, wohin die Reise geht – und was der Körper zu den Belastungen sagt.


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Bis September bleibt er in Nürnberg, trainieren wird er in Fürth, die Spiele will er sich – auch wenn es seelisch weh tut – trotzdem im Fernsehen anschauen. "Ich bin zwar noch am Verdauen, aber Olympia geht mir nicht am Arsch vorbei."

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