Erneut internationaler Titel im Kraftdreikampf

47 kg leichte Anja Schreiner hebelt physikalische Gesetze aus

9.9.2021, 13:58 Uhr
Anja Schreiner bei der Westeuropa-Meisterschaft in Luxemburg.

Anja Schreiner bei der Westeuropa-Meisterschaft in Luxemburg. © European Powerlifting Federation

Frau Schreiner, woher nehmen Sie nach so vielen internationalen Titeln die Motivation, sich weiterhin zu Höchstleistungen anzutreiben?

Anja Schreiner: Die vergangenen eineinhalb Jahre waren schon außergewöhnlich, weil ich oft ganz allein im Studio war. Nach einer Zwölf-Stunden-Schicht zum Sport zu gehen, kostet ohnehin Überwindung. Und ohne Absicherung wagst du dich nicht an neue Gewichte heran. In ein Loch gefallen bin ich aber nie und war im Gegenteil immer dankbar, dass ich als Nationalkaderathletin trainieren durfte. Ans Aufhören denke ich noch lange nicht. Im November will ich mich bei der WM in Norwegen für die World Games 2022 (das Olympia der nicht olympischen Sportarten; d.Red.) qualifizieren.


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Nun kam im Bankdrücken wieder ein neuer persönlicher Rekord (112,5 kg stehen 165 kg in der Kniebeuge und 135 kg im Kreuzheben gegenüber) heraus. Müssten in Ihrer Gewichtsklasse nicht irgendwann die physikalischen Gesetze ausgereizt sein?

Das sollte man meinen, ja. Aber es ist auch nach elf Jahren noch Luft nach oben. Großen Anteil daran hat unser Vereins- und Bundestrainer Marc Polster, seine Pläne sind von Anfang an auf dosierte Steigerungen auslegt. Im Equipped-Bereich lässt sich ständig noch an der Balance zwischen unterstützendem Anzug und Beweglichkeit tüfteln. Tatsächlich ist es für mich eher eine psychische Herausforderung, den Respekt vor dem nächsthöheren Gewicht zu überwinden. Ich orientiere mich da gerne an einer Japanerin, die auch mit 50 Jahren neue Bestmarken aufstellt.



Konnten Sie denn schon immer so zupacken?

Mit zwei Brüdern habe ich in früher Jugend automatisch lernen müssen, mich zu behaupten. Das ist mir dann mit dreieinhalb Jahren beim Ringen ziemlich gut gelungen, bis ich mit 14 zum Bankdrücken gewechselt bin. Das Ringen ist immer noch meine heimliche Liebe.

Sehen Sie sich als Vorbild in der Rolle einer starken Frau?

Dass mein Hobby als exotisch wahrgenommen wird, habe ich bei einigen Vorstellungsgesprächen erlebt. Meine doch recht zierliche Figur sorgt im ersten Moment für Staunen. Ich fände es schön, wenn sich junge Mädchen ein Beispiel nehmen wollen, um sich etwas zuzutrauen. Gerne gebe ich aber auch Männern Ratschläge.

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